Es gilt das gesprochene Wort!Hochansehnliche Festversammlung!Als ich Sie, lieber Herr Beitz, 1949 in Hamburg kennengelernt habe, da waren Sie als sehr junger Mann gerade zum Chef der Iduna-Germania-Versicherung berufen worden. Aber ein wichtigerer Abschnitt Ihres Lebens lag bereits hinter Ihnen. Sie hatten schon eine ungeheure menschliche Bewährungsprobe bestanden. Davon allerdings hat in Hamburg damals kaum einer etwas gewußt - und Sie selbst haben nicht darüber geredet.Als 1933 ein seelisch im Kaiserreich verwurzelter 85jähriger Reichspräsident, der seinem Amte längst nicht mehr gewachsen war, den Mann aus Braunau an die Spitze der Reichsregierung berufen hat, sind Sie gerade 19 Jahre alt gewesen, ein Jahr vor Ihrem Abitur. Ein unpolitischer junger Mann, patriotisch gesonnen, der sich jedoch von dem durch das ganze Land gehenden und sehr große Teile der damaligen Jugend mitreißenden Sog der Nazis nicht hat mitziehen lassen. Sie wurden kein Mitglied der NSDAP.Sie wurden später auch kein Mann des Widerstands. Wohl aber haben Sie während dreier Jahre in dem von Deutschland besetzten Polen in einem kleinen Ort südlich von Lemberg Hunderte von todgeweihten jüdischen Nachbarn gerettet. Sie haben dabei Ihren eigenen Kopf riskiert.Und Sie, verehrte Frau Beitz, haben mitgeholfen und das Risiko mitgetragen. Sie haben jüdische Kinder in Ihrer Wohnung versteckt. Sie haben beide mit der SS paktieren müssen. Es war ein Glücksfall, daß ein SS-Führer Ihren Mann vor der Verfolgung durch die Gestapo bewahrt hat.Es hat manche Menschen gegeben, die ihren jüdischen Mitbürgern geholfen haben. Einige wie Raoul Wallenberg oder Oscar Schindler sind deshalb weltberühmt geworden. Die meisten aber sind unbekannt geblieben. Wenn es nach Ihnen beiden gegangen wäre, so wäre auch Ihre Hilfe unbekannt geblieben. Erst sehr viel später habt Ihr davon geredet; als Yad Vashem in Jerusalem Ihnen beiden mit dem Titel "Gerechter der Völker" gedankt hatte. Als ich heute vor sechs Jahren Sandkühlers Buch unter dem Titel "Endlösung in Galizien" gelesen habe, ist meine Hochachtung, lieber Herr Beitz, vor Ihrer moralischen Leistung und vor Ihrer Courage als sehr junger Mann nur noch gestiegen. Sie selbst, dazu befragt, haben geantwortet: "Ich war kein Held, ich war nur einfach ein Mensch." Sie haben das Wort von der Pflicht des Herzens gebraucht.Durch seine Erlebnisse im damaligen Generalgouvernement ist Berthold Beitz für sein ganzes Leben geprägt worden. Aber was für ein Leben! Und was für eine Lebensleistung!Vor einigen Wochen sollen Sie, lieber Herr Beitz, einen kapitalen Hirsch geschossen haben, so habe ich gehört. Sofern das stimmt, so ist es ein Beweis dafür, daß Sie auch mit beinahe 90 Jahren immer noch treffen können! Vielleicht hängt Ihre gute Form damit zusammen, daß Sie sich selbst beim Segeln immer mittags für eine halbe Stunde in Ihre Koje zurückgezogen haben - was ich selbst bezeugen kann.Else und Berthold Beitz haben 1939 geheiratet. Sie waren deshalb mit der diamantenen Hochzeit Loki und mir um drei Jahre voraus. Wenn aber heutzutage eine Ehe so lange hält und wenn die Familie - die Beitz' haben drei Töchter - zusammenhält, dann ist das zumeist im überwiegenden Maße ein Verdienst der Frau. Frau Beitz hat aber auch außerhalb von Ehe und Familie gezeigt, was in ihr steckt. Sie hat mit 58 Jahren ihr Abitur nachgeholt - weil eine der Töchter gerade mit ihrem eigenen Abitur dran war - und danach hat sie ein pädagogisches Studium absolviert und mit Diplom