Obwohl das Waffengesetz nach dem Amoklauf von Erfurt verschärft wurde, ist es immer noch möglich, auf privat geführten Schießplätzen in Thüringen Waffen zu leihen, ohne die dafür vor-geschriebenen Unterlagen vorzulegen. „Das war ohne Schwierigkeiten möglich. Die passende Munition, 9mm- bzw. Kleinkaliber, wurde mir jeweils zum Kauf angeboten“, sagt Bodo Ramelow, PDS-Fraktionschef im Thüringer Landtag, der ZEIT.Der PDS-Mann hatte weder waffentechnische Sachkunde noch die nötigen Erlaubnisscheine nachweisen müssen. Offenbar hat allein seine dunkelgrüne Jacke, die aussah wie Jagdbekleidung, als Legitimation genügt. In deren Taschen hätte er ohne große Anstrengung die nicht verbrauchte Munition verstecken können. Nicht einmal nach seinem Personalausweis wurde Ramelow gefragt. Sein Fazit: „Aus Erfurt wurde nichts gelernt.“

Emmanuel Todd: „Die USA haben ihre Allmacht verloren“

Der französische Historiker Emmanuel Todd hat ein baldiges Scheitern der USA als weltweiter Ordnungsmacht vorhergesagt. Der Krieg gegen den Irak, sagt Todd in ZEIT, sei „eine militärische Illusion, eine gigantische Verschwen-dung jenseits aller Verhältnismäßigkeit der Mittel“ gewesen. Die USA hätten im Irak ihre „militärische Omnipotenz“ demonstriert, „um über ihre ökonomische Schwäche hinwegzutäuschen“. Statt Kriege zu führen, müsste sich die amerikanische Regierung um eine Erneuerung der heimischen Wirtschaft sorgen: „Die Welt glaubt, die USA hätten durch ihren Sieg im Irak die weltweite Führerschaft errungen. Ich glaube, dass sie gerade dadurch ihre Allmacht verloren haben.“Nach Ansicht Todds ist die Bedeutung der Vereinten Nationen so groß wie nie zuvor. Angesichts der „Destabilisierung Amerikas“ müsse man aber über einen Verbleib der Weltorganisation in New York nachdenken. „Die UN könnten durchaus nach Europa umziehen, vielleicht in die Schweiz“, schlägt der Franzse vor. Todd hatte Ende der siebziger Jahre bereits den Untergang der Sowjet-union vorausgesagt.Antiterrorgesetze schaden amerikanischer WissenschaftNach dem 11. September 2001 erschweren verschärfte Antiterrorgesetze ausländischen For-schern die Einreise in die USA, schreibt DIE ZEIT. Visumanträge werden in Washington teilweise von mehr als fünf Behörden mit bis zu 20 Datenbanken abgeglichen. Auch deutsche Forscher müssen oft mehrere Monate auf ihr Visum warten.„Wenn wir so weitermachen, werden wir in ein paar Jahren aufwachen und feststellen, dass unser Land schweren Schaden genommen hat“, sagt Victor Johnson von der Association of International Educators (Nafsa), dem Pendant zum Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) der ZEIT. Auch 32 Kongressabgeordnete schlugen kürzlich in einem Brief an Außenminister Colin Powell Alarm: „Wir haben nichts gegen eine verschärfte Überprüfung von Visumanträgen, aber Kontrollen, die unnötig den wissenschaftlichen Austausch behindern, ... schaden unserem Land.“Der DAAD hat bereits ein verstärktes Interesse ausländischer Studenten an deutschen Universitäten festgestellt, vor allem von Iranern, Palästinensern und Jordaniern.EnBW-Chef Goll fordert staatliche Kontrolle gegen NetzmissbrauchDie Stromfirma Yello hatte ihrem Mutterkonzern Energie Baden-Württemberg (EnBW) bisher Verluste in der „Größenordnung“ von 500 Millionen Euro beschert: Das erklärt der EnBW-Vorstandsvorsitzende und Yello-Gründer Gerhard Goll der ZEIT. Yello habe „rund eine Million Kunden“. Dank eines neuen Tarifsystems vergrößerten neue Kunden aber inzwischen nicht mehr den Verlust der Firma, so Goll. Zuversichtlich äußert sich der EnBW-Chef, dass auch sein Nachfolger an Yello festhalten werde. Goll geht nächste Woche in den Ruhestand.Als „Fehler“ kritisiert Goll den verhandelten Netzzugang, für den sich die damals noch CDU-geführte Bundesregierung vor fünf Jahren bei der Liberalisierung des Strommarktes entschieden habe. Damit habe sich der Staat „gegen den Wettbewerb entschieden“. Wegen überhöhter Netzentgelte seien neue Stromanbieter entweder nicht wettbewerbsfähig oder sie müssten Verluste in Kauf nehmen. Neue Stromanbieter hätten deshalb „so gut wie keine Chance“.Wer den Missbrauch der Netze ausschließen wolle, müsse sie mittels staatlicher Kontrolle „neutralisieren“, sagt Goll. Die Bundesregierung warnt er davor, auf diejenigen zu hören, „die allenfalls eine Scheinkontrolle auf der Basis der Verbändevereinbarung wollen“. Wer wirklich Wettbewerb wolle, müsse auch eine neutrale Kontrolle des Netzzugangs wollen. „Alles andere führt zurück zum Monopol.“Dominique Horwitz als ‚Minister für Gespielte Demokratie’„Als Schauspieler bist du immer auf der Suche nach dem richtigen Ausdruck. Das ist nicht unbedingt ein leichtes Spiel, weil die eigene Persönlichkeit sich fortwährend in diese Suche einmischt“, sagt der Schauspieler und Sänger Do-minique Horwitz der ZEIT. „So kommt es, dass ich mich über die Figurenfindung auch selbst kennen lerne.“„Während ich nach Rollen suche, kreise ich mich selbst ein und treffe dabei auf Fragen, die ich habe – und auch auf meine Träume. Bei so einer Einkreisung kam mir die Idee, Minister für Gespielte Demokratie zu sein“, sagt Horwitz. Als Minister möchte er Autoren, Dramaturgen und Clowns beschäftigen, die den Politikern helfen sollen, ihre Gesetze so zu formulieren, dass sie „mühelos fürs Volk zu Monologen, Tragödien, Komödien und Musicals“ umgearbeitet werden können.Dominique Horwitz trat mit seinen Interpretationen von Jacques-Brel-Liedern bis Anfang April in Berlin auf. Sein Versuch, Intendant der Hamburger Kammerspiele zu werden, scheiterte am Widerstand des Betreibers.Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse oder Iljane Weiß, ZEIT-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, (Tel.: 040/ 3280-217, Fax: 040/ 3280-558, e-mail: bunse@zeit.de bzw. weiss@zeit.de) gern zur Verfügung.