Remme: Guten Morgen Herr Voigt Voigt: Schönen guten Morgen. Remme: Herr Voigt, für Herrn Cooney ist die Sache klar, für Sie auch? Voigt: Ich bin naturgemäß etwas vorsichtiger, aber ich würde sagen, dass so wie es aussieht, die Wahrscheinlichkeit, dass Bush wieder gewählt wird, sehr groß ist. Remme: Auch an Sie die Frage: Ist - auch wenn es jetzt vermutlich bei dem alten Präsidenten bleibt - ein Neuanfang möglich? Voigt: Es ist möglich und es ist wünschenswert. Es ist immer so, dass am Anfang einer neuen Legislaturperiode für den amerikanischen Präsidenten Bilanz gezogen wird und ich hoffe einfach, dass dieser amerikanische Präsident - wie immer er heißen mag, auch wenn er Bush heißt - die Chance nutzt, auf die Europäer zuzugehen und sagt, in Stil und in der Substanz, wo wir zusammen arbeiten können, und dass man nicht das Trennende betont, sondern das Gemeinsame, und dass man fairere Zusammenarbeit sucht und auch dabei bereit ist, auf die Europäer mit ihren Argumenten zu hören. Remme: Geht es bei diesem Neubeginn ausschließlich um den Irak oder auch um andere Punkte? Voigt: Nein, es geht auch um andere Themen. Es geht letzten Endes darum, dass man einsieht, dass auch die einzig verbliebene Weltmacht der USA Bündnispartner braucht, dass sie keine besseren kriegen kann als die Europäer, und dass, um die Europäer auch wirklich wieder fest mit Amerika zu verbinden, man sein Ohr öffnen muss für ihre Argumente. Dabei geht es um den nahen und mittleren Osten, es geht um die Frage des Iran, es geht letzten Endes auch um Handelsfragen bei der Weltwirtschaft, es geht um fast alle wichtigen Krisenregionen dieser Welt und natürlich um den Kampf gegen den internationalen Terrorismus und den Kampf gegen die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen. Aber es geht auch um Weltfragen wie Welthunger und Aids und Klimaschutz. Ich finde, dass ein amerikanischer Präsident klug beraten wäre, wenn er mit einem neuen Mandat ausgestattet jetzt nicht nur versucht sich selber durchzusetzen, sondern dass er sich, um Partner zu gewinnen, für eine Zusammenarbeit mit den Europäern öffnet und ein entsprechende Initiative an den Beginn seiner Amtszeit stellt. Remme: Herr Voigt, sind Sie erleichtert, dass wenn es so kommt vermutlich keine neuen Anfragen hinsichtlich einer deutschen Hilfe, gar einer Bereitstellung von Soldaten im Irak kommen wird? Voigt: Ich habe diese Frage nie als wirklich schwerwiegend angenommen, weil in Wirklichkeit sowohl Kerry wie Bush wissen, dass die Bundesregierung bereit ist, bei der Stabilisierung der Lage im Irak zu helfen. Wir tun das bereits durch die Ausbildung von Polizisten und Soldaten außerhalb des Iraks und durch einen substantiellen Schuldenerlass, aber dass die Bundesregierung nie beabsichtigt hat, Truppen in den Irak zu schicken, unabhängig davon, wer gewählt wird. Remme: Vielen Dank, das war Karsten Voigt, Koordinator für die deutsch-amerikanischen Beziehungen der Bundesregierung. Vielen Dank Herr Voigt. Voigt: Vielen Dank. ©Deutschlandfunk 2004