Der Kanzler persönlich hat nachgeholfen, Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat sich eingeschaltet und außerdem noch diverse Staatssekretäre, damit die Professoren und Regierungsberater Bert Rürup und Karl Lauterbach sich zusammenraufen. Mit Erfolg: Die zuständige Arbeitsgruppe der Regierungskommission für die Reform der Sozialsysteme hat sich nun tatsächlich für ein Kompromisspapier der beiden verzankten Experten ausgesprochen. Wirklich einig sind sich die Regierungsberater allerdings nur in einem Punkt: Kurzfristig soll ein Sparprogramm mit dem eindrucksvollen Volumen von 24 Milliarden Euro die Beiträge der Krankenkassen von heute durchschnittlich 14,5 Prozent um etwa 2,4 Prozentpunkte senken. Dafür ist unter anderem eine Praxisgebühr von 15 Euro vorgesehen, die Beihilfe für Beamte soll wegfallen, nicht verschreibungpflichtige Medikamente würden grundsätzlich nicht von den Krankenkassen erstattet. Dieses Teil der Professoren-Empfehlungen dürfte der Bundesregierung ausgesprochen gut gefallen – schließlich plant sie selbst Einschnitte, die ebenfalls hart sind, allerdings nicht ganz so weit gehen. Da kommt es gelegen, wenn man sich auf die Expertise anerkannter Fachleute berufen kann. Der zweite Teil der Empfehlungen hingegen hat kaum Chancen, auch nur annähernd umgesetzt zu werden. Genau genommen handelt es sich ohnehin um zwei Vorschläge, denn bei Teil II ihres Kompromisspapiers, das von langfristigen Maßnahmen handelt, sind Rürup und Lauterbach im Großen und Ganzen ihren jeweiligen Konzepten treu geblieben. Nach beiden Vorschlägen sollen die Einnahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung anders aufgebracht werden als bisher: Im Rürup-Modell durch einheitlich hohe Beiträge für jeden Versicherten (die Umverteilung zwischen Arm und Reich würde durch das Steuersystem organisiert), im Lauterbach-Modell durch die Abschaffung der Privaten Krankenversicherung und die Einbeziehung von Beamten und Selbständigen. Trotz aller Unterschiede: Entscheidend ist letztlich die klare Aufforderung an die Politik, am Beitragssystem etwas zu verändern. Es gibt schließlich wenig Grüne, ausgerechnet die Gesundheitsversorgung an die Lohnentwicklung zu koppeln. Erstens ist diese Verknüpfung nicht logisch: Es besteht keine Verbindung zwischen Lohnsumme und Gesundheitskosten. Bloß weil die IG Metall oder ver.di einen besonders hohen Tarifabschluss durchsetzt, werden die Deutschen schließlich nicht weniger krank. Zweitens, und das ist der wichtigere Grund, schadet diese Art der Finanzierung dem Arbeitsmarkt. Ausgerechnet in der Wirtschaftskrise, bei hoher Arbeitslosigkeit, entwickelt sich das Gesundheitssystem zur zusätzlichen Wachstumsbremse: Weil Beitragszahler fehlen, müssen die Abgaben steigen, was wiederum die Beschäftigung verteuert. Deshalb spricht alles dafür, die Gesundheitsversorgung anders zu finanzieren. Wenn sich das herumspricht, hat sich die Versöhnung der Professoren schon gelohnt.