Heinlein: Am Telefon begrüße ich den CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Schmidt. Er hat seine Partei als Obmann im Spendenuntersuchungsausschuss vertreten. Herr Schmidt, nach der Veröffentlichung der Baumeister-Biographie, ist Schäuble für das Land der geeignetste in einer bestimmten Situation?

Schmidt: Die Union hat ja einen bestimmten Fahrplan. Wir werden erst die Wahl in Hamburg abwarten. Dann wird die Union einen Vorschlag machen. Aber dieses Buch hat Wolfgang Schäuble ganz sicher nicht geschadet. Das ist ja ein durchsichtiges Manöver gewesen, der Versuch, Kaffee erneut aufzuwärmen. Die Journalisten waren ja auch enttäuscht. Das Buch wird Wolfgang Schäuble in der Frage Bundespräsidentenkandidatur ganz sicher nicht schaden. Und es wird sicher keinen entscheidenden Faktor darstellen, denn Wolfgang Schäuble ist - ich kenne ihn schon lange Jahre - ein hochqualifizierter Politiker, der sowohl menschlich als auch von der Kompetenz her für jedes deutsche Amt im Staat geeignet ist.

Heinlein: Aber gerade das Menschliche wird ja von Frau Baumeister und anderen in Frage gestellt. In der Tat bleibt ja die Frage, ob ein Politiker, der im Bundestag nicht die volle Wahrheit gesagt hat, der geeignet Mann für das Amt des Bundespräsidenten ist?

Schmidt: Ich kann nicht erkennen, dass Wolfgang Schäuble im Bundestag nicht die Wahrheit gesagt hat. Er hat auf eine Zwischenfrage damals nicht direkt richtig geantwortet. Er hat sich dafür entschuldigt. Ich glaube, das passiert jedem Politiker. Da sollte man nicht nachtragend sein. Aber was das Menschliche angeht, da muss man sich in der Frage an Frau Baumeister richten, ob Sie sich menschlich richtig verhält. Das, was Sie dort auftischt, diesen kalten Kaffee, das ist wirklich unter der Gürtellinie. Das finde ich nicht in Ordnung. Das ist ja auch der Eindruck bei vielen Menschen, mit denen ich jetzt gesprochen habe.

Heinlein: Aber letztendlich geht es ja um die Wahrhaftigkeit von Politikern. Steht dieser Punkt bei Wolfgang Schäuble über jeden Zweifel?

Schmidt: Ich habe mich wirklich lange mit dieser unsäglichen Frage der 100.000 D-Mark Spende beschäftigt. Im Untersuchungsausschuss war das Thema. Nach allem, was Sie heute wissen, hat Wolfgang Schäuble die Wahrheit gesagt. Das kann man bei Frau Baumeister wirklich nicht sagen. Das man jetzt politisch versucht, was zu drehen, gegen Schäuble, gegen die Union, bei Ströbele, bei Frau Baumeister, das ist politisch motiviert, das sind Rachegelüste. Aber es wird letztlich der Union nicht schaden, auch Wolfgang Schäuble nicht.