Wir amüsieren uns zu Tode. So lautet der Titel eines Buches von Neil Postman, in dem er den Hang der modernen westlichen Gesellschaften geißelt, sich mit leeren Unterhaltsamkeiten über die wirklichen Probleme hinwegzuschwindeln.Für die zurückliegende Woche kann ich diese Behauptung nur noch steigern: Wir langweilen uns zu Tode.Es mochte ja – wenigstens taktisch gesehen – noch angehen, dass der Bundeskanzler aus einigen Taktlosigkeiten eines italienischen Staatssekretärs die Konsequenz zog, seinen Italien-Urlaub abzusagen. Der Lohn des eifrigen Populisten ist ein überwiegend geneigtes National-Publikum und eine Union, die auch über diesen Schachzug (sagte ich: Schach? – das war wohl eher: Mensch, ärger Dich nicht!) nur leichenbitter maulen kann. Die Strafe trifft den Kanzler freilich auf dem Fuß: Gehe zurück zum Maschsee! Aber so sind eben diese blonden Germanen – womit ich nicht die natürliche Haarfarbe unseres Regierungschefs in Zweifel ziehen will, sonst sagt er auch noch seinen Urlaub in Deutschland ab: Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen zu betreiben.Also: Taktisch eben noch hinnehmbar – aus der Sicht des Kanzlers. Aber wie kommen wir übrigen einförmigen Blonden eigentlich dazu, über diesen Vorgang zu streiten und zu palavern, als hänge davon das Glück unserer Nation ab. Als ich gestern beim frühsportlichen Strampeln in einer Sonntagszeitung auf der Fernsehseite die Liste der sonntäglichen Talkshows musterte, kippte ich atemlos fast vom Hometrainer: Sage und schreibe sämtliche dieser tödlichen Shows (s.o. und Neil Postman) hatten diese Italien-Saga auf den Rede-Zettel gesetzt, zum Teil mit rasend unterhaltsamen Talk-Gästen. Bei Sabine Christiansen (was wohl ein Herr Stefani über sie sagen würde?) zum Beispiel: Peter Hintze, Sabine Leuthäuser-Schnarrenberger und Klaus von Dohnanyi – sind die alle schon so mega-out, dass sie geradezu froh sein müssen, wenigstens für eine solcher Null-Nummer ins Studio zu dürfen?Also, zu dieser Orgie des Unerheblichen könnte man wahrlich noch vieles aufschreiben, wenn man nur nicht selber unfreiwillig dazu beitragen würde, den Wortmüllhaufen dieser Schein-Erregung noch um ein Weiteres zu vergrößern. Zwei Fragen müssten dabei im Mittelpunkt stehen. Erstens: Hatte der italienische Staatssekretär am Ende nicht mehr Recht als Unrecht? Und zweitens: Anhand welcher nationaler Stereotypen reden eigentlich wir Deutschen über die Italiener, zum Beispiel in Stammtisch-Witzen. Übrigens, kennen Sie den…Nein, den erzähle ich jetzt nicht. Sonst sagen massenweise Italiener ihren Deutschlandurlaub ab, schließen gar ihre Pizzerias an unseren heimischen Urlaubsorten. Und dann muss ich meine Ferien ganz im Kreise der eigenen Landsleute verbringen. Wo, das wird nicht verraten. Außer: Natürlich nicht am Maschsee! Sondern bis zum 11. August. Dieses Jahres.