Engels: Gestern hat die Arbeitsgruppe von CDU und SPD zum Thema Gesundheitsreform bis in die Nacht hinein getagt. Doch die drei Hauptstreitpunkte bleiben auf dem Tisch: Erstens die so genannte Überforderungsklausel, sie soll laut SPD den Zusatzbeitrag des Versicherten an seine Kasse auf ein Prozent des Haushaltseinkommens begrenzen - dieses Problem sollen nun Experten lösen; zweitens geht es in der Arbeitsgruppe um die Rahmenbedingungen für die privaten Krankenversicherungen; drittens um den Finanzausgleich zwischen den einzelnen gesetzlichen Kassen. Am Telefon ist nun die SPD-Gesundheitsexpertin Andrea Nahles. Guten Morgen.

Nahles: Guten Morgen, Frau Engels.

Engels: Nächste Woche soll ja der Knoten durchgeschlagen werden, eine Woche später soll die Gesundheitsreform ins Kabinett. Frau Nahles, glauben Sie noch an den Zeitplan?

Nahles: Also ich hatte gehofft, dass wir gestern ein Stück weiter kommen und ich habe den Eindruck gehabt, dass sich in einigen wichtigen Punkten, insbesondere der Frage des Risikostrukturausgleichs, den Ausgleich der Kassen untereinander, doch eher die Positionen weiter von einander entfernt haben. Und insoweit hoffe ich das, aber ich bin auch, ehrlich gesagt, ein Stück weit skeptisch.

Engels: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat gestern im ZDF angedeutet, angesichts sprudelnder Steuereinnahmen könnte womöglich auf die beschlossene Anhebung der Krankenkassenbeiträge um insgesamt 0,5 Prozentpunkte zum Jahreswechsel verzichtet werden - und zwar dann, wenn man die staatlichen Zuschüsse für die Kassen vorerst beibehält. Was sagen Sie dazu?

Nahles: Also ich muss sagen, dass ich mich darüber freue. Ich begrüße das ausdrücklich. Die Diskussion war schon einmal an dem Punkt. Frau Merkel hatte sich damals auch für eine stärkere Steuerfinanzierung ausgesprochen. Und es geht ja wohl dann, wenn ich das richtig verstehe, was sie gesagt hat, darum, dass das, was über die Tabaksteuer eigentlich in die Gesundheitspolitik einfließen sollte - das wurde ja rückgängig gemacht -, dass das jetzt doch wieder fließt. Das heißt, das sind so drei, vier Milliarden vielleicht. Das wäre schon eine Entlastung und kann man nur begrüßen, weil die SPD sich immer ganz klar ausgesprochen hat für eine zweite Finanzierungssäule, nämlich über Steuern, das ist gerechter, und die Unionsministerpräsidenten hatten das dann vor einigen Wochen unmöglich gemacht.

Engels: Sie freuen sich also über diesen möglichen Verzicht auf die Anhebung. Gibt das denn der SPD umgekehrt Spielraum für die Verhandlungen, der Union entgegenzukommen?