Spengler: Der neu gewählte Landtag Mecklenburg-Vorpommerns kommt am 16. Oktober zu seiner konstituierenden Sitzung in Schwerin zusammen - das steht fest. Wann aber welche Regierungskoalition steht, darauf wird man noch warten müssen. Die SPD hatte am Sonntag bei der Wahl rund zehn Prozentpunkte verloren, ist aber stärkste Partei geblieben. Sie hat Koalitionsgespräche mit dem bisherigen Regierungspartner Linkspartei.PDS, aber auch mit der CDU angekündigt. Welche Konsequenzen sollte man ziehen aus dem Einzug der NPD-Neonazis in den Landtag? Am Telefon ist Till Backhaus, SPD-Landesvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern. Guten Morgen!

Backhaus: Guten Morgen!

Spengler: Herr Backhaus, was haben die demokratischen Parteien falsch gemacht, dass der NPD dieser Einzug gelungen ist?

Backhaus: Also erstens ist es so, ich glaube, wir müssen insgesamt eine gesamtgesellschaftliche Debatte über diese Problematik der NPD, der Nazis im Osten Deutschlands führen oder insgesamt in Deutschland führen, und wir brauchen Lösungsansätze, die insbesondere den Menschen Arbeit und eine Perspektive geben, und darüber müssen wir jetzt intensiv reden mit dem Ziel, das alle demokratischen Parteien vereinen muss, mit dem ganz klaren Ziel, dass in fünf Jahren die NPD aus dem Landtag wieder ausscheidet.

Spengler: Haben denn die Parteien am Ort, dort in Ostvorpommern, sozusagen Terrain freiwillig aufgegeben?

Backhaus: Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die NPD ja doch in den letzten Jahren versucht hat, in das bürgerschaftliche Engagement einzutreten, insbesondere in Vereine, Verbände, wo man versucht hat, eben auch Fuß zu fassen. Da haben die etablierten Parteien versagt, das muss man ganz klar erkennen, und wir haben sicher auch in der SPD eine Strukturschwäche. Deswegen kann ich nur hoffen, dass die Menschen jetzt aufwachen und dass diejenigen, die sozialdemokratisch denken, die für Freiheit, für Toleranz, für Weltoffenheit und letzten Endes auch für Solidarität einstehen, dass diese Menschen sich engagieren, und zwar in den demokratischen Parteien, am liebsten natürlich in der SPD.

Spengler: Wäre ein Verbot der NPD hilfreich - das wird ja wieder diskutiert - oder wäre das kontraproduktiv?