Hans-JoachimWiese: Nicht nur über die gestrige Probeabstimmung bei den Sozialdemokraten will ich mich jetzt mit der stellvertretenden Grünen- Fraktionschefin und Sozialexpertin Thea Dückert unterhalten, sondern auch über einen möglichen nächsten Konflikt, bei der Rentenpolitik nämlich. Guten Tag Frau Dückert!

Thea Dückert: Guten Tag Herr Wiese.

Wiese: Zunächst einmal zu den Sozialreformen. Gegen die gab es ja auch bei den Grü-nen Widerstand. Die SPD-Abweichler sind auf Linie gebracht worden. Wie steht es um die Bedenkenträger bei Ihnen? Grummeln die tatsächlich nur noch, wie wir gerade hörten?

Dückert: Wir haben gestern und vorgestern sowie auch in den letzten Wochen noch einmal einen sehr intensiven und guten Diskussionsprozess in der Fraktion und einige der Kritiker haben sehr deutlich gesagt, dass sie jetzt die Veränderungen sehr zu würdigen wissen und dem Gesetz auch zustimmen werden. Wie das dann in der Summe sein wird, das sehen wir am Freitag. Ich gehe davon aus, dass bei uns alle zustimmen werden.

Wiese: Wie kommt es eigentlich, Frau Dückert, dass bei der SPD so deutlich und auch nach außen hin offen Widerstand geleistet wurde, aber bei den Grünen eigentlich nicht? Die SPD-ler haben sich ja auch immer auf ihr soziales Gewissen berufen. Gibt es kein soziales Gewissen mehr bei den Grünen oder gab es das vielleicht noch nie?

Dückert: Wir haben einen ganz anderen Diskussionsprozess. Die Punkte, die jetzt auch genannt worden sind, ja bei uns auch von einigen sehr pointiert in die Öffentlichkeit getragen worden sind, genau wie bei der SPD, diese Punkte standen bei uns sozusagen schon auf der Liste der Änderungswünsche. Die waren auch von unserer Seite zum großen Teil schon in die Diskussion mit der SPD eingebracht worden. Das heißt die Punkte, die jetzt vorgetra-gen worden sind, beispielsweise kein Lohndumping bei Minijobs oder auch die bessere Be-rücksichtigung der Altersvorsorge, das ist etwas, was wir die ganze Zeit schon verhandelt haben. Insofern haben eigentlich die Fraktion und auch die Kritiker, die dann noch mal nach außen gegangen sind, an einem Strang gezogen.