CDU-Vorsitzende Merkel fordert mehr Freiheit für Forschung und Technologie
schreibt Helmut Schmidt
Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat sich für eine unbürokratischere und innovationsfreundlichere Forschungspolitik ausgesprochen. In einem offenen Brief an Altbundeskanzler und ZEIT-Herausgeber Helmut Schmidt schreibt Merkel, es gebe "keinen Rechtsanspruch auf dauerhaften Wohlstand". Um diesen zu erhalten, müsse Deutschland seinen Anteil an den weltweiten Innovationen vergrößern. Die geplante EU-Chemikalienrichtlinie lehnt die CDU-Vorsitzende deshalb genauso ab wie eine "überdimensionierte Förderung der Windenergie" und die Positivliste für Arzneimittel, die Teil der geplanten Gesundheitsreform der Bundesregierung ist. "Unwägbarkeiten in der Forschungsförderung sind genauso schädlich wie ein Verbot von Studiengebühren."Selbst wenn alle notwendigen Reformen durchgesetzt werden, braucht dieser Prozess nach Merkels Auffassung Zeit: "Deutschland wird etwa zehn Jahre brauchen, um wieder Schrittmacher in Europa zu werden", schreibt sie. Die CDU- Vorsitzende antwortet mit ihrem Brief, der in der neuen Ausgabe der ZEIT abgedruckt wird, auf einen Artikel von Helmut Schmidt. Dieser hatte die CDU ausdrücklich davor gewarnt, die Agenda 2010 der Regierung im Bundesrat zu blockieren.Fahnder im NetzDer florierende Online-Handel im Internet und der durchschlagende Erfolg von elektronischen Auktionshäusern wie eBay rufen den Fiskus auf den Plan, schreibt DIE ZEIT. Die neueste Waf-fe der Fahnder ist eine eigens für die deutschen Finanzbehörden entwickelte Suchmaschine, die seit Anfang Juni das Netz nach Steuersündern durchforstet. Im Visier haben die Beamten allerdings nicht Privatleute, die auf Schnäppchenjagd sind, sondern Gewerbetreibende, die beispielsweise keine Umsatzsteuer zahlen.Dreiste Täuschungen im Internet nehmen zu. Fälle von Identitätsklau, bei de-nen unbefugte Dritte in die Rolle eines anderen schlüpfen und auf fremde Rechnung auf Einkaufstour gehen, stellen Polizei und Richter vor eine neue Herausforderung.Rupert Neudeck: Christen und Muslime sollen als "Grünhelme" helfen"Junge Christen und Muslime aus Deutschland sollen gemeinsam aufbauen, was in Kriegen zerstört wurde. Häuser, Schulen, Bewässerungskanäle", sagt Rupert Neudeck, langjähriger Sprecher der Hilfsorganisation Cap Anamur, der ZEIT. Vorbild für die von ihm gegründeten "Grünhelme" ist die Peace-Corps-Idee von John F. Kennedy.Die Zusammenarbeit von Christen und Muslimen ist Neudeck wichtig: "Auf der akademischen Ebene tut sich inzwischen sehr viel. Es gibt Vorlesungen, Seminare, Diskussionen. Es mangelt aber an ‚handfester' Zusammenarbeit, an gemeinsamen Taten, um Vorurteile abzubauen. Und dafür bietet sich humanitäre Hilfe sehr gut an. Im Zentralrat der Muslime habe ich einen geeigneten Partner für die Gründung der "Grünhelme" gefunden."Erste Projekte des neuen Hilfswerks sind der Aufbau einer Schule in einem Elendsviertel Bagdads und das Schaffen von Infrastruktur in Dörfern Bosniens und Afghanistans - gemeinsam mit den Einheimischen. Neudeck über den Na-men der Initiative: "Mit den Blauhelmen der UN verbinden die Menschen etwas Positives, und Grün, das ist die Farbe der Hoffnung, der Ökologie und die Farbe der Muslime."Filmproduzent Spike Lee: Bush und Blair "Killer-Bs""Ich vertraue den Politikern nicht", sagt der amerikanische Filmproduzent und Schauspieler Spike Lee, 46, der ZEIT. "Mir fällt niemand ein, dem ich die Lösung der Probleme zutraue. Hoffnung macht mir allerdings, dass nicht die gan-ze Welt den Vereinigten Staaten und Großbritannien beziehungsweise Bush und Blair, den "Killer-Bs", hinterherläuft.""Interessant ist dabei auch die Frage, welche Rolle Afroamerikaner in hohen Regierungsämtern spielen. Wie manche von ihnen, beispielsweise Colin Powell, trotz ihrer Herkunft Gewalt befürworten können, ist mir absolut unerklärlich."Martin Luther Kings Ausspruch "I have a dream" ist für Spike Lee noch immer von Bedeutung: "Das Seltsame an der nachwachsenden Generation ist, dass viele junge Leute gar nichts über