abgeschlossen, um, obendrein, heute vor zehn Jahren noch ein Doktorexamen zu bestehen. Ein wirklich erarbeiteter Doktortitel und kein Ehrendoktor, wie etwa Berthold Beitz und ich sie gesammelt haben. Das soll eine andere Mutter von drei Kindern erst einmal nachmachen!Die Dissertation übrigens untersuchte die Sozialpolitik der Firma Krupp. Und mit diesem Namen bin ich bei dem Stichwort, das den Inhalt von Berthold Beitz' Leben zur Hauptsache kennzeichnet. Es liegt heute ein halbes Jahrhundert zurück, daß Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, damals Alleininhaber, den vierzigjährigen Beitz zu seinem Generalbevollmächtigten berufen hat. Er wollte einen Mann, der mit den Stahlmanagern, den Bergassessoren, mit der ganzen Ruhr nicht verbandelt war. Den hat Alfried Krupp tatsächlich auch bekommen. Allerdings ließ gerade Beitz' Freiheit von jeglicher Bindung an die Familien, die Konzerne und Cliquen, an die personelle Landschaft der Ruhr, vielleicht darüber hinaus auch seine Freiheit von jeglicher Nazi-Belastung, seinen Start in Essen ein Wagnis sein. Ein Wagnis für Alfried Krupp und ebenso für Berthold Beitz. Immerhin war Beitz nicht nur revierfremd, sondern auch branchenfremd.Die Firma hatte noch vor wenigen Jahren als die deutsche Waffenschmiede gegolten. Deshalb hatten nach Kriegsende starke Kräfte in der amerikanischen Militärverwaltung die Firma zunächst vollständig eliminieren wollen. Der Morgenthau-Plan wirkte nach. Alfried Krupp war in Nürnberg verurteilt und sein Vermögen beschlagnahmt worden; erst 1951 kam er vorzeitig frei. Einzige Klammer über den Trümmern der Firma war Alfried Krupps innere Pflicht, die sozialen Versorgungszusagen der alten Firma zu erfüllen. Nunmehr kam aber die Energie von Beitz hinzu. Gleichwohl waren das Ringen um die Aufhebung von Auflagen und Beschlagnahme der Besatzungsmacht, um Aufträge und Wiederaufbau ungemein schwierig, oft auch riskant. Krupp, immer noch Einzelfirma, war auf Bankkredite angewiesen.Immerhin konnte Beitz 1957 das unübersichtliche Konglomerat von Firmen durch eine leistungsfähige Konzernstruktur ersetzen. Und schon 1961, als die Firma Krupp ihr 150jähriges Jubiläum feierte, war der Name wiederhergestellt. Bundespräsident Theodor Heuss konnte deshalb ohne Bedenken als Festredner auftreten. Eine konsolidierte Konzernbilanz gab es erstmalig erst 1962. Gleichwohl hat es in den 60er Jahren Krisen gegeben. Dazu kam in der Mitte der 60er aber ein allgemeiner Konjunkturrückgang, dazu noch die spezielle Krise des Kohlenbergbaus und der Ruhr insgesamt. Es war die Zeit des sogenannten Zechensterbens. 1966/67 kam es zu einer Hilfsaktion von Bundesregierung und NRW und Banken; allerdings ist die große Bundesbürgschaft dann gar nicht in Anspruch genommen worden. Und 1970 war die Krise abgewettert.Inzwischen aber war Alfried Krupp 1967 gestorben; Berthold Beitz war Testamentsvollstrecker. 1968 ging die "Friedrich Krupp GmbH" in den Besitz der gemeinnützigen Stiftung über. Ihrem Kuratorium saß gemäß Alfried Krupps Verfügung Beitz vor, der bald auch den Vorsitz im Aufsichtsrat der GmbH übernommen hat. Später kamen dann die Umwandlung in eine AG, die Verschmelzungen mit Hoesch (1992) und mit Thyssen (1998). Insgesamt ein weiter Weg mit manchen Höhen und Tiefen.Der Krupp-Stiftung ist durch ihre Satzung geboten, die Einheit des Unternehmens zu wahren und dessen Erträge gemeinnützigen Zwecken zuzuführen. Um diese doppelte Verpflichtung hat Berthold Beitz immer wieder ringen müssen. Letztlich