Remme: Mit großer Spannung warten die Fußballfans auf den heutigen Abend, dann geht sie los, die 42. Saison der Fußball-Bundesliga. Trotz einer, sagen wir, eher durchschnittlichen Vorstellung der Fußballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft, ist der Zuschauerboom, das Interesse für die Liga ungebrochen, es gilt Rekorde zu vermelden bei den Besucherzahlen, zum Beispiel bei dem Verkauf von Dauerkarten. Ich habe vor der Sendung mit dem Präsidenten der Deutschen Fußball-Liga, Werner Hackmann, gesprochen und ihn gefragt, wie er sich diesen scheinbaren Widerspruch zwischen den schlechten Leistungen der Nationalmannschaft und dem Interesse an der Bundesliga erklärt. Hackmann: Ich glaube, es liegt daran, dass sich die Fans der Bundesliga freuen auf die neue Saison, dass sie gespannt sind, wie Bayern München abschneidet dieses Mal, nachdem letztes Mal Werder Bremen zur Überraschung so mancher Meister geworden ist, dass wir hervorragende Stadien haben, in die man gerne geht, die viel Komfort bieten, und dass die Bundesliga wieder Spannung pur bietet. Remme: Liegt das vielleicht auch daran, dass die Zuschauer unterscheiden können zwischen, sagen wir mal, deutschem Durchschnittsspieler und ausländischem Superstar? Hackmann: Nein, es wird ja der Bundesliga vorgeworfen, wir hätten gar nicht die ausländischen Superstars. Ich glaube, es ist die gute Mischung, die wir haben zwischen ausländischen Spielern, auch guten ausländischen Spielern, wenn nicht die absoluten Superstars dabei sind, doch sehr gute und aber auch attraktiven deutschen Spielern, gerade auch jungen Nachwuchsspielern. Remme: Ein internationaler Vergleich sticht ins Auge, die Bundesliga gibt gemessen an den Gesamtkosten sehr viel weniger für die Spieler aus, etwa 45 Prozent, als praktisch alle anderen europäischen Konkurrenten, wo der Anteil schon mal schnell über 70 Prozent geht. Ist das eine deutsche Schwäche oder eine deutsche Stärke? Hackmann: Ich würde das ganz eindeutig als Stärke bezeichnen, denn in Deutschland ist es uns gelungen, den Anteil der Personalkosten an den Gesamtausgaben unter 50 Prozent zu halten. Wir haben sogar im Vergleich zur letzen Saison eine Abnahme um zwei Prozent zur verzeichnen. Das zeigt, dass die Bundesliga finanziell eine der gesündesten Ligen in Europa ist. Remme: Nun schaut alles auf die kommende Saison, aber in einem etwas weiteren Zusammenhang auch auf die anstehende Weltmeisterschaft im eigenen Land. Die Nationalmannschaft sortiert sich in diesen Tagen, Wochen und Monaten neu. Kann die Liga in dem Sinne helfen, dass verstärkt junge deutsche Spieler in den Vereinen spielen? Denn neben den, sagen wir mal, ausländischen Superstars wie Ailton und Lucio sind doch sicher auch ausländische Spieler in den Kadern, die deutschen Nachwuchsspielern auf nicht ganz so hohem Niveau im Weg sind. Hackmann: Wir sprechen ja mit dem Deutschen Fußballbund darüber mittelfristig, das hat aber noch nichts mit der WM 2006 zu tun, sondern mittelfristig den Anteil der ausländischen Spieler herunterzufahren. Das stößt auf, soweit die Wettbewerbsfähigkeit der Liga weiterhin gegeben ist, auf Verständnis in der Liga. Aber wenn sie sich einmal zum Beispiel das Mittelfeld der Bayern anschauen mit Schweinsteiger, mit Deisler, mit Ballack, das sind alles deutsche Spieler und die werden uns in der nächsten Saison noch sehr viel Freude bereiten. So ist das auch in anderen Vereinen, dass junge Spieler ihre Chance bekommen. Remme: Aber das Potential zum Herunterfahren ist da, sagen Sie? Hackmann: Das Potential ist da, und da gibt es auch eine Einigkeit. Remme: Was muss sich denn sonst noch in den Vereinen ändern, um die Nationalmannschaft stärker