Klon – oder Nicht-Klon? Das ist hier die Frage! Worüber sollen wir uns nun eigentlich empören? Darüber, dass zum ersten Mal ein menschliches Baby geklont wurde? Oder darüber, dass das Ganze eine aufgeblasene Lüge ist? Hat sie –oder hat sie nicht? Geht es – oder geht es nicht? – Aber eben darüber soll es an dieser Stelle eigentlich gar nicht gehen, obwohl ich das eine nicht verhehlen möchte: Wenn schon beim Klon-Schaf Dolly erst nach mehr als zweihundert Versuchen ein Tier herauskam – welche abscheuliche Zahl von menschlichen Homunkulus-Manipulationen müsste dann wohl der Produktion eines menschlichen Klons vorausgegangen sein?Heute geht es um etwas anderes: Die „Biologin“, die uns im Fernsehen mit einem merkwürdigen künstlichen Gesicht (um auf der taktvollen Seite der Beschreibung zu bleiben) ihren Schein-Erfolg vorstellte, sei zugleich die Bischöfin einer Sekte – und zwar einer Sekte, die daran glaube, Außerirdische hätten überhaupt die Menschen durch Klonierung auf die Erde gebracht. Aha, eine Sekte, sagt man sich da. Solch’ einen Unfug lassen wir rationalen Menschen uns jedenfalls nicht einfallen! Und nun schimpfen wir alle, Gen-Forscher oder nicht, auf diese etwas verrückte Frau und ihre Sekte.Da bitte ich doch um etwas Vorsicht. Denn ist denn unser kalter Rationalismus, mit dem wir zwar nicht Klonen, aber eben doch auch an menschlichen Stammzellen, die allein zu diesem Zweck herangezüchtet wurden, herumexperimentieren – ist denn dieser Rationalismus etwa keine Religion, nur weil er nicht von Gott redet? Ist es denn nicht sehr viel ehrlicher, von Gott zu reden ( und sei’s drum: nicht nur innerhalb der Grenzen der Rationalität), als von Gott nicht zu reden, und den Menschen selber an seine Stelle zu setzen?Natürlich kommt mir diese „Biologen-Bischöfin“ ziemlich verrückt vor. Natürlich rede ich lieber mit verantwortungsvollen Forschern, auch wenn sie meine (quasi-)theologische Prägung nicht teilen, teils, weil sie andere religiöse Auffassungen vertreten, teils weil sie gar keine religiöse Auffassung teilen. So gesehen ist der Unterschied wirklich riesengroß – zwischen diesen beiden Menschenschlägen. Aber wenn es darum geht, ob wir als Menschen überhaupt berechtigt sind, die Grenze zwischen Geschöpf und Schöpfer zu überschreiten, dann werden viele riesengroße Unterschiede auf einmal winzig klein. Man muss eben beides können: Unterscheiden! Und unterscheiden können, worin ein Unterschied vorliegt – und worin nicht.