ist ihm - trotz der unaufhaltsamen Fusionen der deutschen Stahlindustrie - dieser Spagat bis heute gelungen. Ohne ihn würde es sonst den Namen Krupp wohl nicht mehr geben.Vielleicht hatte Hermann Josef Abs recht, als er heute vor zehn Jahren Beitz einen Liebling der Götter genannt hat. Viel wichtiger, jedenfalls für Sie, lieber Herr Beitz, war in Abs' gleicher Rede dessen Feststellung, es habe sich bei der sogenannten "Krupp-Krise" des Jahres 1967 gar nicht um eine Liquiditätskrise des Hauses Krupp gehandelt - wörtlich: "Sondern es war eine Krise in der Bankenstruktur jener Zeit." Mit Trauer in der Stimme darf man heute als Fußnote hinzufügen: Es war noch keineswegs die letzte Krise des deutschen Bankensystems.Kurz vor seinem Tode hat Alfried Krupp, bei Gelegenheit der jährlichen Jubilarfeier der Firma, von der "dem Gemeinwohl verpflichteten Tradition des Hauses" gesprochen. Sie mache es zur Pflicht, wörtlich: "... erwerbswirtschaftliche Überlegungen - so wichtig sie auch sind - nie isoliert zu sehen vom Gebot der Sozialverpflichtung des persönlichen Eigentums". Alfried Krupp hat, bei anderer Gelegenheit, "... das Wohl der Gemeinschaft" als "oberstes Ziel" seines Unternehmens bezeichnet. Wer diese Worte in sich aufnimmt, der erkennt die Übereinstimmung mit dem Grundwert, den das Grundgesetz 1949 mit den Worten postuliert hat: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen."Allein auf sich gestellt, hätte jener seelisch verletzte, etwas verschlossene und scheue Mann die doppelte Aufgabe wohl kaum mit Erfolg erfüllen können, die er sich mit seinem moralischen Prinzip gestellt hatte und die ihm zugleich mit Erhalt und Erfolg des Unternehmens auferlegt war. Vielmehr bedurfte diese doppelte Aufgabe der Entschlußkraft und der Energie von Berthold Beitz. Sie bedurfte der Treue von Beitz gegenüber Alfried Krupp, gegenüber dessen moralischem Prinzip - und gegenüber dem eigenen Wort. Beitz hat die Zerschlagung der Firma abwehren können, er hat sie wieder aufgebaut, alle unvermeidlichen Krisen durchgestanden, dabei keinen Arbeitnehmer entlassen. Alfried Krupp hat sich mit Recht ganz und gar auf Berthold Beitz verlassen. Er hat - Treue um Treue - ihn zum Testamentsvollstrecker und auf Lebenszeit zum Vorsitzenden der Stiftung berufen.Das alles liegt jetzt schon lange in der Vergangenheit. Ich habe die Entwicklung seither nur aus der Ferne, zwar im freundschaftlichen Kontakt, aber doch nur von weitem verfolgen können. Mir ist klar: Das Phänomen Beitz, bei all seiner Lebensfreude, seiner Beweglichkeit und Impulsivität, ist nur zu verstehen, wenn man seine prinzipielle Treue und Beharrlichkeit begriffen hat.Die Erfüllung moralischer Pflicht hat Vorrang vor der Mehrung des eigenen Wohlstandes. Moral ergibt sich nicht aus dem Wettbewerb. Nicht der Markt kann die Moral und die Werte erschaffen, denen die Wirtschaftenden unterworfen sein sollen. Mitmenschliche Moral steckt gewiß auch nicht in unseren Genen. Vielmehr bedarf sie der Erziehung, des Beispiels, der Regeln und der Institutionen. Sie bedarf der Kultur insgesamt."Ohne Konsens über Verhaltensnormen kann kein Gemeinwesen bestehen", so hat Marion Dönhoff vor Jahr und Tag dazu geschrieben. Aber ebenso hatte leider Roman Herzog recht, als er einen "gefährlichen Verlust an Gemeinsinn" festgestellt hat. In den 90er Jahren haben private Habgier und Rücksichtslosigkeit, Machtgier und auch Größenwahn einen allzu großen Einfluß auf das Verhalten mancher Manager ausgeübt - nicht bloß