Es herrscht eine Ruhe, die fast schon gespenstisch wirkt. Kein Auto fährt entlang, stattdessen blockieren dicke Betonringe und grüne Container die Straße. Entlang der Absperrung gehen die Menschen schnellen Schrittes weiter, blicken unsicher nach rechts. Fühlt sich ja doch keiner so wohl, wenn auf der anderen Seite eine Horde von Uniformierten stehen, in der Hand eine Maschinenpistole, jeder Zeit bereit davon Gebrauch zu machen. Ort des Geschehens: Alsterufer, dort wo die schönsten Villen von Hamburg stehen. Dort wo bis vor kurzem noch viele träumten, ein Fleckchen zu besitzen. Doch jetzt macht es bei weitem nicht mehr soviel Spaß, statt Alstervergnügen, gelten die härtesten Sicherheitsvorkehrungen. Der Grund ist eine herrschaftliche weiße Villa, an dessen Fahnenmasten die amerikanische Flagge weht - das amerikanische Konsulat.Ein paar Häuser entfernt, noch vor dem Betonringen, die Autos bzw. LKWs mit Sprengstoff stoppen sollen, wohnt das Ehepaar Knoop in einer traumhaften Altbauwohnung. "Ja, wie lebt es sich mit der Besatzung", seufzt Traudel Knoop, "es ist nicht immer leicht. Bei der letzten Demo war ich mit einer Freundin essen. Als ich nach Hause wollte, war alles dicht. Ich musste meinen Ausweis vorzeigen und durfte dann durch. Es ist aber ein schreckliches Gefühl durch die leere Straße zu laufen, hinter dir die Polizeiwagen und die schreiende Meute." Ihr Mann Walter sieht es etwas gelassener, er bleibt dann halt zu Hause, beobachtet das Treiben und wartet bis es vorbei ist. "Am Sonntag erst waren wir eingeladen, da standen aber Wasserwerfer und zahlreiche Mannschaftswagen vor der Tür. Ja dann haben wir halt wieder absagen müssen und sind zu Hause geblieben", erzählt er. Er war selber mal Kriegsberichterstatter, als Kameramann im zweiten Weltkrieg, "wäre ich zehn Jahre jünger, dann würde ich sofort eine Dokumentation von dem ganzen Geschehen drehen, aber so bin ich nun auch in der ersten Reihe." Seine Frau ist da schon vorsichtiger geworden, jeden Morgen blickt sie erst mal aus dem Fenster, begutachtet die Situation vor der Türe, bevor sie sich auf dem Weg zum Einkaufen macht und in der Tasche immer . "Vor ein paar Tagen lag da so eine Tüte neben dem einem Container, da ruf ich halt die Polizei, man muss ja aufpassen. Auch als sich mal ein Mann im Hinterhof herumtrieb und die Häuser begutachtete, da habe ich das sofort gemeldet und die andern Bewohner machen nichts anderes." Was die beiden nur tierisch nervt, dass durch die Absperrungen auch das Parkplatzproblem in der Straße eine Katastrophe wurde, "abends geht's hier manchmal zu wie im Wilden Westen. Was nützt uns dann ein Dankesschreiben vom Polizeipräsidenten für unsere Geduld, wenn wir Knöllchen kassieren."Während die Anwohner die Situation mit sich selber ausmachen müssen, weil Protest auch nichts nützt, hat der unmittelbare Nachbar schon ganz andere Probleme. Die Mitarbeiter der Firma Robert Vogel GmbH CO Kg müssen schon ihre Ausweise zücken, um überhaupt an ihren Arbeitsplatz zu gelangen. "Das geht ohne Probleme", meint der Beamte an der Sicherheitsschranke zuversichtlich und fügt streng hinzu, "wir kennen die Leute zwar schon. Aber trotzdem, ohne Papiere kommt hier keiner durch. Fremde müssen angemeldet werden." Nicht gerade eine angenehme Atmosphäre für eine Firma, die als Immobilienverwalter tätig ist und ja auch manchmal Kunden empfangen muss. "Es ist nicht leicht, wir haben aber Regelungen getroffen mit den Amerikanern und der Stadt Hamburg mit denen wir leben können und müssen. Da wir aber in Verhandlungen stehen, will ich dazu nicht mehr sagen", so Wolfgang Apel, Geschäftsführer der Firma.Auf der anderen Seite der Villa steht ein Gebäude leer. Schon seit einem Jahr, kein Schild weist auf Vermietung oder Verkauf hin. Die Firma, welche vorher am Alsterufer residierte hat sich einen neuen Standort gesucht. Weg von der Ruhe und der Angst vor Anschlägen an einem der schönsten Straßenzüge von Hamburg.