die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung wissen und deren inzwischen gefährdete Errungenschaften für selbstverständlich halten. Das macht mich traurig."Spike Lee wurde 1989 mit seinem Spielfilm "Do The Right Thing" zur Ikone des "New Black Cinema". Sein neuer Film "25 Stunden" begleitet einen verurteilten Drogendealer auf seinen letzten Stunden vor Haftantritt.Endlich bewiesen: Fußball-Schiedsrichter pfeifen ungerechtDer Heimvorteil im Fußball ist legendär. Die Ökonomen Matthias Sutter und Martin Kocher von der Universität Innsbruck belegen, dass Schiedsrichter einen gewichtigen Beitrag dazu leisten, schreibt die ZEIT. Sutter und Kocher haben in ihrer noch unveröffentlichten Studie die deutsche Bundesliga-Saison 2000/2001 einer minutiösen Nachbetrachtung unterzogen und stellen in manchen Fällen "eine massive und ungerechtfertigte Bevorzugung der Heimmannschaften" fest.Die Unparteiischen lassen länger nachspielen, wenn die Heimmannschaft im Rückstand liegt. Außerdem pfeifen sie weitaus mehr Elfmeter für die Platzherren - in der zweiten Halbzeit kommen auf 38 Elfer für die Heimmannschaft bloß zehn für die Gäste. Außerdem sehen doppelt so viele Spieler auswärts spielender Mannschaften die rote Karte.Schiedsrichter werden aber nicht absichtlich zu Spielgestaltern. Entscheidungen in Stresssituationen werden maßgeblich durch brüllendes Publikum beeinflusst. Als Fazit ihrer Arbeit fordern die Innsbrucker Ökonomen die Einführung des Videobeweises in spielentscheidenden Situationen.Deutsche Universitäten mit ausländischen Studenten überfordertDie steil ansteigende Zahl ausländischer Studienbewerber stellt die deutschen Hochschulen vor zunehmende Probleme. Wie DIE ZEIT berichtet, können die Zulassungsabteilungen vieler Universitäten die Anfragen aus aller Welt kaum noch bewältigen. An manchen Universitäten müssen die Bewerber ein halbes Jahr auf eine Antwort warten. Der Generalsekretär des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) Christan Bode räumt ein, dass eine "sachgerechte Bearbeitung mancherorts nicht mehr stattfindet". Gleichzeitig hätten die ausländischen Gäste in einigen Städten große Probleme, eine Unterkunft zu finden. In Städten wie Heidelberg sei es vorgekommen, dass Studenten deshalb wieder abgereist sind. "Der Marketingaktion fehlt das Gesamtkonzept", kritisiert der Generalsekretär des Studentenwerkes Dieter Schäferbarthold.Nach Werbeaktionen von Bund, Ländern und Universitäten ist die Zahl ausländischer Studierender seit Ende der neunziger Jahre um mehr als 40 Prozent gewachsen. Fast jeder fünfte Studienanfänger hat heute einen ausländischen Pass. Unbekannt sei jedoch, wie viele der auswärtigen Studenten tatsächlich einen Abschluss schaffen. Auffällig sei, so die ZEIT, dass den 31 000 Studenten, die 1997 ein Studium begannen, fünf Jahre später nur 9 400 Abschlüsse gegenüberstehen.Bayerischer Zwergschule droht SchließungEiner der letzten Zwergschulen Deutschlands droht die Schließung, schreibt DIE ZEIT. Die Dorfschule in Unterjoch im Oberallgäu, in der die Kinder der Jahrgänge eins bis vier noch gemeinsam unterrichtet werden, steht mit 24 Schülern vor dem Aus.Die Lehrerin Edeltraud Stampfer hat sich nach elf Jahren zum Ende des Schuljahres versetzen lassen. Findet sich bis September 2003 kein Nachfolger, müssen die Schüler über den kurven-reichen Jochpass ins zehn Kilometer entfernte Bad Hindelang fahren. Das Schulamt besteht darauf, Lehrer nicht gegen ihren Willen nach Unterjoch abzuordnen. Die Eltern der Schüler suchen jetzt bundesweit nach einer neuen Lehrkraft - sie haben Universitäten, Lehrerverbände und Politiker angeschrieben.Die Schließung der Schule wäre das Ende eines Schul-Experiments. In jüngster Zeit hatten Bildungsforscher gefordert, Schüler verschiedener Altersgruppen wieder verstärkt gemeinsam zu unterrichten.Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse oder Iljane Weiß, ZEIT-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, (Tel.: 040/3280-217, Fax: 040/3280-558, E-Mail: bunse@zeit.de bzw. weiss@zeit.de gern zur Verfügung.