Wir kennen dieses Problem der politischen Symbolik - und wir übersetzen es hier in die Welt und Sprache des Fuhrmannes (ohne diesen allerdings in beleidigender Absicht mit dem Politiker vergleichen zu wollen). Aber wäre der Fuhrmann ein Politiker, dann müsste er, wenn er sein Gefährt und Gespann ein wenig nach links lenken wollte, erst einmal - und das relativ leise, damit es nur die Pferde hören - das Kommando "hott" (für: nach links) geben, anschließend aber - und zwar so, dass alle es hören - laut noch "hüscht" (für: nach rechts) rufen. Man nennt das: einen ausgewogenen Kurs steuern…Vom Pferdefuhrwerk zurück zum Kuhhandel, von der Landwirtschaft zur Politik: Wenn irgendjemand hierzulande etwas an den überforderten sozialen Sicherungssystemen korrigieren will (also: "hüscht"), dann muss er hinterher gleich laut "hott" rufen, also die Wiedereinführung der Vermögenssteuer fordern. Der Unterschied zwischen der modernen Politik und dem antiquierten Verkehrswesen ist freilich der: In der Politik wird das Kommando eben nur so gegeben, die Pferde würden sich aber daran halten - und folglich käme das Gespann in große Verwirrung und die Kutsche kippte um. In der Politik ist dieser Effekt allerdings zumeist von vornherein gesichert.Im Ernst: Der Ruf nach der Vermögenssteuer ist ein leeres Ritual - ob er nun von Sozialdemokraten erhoben wird oder von den Grünen, die an diesem Wochenende erst einmal einschneidende Reformen beschlossen haben, dann aber schnell noch ein linkes, populistisches Feigenblättchen brauchten.Erstens: Das Aufkommen aus einer Vermögenssteuer würde die Kosten ihrer Erhebung kaum decken.Zweitens - aber darüber könnte man ja noch hinwegkommen: Karlsruhe hat schon Nein dazu gesagt.Drittens - und darauf kommt es an: Sie ist steuersystematisch eigentlich unsinnig. Dazu ein paar Worte mehr: Natürlich müssen die Bürger nach ihrer Leistungskraft besteuert werden - die kräftigeren also deutlich kräftiger. Dies erreicht man durch den progressiv gestaffelten Steuersatz auf das Einkommen. Und natürlich müssen auch die Einkommen aus dem Vermögen besteuert werden, und dies durchaus im Rahmen der Progression: also Zinsen, Dividenden, Spekulationsgewinne, Mieten… Aber die Substanz des aus bereits versteuertem Einkommen Ersparten zu besteuern, und zwar selbst dann zu besteuern, wenn es einmal keinen Gewinn, sondern sogar Verluste einbringen sollte - das ist doch zu absurd.Viertens: Das gilt erst recht in einer Zeit, in der man den Bürgern befiehlt, mehr zu sparen (also: Vermögen zu bilden), damit sie im Alter versorgt sind, eigenverantwortlich. Und das gilt natürlich auch in einer Wirtschaftsgesellschaft, die auf den Mittelstand besonders angewiesen ist, also auf die Bereitschaft privater Personen, Risikokapital zu bilden. (Deshalb war ja auch die Gewerbekapitalsteuer unsinnig.)Nun gut, dies wissen die Steuerpolitiker aller Parteien natürlich nur zu genau. Aber sie sind eben keine Fuhrleute, sondern Politiker. Und wie so oft gilt bei ihrem Reden die schöne Politikerformel: Zustimmung, da Ablehnung gesichert. Mit anderen Worten: Mit der Forderung nach einer Vermögenssteuer kann man, und das preiswert!, sein soziales Gewissen demonstrieren und beruhigen - es wird ja nicht dazu kommen.Und dann wundern sich unsere Politiker, dass die Fuhrleute in höherem Ansehen stehen.