Remme: Das Verhältnis zu Polen gehört zur Zeit zu den komplizierteren bilateralen Beziehungen Deutschlands - ein Problem, weil die große Bedeutung des nachbarschaftlichen Verhältnisses zu Polen von kaum jemandem bestritten wird. Ursachen für die Belastungen gibt es mehrere. Um ein Zentrum gegen Vertreibungen, wie vom Bund der Vertriebenen geplant, wird seit Jahren gestritten. Die Energiepolitik war ein anderer Streitpunkt in den vergangenen Monaten. Seit gestern ist Polens neuer Botschafter im Amt, er heißt Marek Prawda und hat bereits als Student in Leipzig und Gesandter in Bonn Erfahrungen in Deutschland sammeln können. Bis zum vergangenen Jahr war er Botschafter in Schweden. Vor der Sendung habe ich mit ihm gesprochen und ihn zunächst gefragt, ob die Versetzung nach Berlin einer Beförderung gleichkommt.

Prawda: Das ist meine Rückkehr zu meiner alten Leidenschaft. Ich habe mich für deutsch-polnische Beziehungen schon früher interessiert. und nun komme ich zurück nach Berlin in einer Phase, wo die Beziehungen interessant sind und vielleicht ein bisschen kompliziert.

Remme: Ich wollte gerade sagen: Sie sind auf das Stichwort Beförderung nicht eingegangen, aber stimmen Sie mir zu, wenn ich sage, dass Ihr Job nicht einfacher geworden ist?

Prawda: Nein, ich glaube, es ist jetzt eine Herausforderung und in dem Sinne ist das eine Aufgabe, die mich sehr motiviert.

Remme: Wo würden Sie das bilaterale Verhältnis auf einer Skala zwischen Null, sehr schlecht, und Zehn, ausgezeichnet, derzeit ansiedeln?

Prawda: Also vor fünf Jahren, als ich nach Stockholm ging, da hatten wir ein Treffen in der deutschen Botschaft gerade, und wir haben damals uns beklagt über die Beziehungen, über den Stand der deutsch-polnischen Beziehungen. Damals hatte ich eigentlich ironisch gesagt, deutsch-polnische Beziehungen sind uneingeschränkt verschlechterungsfähig. Heute sind die Beziehungen sehr unterschiedlich bewertet. Ich glaube, dass diese Vertrauenskrise, in der wir heute vielleicht noch stecken, zum Teil ein Medienereignis ist, aber zum Teil wurden viele Folgen von langjährigen Versäumnissen deutlich.

Remme: Werden Sie doch konkreter, Herr Botschafter. Denn die Vergangenheit spielt auf einmal wieder eine große Rolle. Der Ton ist mitunter scharf und giftig. Wo liegen die Gründe?