in den USA, sondern auch bei uns. Undurchsichtige Bilanz- und Finanzkunststücke und sagenhafte Selbstbereicherung sind leider ziemlich häufig und ziemlich marktgängig geworden. Bei einigen würde ich gewiss nicht zum Geburtstag gratulieren kommen.Statt dessen möchte ich uns allen die im Hause Krupp sorgfältig bewahrten Tugenden wünschen!Natürlich darf man in einer stattlichen Villa wohnen und mit der Germania segeln. Jedoch keineswegs muss man danach streben, der größte global player zu sein, der größte Stahl- oder Auto- oder Software-Hersteller, die größte Bank - oder wenigstens nebenher sich das größte persönliche Einkommen verschaffen!Gewiss muss ein Manager, der mit anderer Leute Kapital arbeitet, diesen eine Rendite erwirtschaften. Aber allzu häufig haben wir erlebt, wie Vorstände und Aufsichtsräte sich ohne große Skrupel auf die Position verständigt haben: Wir erwirtschaften die Rendite; aber für die Arbeitnehmer, die wir vorzeitig in Rente schicken, hat gefälligst der Staat zu sorgen. Was hier "soziale Abfederung" genannt wird, ist in Wirklichkeit in allzu vielen Fällen bloß ein Abschieben eigener Lasten auf die Allgemeinheit - zwar legal, aber in Wahrheit durchaus unsozial und unmoralisch.Gegen all dergleichen Auswüchse sind der "Deutsche Corporate Governance Kodex" und Herrn Crommes Leitung der Kommission erste Lichtblicke. Gleichwohl: Es wird wohl noch lange Zeit brauchen, bis sich Ralf Dahrendorfs vor Jahren geäußerte Hoffnung verwirklicht, ein "moralischer Kapitalismus" sei "vielleicht der nächste Schritt in unserer Entwicklung". Er hat übrigens auch noch gemeint, jene Kapitalisten, die da glauben, alles werde vom Ökonomischen bestimmt, die seien doch bloß die letzten Marxisten.Tatsächlich jedoch gibt es schon eine Art von "moralischem Kapitalismus"! Wer als Kapitalist die Erträge seines Kapitals unwiderruflich der Allgemeinheit, der salus publica, zur Verfügung stellt, auf den trifft dieser erstaunlich klingende Begriff zu. Dazu gehören in Deutschland mehrere Tausende gemeinnütziger privater Stiftungen, darunter auch die großen, wie Bosch, Mohn/Bertelsmann, Körber, Bucerius - und eben Krupp.Die Krupp-Stiftung ist heute Großaktionär von Thyssen-Krupp. Sie hat im Laufe von 36 Jahren unter Berthold Beitz' Leitung 420 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke ausgeschüttet. Sie wäre seinerzeit kaum möglich geworden, wenn es Beitz nicht gelungen wäre, im Einvernehmen mit dem Vater dessen Sohn Arndt zum Erbverzicht zu bewegen.Inzwischen hat die Stiftung vielfältige Leistungen zugunsten unserer Gesamtgesellschaft und Kultur vollbracht. Vor allem ist ihr Flaggschiff, nämlich das Alfried Krupp Krankenhaus in Essen, eine Glanzleistung, mit der sie die Tradition der Krupp'schen Krankenanstalten aufgenommen und ausgebaut hat, die Alfred Krupp 1871 begründet hatte. Alfred Krupp, der Gründer der Firma, der Urgroßvater von Alfried Krupp von Bohlen, ist ja zugleich der Urheber der Verpflichtung des Hauses auf das Gemeinwohl gewesen.Wenn ich Ihr Leben, lieber Herr Beitz, richtig überblicken kann, so sehe ich Ihre drei Jahre in Polen als ersten bedeutenden Abschnitt, danach kamen acht erfolgreiche Jahre in Hamburg, dann aber fünfzig Jahre in Essen, im Dienste von Krupp und Krupp-Stiftung. Während dieses halben Jahrhunderts haben Sie gleichzeitig Deutschlands Verbindung mit vielen unserer östlichen Nachbarn gepflegt. Sie waren, lange vor Kanzler Brandt, bei Rapacki und Gomulka, bei Chruschtschow, bei Mikojan und