zu unterstützen? Hackmann: Ich glaube, das Bewusstsein in den Vereinen, was die WM 2006 angeht, ist ganz stark ausgeprägt. Wir haben ja zwölf Stadien, in denen die Weltmeisterschaft gespielt wir und in zehn dieser Stadien spielen zurzeit Bundesligisten, in zwei Zweitligisten. Eins ist Leipzig, das nehme ich mal aus, aber in den anderen elf eben. Von daher gibt es auch ein gutes Interesse der Liga selbst, und die Liga wird alles tun, um zum Gelingen der WM 2006 beizutragen, sei es durch Abstellungen oder sei es auch durch andere Hilfen. Remme: Was könnte das sein, diese andere Hilfe, etwas konkreter? Hackmann: Die andere Hilfe ist insbesondere die enge Zusammenarbeit, die die Liga suchen wird mit dem neuen Manager der Nationalmannschaft, aber auch mit dem neuen Bundestrainer. Mit dem Gespann Bierhoff/Klinsmann wird es eine ganz enge Zusammenarbeit und Absprache geben, auch was die Trainingseinheiten angeht. Remme: Ist das denn nur, sage ich mal, gesunder Patriotismus oder ist das auch Eigeninteresse? Kann eine dauerhafte Schwäche der Nationalmannschaft zur Gefahr der Liga werden? Hackmann: Wir haben das eigentlich in der Vergangenheit so nicht registriert, wenn Sie an das ganz schlechte Abschneiden der Nationalmannschaft im Jahre 2000 in Belgien/Holland denken, hat das keine negativen Auswirkungen auf die Liga gehabt. Nichtsdestotrotz ist es natürlich so, wenn die Begeisterung für Fußball, und die Nationalmannschaft ist immer noch des Deutschen liebstes Fußballkind, insgesamt nachlässt, wird das mittelfristig auch Auswirkungen haben. Deswegen haben wir ja auch Interesse, dass die Nationalmannschaft guten Fußball liefert. Remme: Die einen gehen ins Stadion, andere schwören aufs Radio, wenn es um die Konferenzschaltung geht, die meisten aber verfolgen natürlich nach wie vor die Spiele im Fernsehen. Was wird sich denn für den Fernsehfußballfan in dieser Saison ändern? Hackmann: Wir haben ja die Verträge erneut abgeschlossen für die nächsten zwei Saisons. Das heißt, im Bezahlfernsehen wird Premiere in gewohnter Qualität wiederum alle Spiele live bringen, die ARD wird mit der Sportschau, die ja unwahrscheinlich geboomt hat mit Einschaltquoten über fünf, sechs Millionen, wird in gewohnter Qualität die Nachberichterstattung am Samstag bringen. Wir haben mit dem DSF einen hervorragenden Partner, der insbesondere die Zweite Liga betreut, und das ZDF Sportstudio am Samstagabend bleibt uns auch erhalten. Remme: Wie erklären Sie sich diesen Erfolg, den Sie gerade angesprochen haben, der Sportschau im Vergleich zu ran? Hackmann: Ich glaube, dass hier die Sportschau eine größere Reichweite hat, weil die ARD doch die etabliertere Marke gegenüber SAT1 ist und dass die Sportschau auch einen guten Job gemacht hat mit der Präsentation der Bundesliga selbst. Remme: Sie haben da gerade ein Stichwort genannt, die Zweite Liga, wie weit sind die Bemühungen gediehen, diese als eigene Marke zu fördern und nicht als eine Art Tiefkeller der Ersten Liga? Hackmann: Die Zweite Liga ist keine Art Tiefkeller der Ersten Liga, sondern Bundesliga und Zweite Liga haben sich in der Vergangenheit ergänzt und werden sich auch in der Zukunft ergänzen. Uns kommt es nicht darauf an, die eine oder andere Marke herauszustellen, sondern die Gesamtheit der 36 Vereine, die in der Liga spielen. Remme: Glaubt man den Umfragen, nicht nur den Fans, dann wandert die Meisterschale nach München. Zum Abschluss, teilen Sie die Prognose? Hackmann: Ich sehe Bayern als den klaren Favoriten. Ich habe die Bayern im Ligapokalfinale gesehen, das war ein ganz starker Auftritt. Remme: Werner Hackmann war das, der Präsident der Deutschen Fußball-Liga. ©Deutschlandfunk 2004