Durak: Einer aufmerksamen Internetkundin aus den USA ist aufgefallen, was der CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann kürzlich öffentlich gesagt hat, weswegen er jetzt von Präsidium und Vorstand seiner Partei gerügt wurde. Seine Äußerungen über Juden als Tätervolk seien ''unerträglich und mit den Grundwerten der Union unvereinbar'', erklärte die Parteivorsitzende Angela Merkel gestern auf einer Pressekonferenz. Und auf Nachfrage ergänzte sie, im Wiederholungsfall müssten weitergehende Konsequenzen gezogen werden. Martin Homanns Landesverband ist der hessische und Hessens Landesgruppe im Bundestag, in der Fraktion der CDU/CSU führt Klaus Lippold an. Er ist jetzt am Telefon, schönen guten Morgen. Lippold: Einen schönen guten Morgen. Durak: Wieso eigentlich erst im Wiederholungsfall, Herr Lippold? Lippold: Weil wir jetzt direkt und klar und deutlich dafür gesorgt haben, dass Martin Hohmann sich ganz klar und deutlich von dieser Rede distanziert, dass er sich öffentlich entschuldigt, dass er sehr klar gesagt hat, dass er weitere Erklärungen nicht mehr abgibt und dass auch sehr deutlich hinzugefügt hat, dass er die Rüge der Bundespartei auf der einen Seite, aber auch der Fraktionsgremien, - geschäftsführender Fraktionsvorstand, Fraktionsvorstand - auf der anderen Seite, akzeptiert. Wir haben dafür gesorgt, dass er damit verbunden ein anderes Tätigkeitsfeld erhält. Er wird nicht mehr im Innenausschuss für uns tätig sein, in dem diese Themen relevant sind, sondern in einen anderen Ausschuss gehen und er wird auch eine Reihe von Berichterstattungen, die mit diesen Themen in Zusammenhang stehen, nicht mehr weiter fortführen, das haben wir anders geregelt. Durak: Herr Lippold, salopp gesagt würde man davon sprechen, man hat Herrn Hohmann zum Jagen tragen müssen. Er hat sich ziemlich zögerlich von seinen Äußerungen distanziert, weshalb glauben Sie ihm diese späte Einsicht? Lippold: Weil ich davon ausgehe nach bisheriger Kenntnis, dass, wenn er etwas sagt, - und für mich ist wesentlich, dass ein Wiederholungsfall von uns ausgeschlossen wird nach dem Motto, wir haben gesagt, so etwas darf sich nicht wieder ereignen und das gibt dann weitere Konsequenzen -, dass ich davon ausgehe, dass, so wie er bislang sich an Verabredungen gehalten hat, dieses mit Sicherheit erst Recht in diesem Fall tun wird. Durak: Sie legen die Hemmschwelle ziemlich niedrig was Herrn Hohmann betrifft. Andere mussten für etwas Ähnliches ihr Amt verlassen. Weshalb eigentlich reagiert die CDU erst jetzt, nachdem von außen das aufgefallen ist, denn am Tag selbst, als Herr Hohmann sich geäußert hat, ist das niemandem unter den Zuhörern in seinem Heimatort aufgefallen, auch der zuständigen Regionalzeitung nicht. Die CDU hat ja die Rede sogar ins Internet gestellt, also müsste ja eigentlich die CDU am Ort eigentlich auch irgendwie gerügt werden? Lippold: Das ist der CDU Ortsverband, wir haben von dem Sachverhalt zur damaligen Zeit nicht gewusst, waren nicht informiert, sind erst später darauf aufmerksam gemacht worden, haben aber in dem Moment, als wir darauf aufmerksam gemacht wurden, sofort reagiert, sofort und direkt reagiert. Schneller geht es nicht. Durak: Aber konsequenter ginge es. Es gibt ja Leute, die sich im Hessischen auskennen, dort in der Region und Herrn Hohmann kennen und sagen, es sei nicht das erstemal, dass er sich so verhalte. Es wird von einer Grauzone zwischen rechtskonservativ und rechtsradikal gesprochen, stimmt das nicht? Lippold: Ich würde den Ausdruck rechtsradikal für zu weitgehend halten. Ich glaube, dass es auch keine vergleichbaren Äußerungen, jedenfalls sind mir keine bekannt, vorher gegeben hat, denn sonst hätten wir schon früher reagiert, ganz klar und ganz eindeutig. Durak: Wie kann der Mann aber auf die Idee kommen, Juden als Tätervolk zu bezeichnen in dem Zusammenhang? Das erschließt sich mir immer noch nicht, selbst mit einer Entschuldigung. Man denkt ja vorher, bevor man spricht. Lippold: Wenn ich das richtig sehe, hat er bestritten, Juden als Tätervolk bezeichnet zu haben. Ich gehe davon aus, dass er sich davon genauso distanziert und in Zukunft distanzieren wird, und zwar klar und eindeutig. Durak: Ist ihnen, dem hessischen Landesverband der CDU, der Fall Hohmann peinlich? Lippold: Sie können sich doch vorstellen, dass wir diese Form nicht akzeptiert haben und nicht akzeptieren. Eindeutiger kann man diese Frage nicht beantworten. Durak: Doch man könnte schon. Ist es Zeit für die CDU in Hessen, genauer darauf zu hören, was eigene Abgeordnete im Heimatkreis tun oder lassen? Lippold: Ich gehe davon aus, dass wir, wie in der Vergangenheit, sehr genau das beobachten. Aber sie können nicht in allen Details alle Einzelheiten immer und jederzeit verfolgen. In dem Moment, wo sie für uns deutlich werden, sind wir diejenigen, die schnell, klar und deutlich reagieren. Durak: So genau haben sie ja eben nicht beobachtet. Sie nicht, Herr Lippold, allein sondern der Landesverband und andere. Haben Sie vor, vielleicht mal einen großen Runden Tisch mit CDU Abgeordneten, Bundestagsabgeordneten zu machen, um mal über so etwas zu sprechen, um andere davor zu bewahren, Ähnliches zu tun? Lippold: Ich glaube, dass wir in unserer Partei eine sehr klare und eindeutige Grundhaltung haben, dass dieses ein Einzelfall war, ist und für die Zukunft bleiben wird. Ich glaube nicht, dass dieses jetzt ein Punkt ist, wo man sagen kann, das ist ein Regelfall in der CDU, das mit absoluter Sicherheit nicht. Und wir werden auch dafür sorgen, dass dies ein Einzelfall bleibt. Durak: Herr Hohmann hat ja Herrn Dregger einstmals aus dem Bundestagsmandat, sozusagen, verdrängt. Er hat ihn erobert, hat Herr Hohmann Herrn Dregger rechts überholt? Lippold: Ich würde zwischen beiden überhaupt keinen Zusammenhang herstellen, es ist so, wie in anderen Fällen auch, dass jüngere Abgeordnete älteren nachfolgen. Das dürfte in diesem Zusammenhang hier nicht in Verbindung zu bringen sein. Durak: Klaus Lippold, Vorsitzender der Landesgruppe Hessen in der CDU/CSU Bundestagsfraktion. Danke schön, Herr Lippold, für das Gespräch. ©Deutschlandfunk 2003