Burkhard Hirsch: Angriffe auf FDP-Spitze nach dem Tod Möllemanns sind "unerträglich"Mit scharfen Worten hat der FDP-Politiker Burkhard Hirsch Kritik an der Partei- führung nach dem Tod von Jürgen Möllemann zurückgewiesen und vor einer Legendenbildung gewarnt. Die Versuche einzelner Freunde Möllemanns, "sei-nen Tod zu Angriffen auf die Führung der FDP zu instrumentalisieren, sind em-pörend und werden allmählich unerträglich", schreibt Hirsch in der ZEIT. Mölle-mann selbst habe die Loyalität gegenüber der Partei im vergangenen Jahr "zer-brochen". Er habe viele seiner politischen Weggefährten damit "zutiefst ent-täuscht. Und daran ändert auch sein Tod nichts". Möllemanns Freunde, die nun die FDP-Spitze angriffen, "sollten zuerst sich selbst fragen, was sie getan ha-ben, um ihn rechtzeitig und richtig zu beraten", schreibt Hirsch.Der FDP-Politiker ist Mitglied des Bundesvorstands und war bis 1998 Vizeprä- sident des Deutschen Bundestages.Herta Däubler-Gmelin: "Stärke des Rechts statt Recht des Stärkeren"Die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin kritisiert in der ZEIT die Nachgiebigkeit Europas und der Vereinten Nationen gegenüber dem Druck, den die USA auf den neu errichteten Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag ausüben. Die US-Regierung, so Däubler-Gmelin, werfe dem ICC vor, nicht politisch unabhängig zu sein, nutze aber ihrerseits die Abhängig-keit von Staaten aus, um von ihnen die Zusage zu erhalten, US-Bürger nicht an den ICC auszuliefern. Länder wie Kroatien, die sich einem solchen Ansinnen widersetzten, verdienten deshalb die volle Unterstützung der Weltöffentlichkeit.Indirekt wirft Däubler-Gmelin der Bundesregierung vor, dem Konflikt mit den USA in dieser Frage aus dem Weg zu gehen. "Partner, die ernst genommen werden wollen, müssen die Supermacht USA daran erinnern, dass gleiches Recht für alle zu den Kernelementen des Rule of Law gehört." Es gehe darum, klar zu machen, dass nur "die Stärke des Rechts, nicht aber das Recht des Stärkeren" Frieden und Freiheit garantieren könne.Botho Strauß: Deutsche Literatur mit größerer Entdeckungsfreude lesenIn einem Beitrag für DIE ZEIT beklagt Botho Strauß die Schwemme der oft in sprachloses Deutsch übertragenen Romane, die die Entdeckungsfreude, mit der man sich in der eigenen Literatur umsehen könnte, behindert.Strauß: "Anstatt der A-Klasse-Auslese gäbe es besser eine Feldtheorie der Stile und Weisen, und es wäre ein Feld hoher Spannungen und Wechselwirkungen zu beschreiben, und an die Stelle der Literaturgeschichte träte besser der ran- domisierte Zugriff auf die Energiereserven der ganzen Poesie. Unser Bewusst-sein bildet sich nach der Art unserer technischen Gegebenheiten und Beschäf-tigungen. Wir arbeiten mit dem Speicher der uns überall gleichzeitigen Werke."Für Botho Strauß, der in der ZEIT an den großen, vergessenen Dichter Konrad Weiß (1880 bis 1940) erinnert, ist Literaturgeschichte Selektionsgeschichte. "Aber Selektionsgeschichte entwickelt ihrerseits die Geschichte veränderlicher Vorlieben und Prinzipien. Ein solcher Prinzipiensturz wird uns seit langem vor- enthalten. Er wäre überfällig, lässt sich jedoch nicht mutwillig beschließen oder gar herbeiführen."Regisseur Calixto Bieito: Ich bin doch kein Opern-ZerstörerEr ist einer der umstrittensten Regisseure unserer Zeit. Wegen seiner skanda- lumwitterten Inszenierungen haben allein in Hannover mehrere tausend Opern- besucher ihr Abonnement gekündigt. Vor der Premiere seiner neuesten Arbeit in Frankfurt wehrt sich der Katalane Calixto Bieito gegen die Vorwürfe: "Es ist vollkommen verrückt, wenn mir Leute vorwerfen, ich würde die