Honecker. Das Mißtrauen, welches Ihnen Kanzler Adenauer entgegengebracht hat, hat Sie von Ihrem ostpolitischen und Osthandels- Engagement nicht abgehalten. Sie waren dabei, als Willy Brandt im Warschauer Ghetto niedergekniet ist. Auch ich habe Ihre Hilfe erfahren, als die damalige Opposition einen Vertrag mit Polen zu Fall zu bringen versucht hat.Auch sonst habe ich seit den 60er Jahren vielerlei Anlaß zu Dank. Sie haben der Nationalstiftung geholfen. Sie haben mir mehrfach Ratschläge gegeben. Dabei erinnere ich besonders jenes Telegramm, mit dem Sie dringend davor warnten, den Forschungsetat unseres Staates zu kürzen. Sie haben recht gehabt. Ich weiß aber auch, daß ich Sie als einen den Olympischen Spielen verpflichteten international gesonnenen Mann enttäuscht habe, als ich mich 1980 gezwungen sah, dem amerikanischen Präsidenten zu folgen, der über Nacht seine Meinung geändert hatte und nunmehr die europäischen Verbündeten aufforderte, seinem Beispiel zu folgen und, wegen Afghanistan, die Moskauer Olympischen Spiele zu boykottieren. Tatsächlich sind nur Norwegen, die Türkei und die Bundesrepublik dem Washingtoner Schwenk gefolgt, d.h. nur diejenigen, die damals dem militärischen Druck der Sowjetunion unmittelbar ausgesetzt und deshalb am meisten auf den Beistand Amerikas angewiesen waren. Die Sowjetunion ist inzwischen verschwunden; deshalb ist es heute nicht mehr geboten, uns jedweder amerikanischen Politik anzuschließen.Lieber Herr Beitz! Heute sind wir beide zwar längst alte Männer - aber vielleicht sind wir doch auch Beispiele dafür, daß eine staatlich fixierte Altersgrenze Unfug ist. Zum Beispiel Adenauer hat erst im Alter als Kanzler seine herausragenden Leistungen vollbracht. Sie, lieber Herr Beitz, haben sogar schon in jungen Jahren eine moralisch vorbildliche Leistung vollbracht.Danach kam aber dann eine sich über lange Jahrzehnte erstreckende Sequenz von Leistungen als Industrieller und Kaufmann, als Hüter über ein unternehmerisches Erbe, das zugleich ein moralisches Erbe ist. Als ein Diplomat ohne staatlichen Auftrag, der der deutschen Nation als Vorreiter der Verständigung mit Polen und mit Rußland gedient und zugleich die Treue zum getrennten Teil unseres Volkes hochgehalten hat. Als ein zielstrebiger Förderer von Wissenschaft und Forschung. Und last not least als ein Sportsmann, der in internationalistischer Gesinnung der großen Idee weltweiter olympischer Spiele seine Tatkraft zugewandt hat.Bei alledem hat Ihr eigener Lebenslauf Sie befähigt zu wissen, was den einfachen Mann beschwert - und was ihn bewegt. Es waren keine Universitätsseminare, sondern vielmehr Ihr innerer Kompass, welcher Ihnen soziale Verantwortung - auf deutsch: mitmenschliche Verantwortung - auferlegt hat. Es war Ihr eigener Kompass, der Ihnen Ihre Loyalität gegenüber Personen vorgegeben hat, denen Sie sich verpflichtet haben - und Ihr innerer Kompass, dem Sie Ihre Treue zu dieser großen Stadt Essen verdanken wie ebenso zu der kleinen Stadt Greifswald in Ihrer pommerschen Heimat. Ihr unverwechselbar eigener Stil, Ihre Ablehnung von Angebern, von bürokratischen Bedenkenträgern und von intellektuellen Schönrednern, und Ihr Stolz haben Ihnen geholfen, sich durchzusetzen. Sie haben dabei schwere Zeiten durchgestanden und sind doch immer derselbe geblieben: innerlich unabhängig, zugleich aber gebunden an die eigenen Werte, an die eigene Verantwortung und an das eigene Wort.Verehrter, lieber Berthold Beitz, ich verbeuge mich vor Ihrer Lebensleistung.