Müller: Es will sich niemand so richtig die Finger verbrennen während des Wahlkampfs. Deswegen ist es auch so schwierig, in dieser Phase komplizierte schwierige politische Themen in den Griff zu bekommen, sie zu lösen. Doch die Wahlen sind gelaufen, in Berlin und in Schwerin. Nun ist wieder Zeit für den Alltag. Der bevorstehende Herbst könnte wiederum eine recht lebendige, streitsüchtige Jahreszeit werden, denn in der Sozialpolitik geht es ans Eingemachte. Hartz IV beispielsweise soll generalüberholt werden. Ebenso stehen Kündigungsschutz, Kombilöhne und Mindestlöhne auf der Agenda, Themen, bei denen der Konflikt zwischen Gewerkschaften und der Großen Koalition bereits ausgemachte Sache sind. Viele sagen trotz oder auch wegen der SPD.

Am Telefon sind wir nun verbunden mit DGB-Chef Michael Sommer. Guten Morgen!

Sommer: Guten Morgen Herr Müller!

Müller: Herr Sommer, ist die Große Koalition ein Desaster für Arbeitnehmer?

Sommer: Ich bin dafür, dass wir das differenziert angehen. Die Große Koalition hat am Anfang ihrer Tätigkeit den Menschen in diesem Land Hoffnung gegeben, dass es besser wird. Es ist in Punkto Arbeitslosenzahlen tatsächlich jetzt besser geworden. Ich hoffe, dass sich das verstetigt. In vielen anderen Punkten wird es für die Menschen schlechter. Das heißt das Bild ist sehr unterschiedlich und sehr scheckig.

Die Gewerkschaften haben immer gesagt, wir wollen Deutschland sozial gestalten und wir werden das weiter tun. Wenn die Regierung eher in Richtung Sozialabbau denn in Richtung soziale Sicherung für die betroffenen Menschen geht, dann werden wir unsere Stimme erheben. Wir werden heute auf einer Betriebs- und Personalrätekonferenz in Berlin damit beginnen und wir werden das fortsetzen am 21. Oktober mit fünf Kundgebungen in Großstädten.

Müller: Welcher Schritt, Herr Sommer, hat denn den Arbeitnehmern aus Sicht der Großen Koalition gut getan?