Klein: Sein Stadtbezirk geriet schon einmal in die Schlagzeilen - in der jüngsten Vergangenheit nach den Vorgängen an der Rütli-Schule. Neukölln, ein Berliner Bezirk der Gegensätze mit hohem Migrantenanteil, vielen Problemen und einem engagierten Bürgermeister, der schon damals gefragter Gesprächspartner war. Seit Sonntag hat er einen neuen Anlass, Interviews zu geben, denn in die Bezirksverordnetenversammlung ist nun auch die NPD eingezogen mit 3,9 Prozent in eines von vier Bezirksparlamenten der Hauptstadt. Über die Hintergründe wollen wir jetzt mit dem Neuköllner Bürgermeister sprechen. Guten Morgen, Heinz Buschkowsky!

Buschkowsky: Guten Morgen, Frau Klein!

Klein: Wie konnte es zum Erfolg der NPD in Neukölln kommen?

Buschkowsky: Weil die, die geglaubt haben, wenn sie nicht wählen gehen, dass sie nichts beeinflussen. Aber die, die nicht wählen gehen, wählen auch, weil: Wir hatten eine Wahlbeteiligung von 52 Prozent, und da sind 4000 Stimmen von 210.000 Wahlberechtigten eben zwei Sitze in der Bezirksverordnetenversammlung. Das hat nichts damit zu tun, dass das rechtsradikale Gedankengut in Neukölln angewachsen ist, ganz im Gegenteil. Seit 2001 haben wir das massiv zurückgedrängt, wie gesagt 4000 Stimmen. In den 90er Jahren verfügten die Republikaner in Neukölln über 16.000 und 17.000 Stimmen.

Klein: Das heißt, absolut gesehen gibt es nicht mehr Anhänger für die NPD, nicht mehr Menschen mit rechtsextremer Gesinnung?

Buschkowsky: Sie machen im Moment bei den absoluten Stimmen etwa ein Viertel ihres Potenzials in den 90er Jahren aus. Aber bei 52 Prozent Wahlbeteiligung und einer abgesenkten Mindestquote auf 3 Prozent sind das eben halt 3,9 Prozent, und damit sind sie mit zwei Mandaten in der Bezirksverordnetenversammlung, so schlimm wie das ist.

Klein: So viel zu den rechnerischen Fragen, Herr Buschkowsky. Sicherlich ist eine Hauptursache die geringe Wahlbeteiligung, aber fragen Sie sich selbst dann auch manchmal, was Sie hätten tun können, um das zu verhindern?