Oper zerstören", sagt Bieito der ZEIT, "ich liebe die Oper über alles." Die Gewalt, die er auf der Bühne zeige, stecke in den Stücken selbst. "Es gibt Passagen bei Verdi, die sind der absolute Albtraum. Ich zeige sie dementsprechend - als den schlimm-sten Horror, den man sich vorstellen kann. Sich in eine Verdi-Oper zu setzen und nur zu denken: wie nett ist doch diese Musik - das ist ignorant."Die Gewalt sei in der Gesellschaft allgegenwärtig, sagt Bieito, der seinen Glau- ben an Gott an einer Jesuitenschule verlor, wo er misshandelt wurde. "Ich war drei Jahre alt, als ich in ihre Schule kam. Einmal schlug der Direktor meinen Kopf auf den Tisch, das Blut lief und lief. Diese Szene taucht in meinem Don Giovanni wieder auf." Bieito berichtet von sexuellen Misshandlungen durch die Geistlichen.Auch wenn er überzeugt ist, mit seiner Arbeit ganz dicht beim Geist der Stücke zu sein, die er inszeniert, lassen ihn die heftigen Reaktionen des Publikums nicht gleichgültig. "Ich fürchte mich davor, vor den Vorhang zu treten. Aber man muss sich den Reaktionen stellen, sonst sagen die Sänger, dass Du eine feige Ratte bist."TUI-Chef Frenzel: Billigtrend im Reisegeschäft wird weiter zunehmenDer Trend zu Billigflügen wird weiter zunehmen. Diese Auffassung vertritt TUI- Vorstandschef Michael Frenzel im Interview mit der ZEIT. "In Deutschland ist die Entwicklung erst am Anfang", sagt der Chef des Reisekonzerns mit Sitz in Hannover. Die TUI gehe davon aus, dass der Marktanteil der Billigreisen "mit- telfristig von 10 auf 15 Prozent" wachsen werde. Daneben werde das Premium- segment bei etwa 5 Prozent liegen und das Mittelfeld bei rund 80 Prozent.Die Pille fürs Flusspferd"Kaum ein Zoo hat mehr Platz für junge Tiger, Bären und Flusspferde. Tiere werden dank moderner Medizin immer älter", sagt Klaus Eulenberger, Tierarzt im Leipziger Zoo, der ZEIT. Verhütung sei der einzige Ausweg: "Pille, Spritze, Hormonimplantat - das ist leider die Zukunft.""Brandy" das Flusspferd erhält von Eulenberger täglich die Antibabypille. "Sie wartet abends gierig auf ihre Pille - Brikett wäre der treffendere Ausdruck. Ihre Pille wiegt 120 Gramm."Eulenberger zu den Verhütungsmethoden im Zoo: "Wir geben Tieren Hormone, ohne genau zu wissen, wie sie wirken - ideal ist das nicht. Wir könnten sie auch gebären lassen und hin und wieder ein überflüssiges Flusspferd schlachten. Dann würden die Löwen eben mal ein Zootier essen. Nur wäre das öffentlich nicht durchsetzbar. Der Zoo würde überrannt von Protesten."Thomas Anders: "Ich will raus aus diesem Hamsterrad""Ich habe manchmal das Gefühl, im Alltag nur noch zu funktionieren", sagt Thomas Anders der ZEIT. "Menschen sind käuflich, auch für mich ist die Versu-chung groß. Ich nehme neben vielen anderen Aufgaben, Engagements für Konzerte und Galas an, zuweilen sogar im Urlaub." Der Sänger des nunmehr aufgelösten Pop-Duos "Modern Talking" will "raus aus diesem Hamsterrad".Anders: "In meinem Traum laufe ich auf einer Landstraße in Richtung Süden - Wärme ist wichtig -, und ich treffe auf Menschen, für die ich namenlos bin. Sie erzählen mir ihre Geschichten. Ich singe für ein paar Geldstücke, um zu überle- ben; ich verdinge mich bei Bauern, um Oliven vom Baum zu pflücken; ich schlafe auf Feldern; ich lese Philosophen, die Einfachheit predigen, und teile mir manch winzigen Reichtum mit anderen, für die das Leben auf der Straße eine Normalität ist."Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse oder Iljane Weiß, ZEIT-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, (Tel.: 040/ 3280-217, Fax: 040/ 3280-558, e-mail: bunse@zeit.de bzw. weiss@zeit.de) gern zur Verfügung.