Herr Bundespräsident,
Präsident Havel,
meine Damen und Herren! Der Nationalpreis wird vergeben von der privaten Deutschen Nationalstiftung; er steht für bürgerschaftliches Engagement zugunsten der politischen Kultur in Deutschland - und in Europa. Die Stiftung ehrt mit diesem Preis Persönlichkeiten, die einen Beitrag für das Zusammenwachsen der beiden ehemals getrennten Teile Deutschlands oder für die Entfaltung der Beziehung zwischen Deutschland und seinen Nachbarn geleistet haben.Die bisherigen Preisträger waren:1997: Die Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche mit Ludwig Güttler. Die Gesellschaft wurde für ihren uneigennützigen, freiwilligen Einsatz geehrt, der zur Mehrung unseres kulturellen Erbes beigetragen und beim Zusammenwachsen der zwei lange getrennten Teile geholfen hat.1998 wurde Wolf Biermann geehrt, weil er ein Stück deutsche Identität gestiftet und weil er Zivilcourage bewiesen und unangenehme Wahrheiten ausgesprochen hat.1999 wurde Heinz Berggruen geehrt, weil er sich um die bildende Kunst der Moderne und um die Museumslandschaft Berlins verdient gemacht hat. Zugleich erhielt Heinz Bethge den Preis für sein Bemühen, auch in den Jahren der Teilung die Leopoldina in Halle als Ort des wissenschaftlichen Austausches zu erhalten und vor politischer Vereinnahmung zu schützen.2000 wurden die Erstunterzeichner des Neuen Forums ausgezeichnet, das heißt: führende Akteure der ersten erfolgreichen Revolution in der deutschen Geschichte.2001: Tadeusz Mazowiecki und Joseph Rovan. Der eine aus unserem Nachbarland Polen, der andere aus unserem Nachbarland Frankreich. Beide wurden für ihre besonderen Beiträge zum Dialog zwischen Polen, Franzosen und Deutschen geehrt.2002 erhielten Günter de Bruyn und Wolf J. Siedler den Preis. Beide Berliner Autoren, einer aus dem Westen, einer aus dem Osten der Stadt, wurden für ihre Leistung für das Zusammenwachsen der beiden lange getrennten Teile Deutschlands geehrt und für ihr Nachdenken über Berlin in Geschichte und Gegenwart.Heute, im Jahre 2003, wollen wir Václav Havel ehren. Heute ist die Stiftung dem Intendanten des Konzerthauses, Herrn Professor Frank Schneider, dankbar, der den Umzug aus dem Französischen Dom, unserem traditionellen Ort der Preisverleihung, in dieses Haus ermöglicht hat. Wir sind also Gäste in einem Haus, zu dessen Renovierung mein Freund Werner Otto mit erheblichen Mitteln beigetragen hat - wie übrigens auch zur Gründung der Nationalstiftung. Dankbar sind wir den zahlreichen Gästen, die ihrer Vielzahl wegen diesen Umzug erforderlich machten. Dank schulden wir auch der Körber-Stiftung, die den Nationalpreis mit Rat und Tat maßgeblich unterstützt. Diejenigen, die dem "Neuklang" ungeschmälert folgen können, sind den drei jungen Musikern dankbar, daß sie in bemerkenswerter Besetzung neue Hörweisen auf scheinbar alte Bekannte der Musik eröffnen.Besonderen Dank schulden wir unserem Schirmherrn, dem Bundespräsidenten, der uns mit seiner Anwesenheit heute ehrt.Anlass und Rahmen fallen heute besonders aus, da die Nationalstiftung in diesem Sommer ihr zehnjähriges Bestehen begeht.Die Nationalstiftung geht auf einen Impuls von Kurt Biedenkopf, Reimar Lüst, Kurt Masur und mir zurück. Vorsitzender ist in Zukunft mein Freund Professor Richard Schröder, der bisher dem Senat der Stiftung präsidiert hat. Stifter waren neben anderen die Herren Hermann Josef Abs, Gerd Bucerius, Kurt Körber und Michael Otto. Die Stiftung ist also eine Initiative von Privatleuten zugunsten der politischen Kultur unseres Landes. Unser Stiftungskapital ist zwar vergleichsweise noch ziemlich gering, aber es beruht ausschließlich auf privaten Beiträgen und enthält keinen Pfennig aus staatlichen Quellen.Die Nationalstiftung will zur Überwindung der geistigen Teilung unseres Landes und unseres Kontinentes beitragen, die uns nach Jahrzehnten der machtpolitisch erzwungenen Trennung immer noch belastet - auch übrigens in wirtschaftlicher Hinsicht immer noch belastet! Dieser Aufgabe dienen auch der alljährlich verliehene Nationalpreis und ebenso unsere Jahrestagungen jeweils im Herbst. Zuletzt im Herbst des Jahres 2002 haben die Teilnehmer der Jahrestagung die "wirtschaftliche Lage der neuen Bundesländer" diskutiert.Im Oktober dieses Jahres 2003 werden wir uns der Lage und Perspektive der deutschen Hauptstadt zuwenden. Kurt Biedenkopf und Dirk Reimers bereiten dafür eine Studie vor. Wir werden sie später publizieren, wie wir es schon bisher mit den Ergebnissen unserer Analysen für die Jahrestagungen gemacht haben.Ich glaube, es wird hohe Zeit, das Problem der Rolle und der Finanzierung Berlins ins öffentliche Bewußtsein zu heben. Denn einerseits setzen viele Menschen hohe Erwartungen in die künftige Bedeutung der alten und neuen Hauptstadt. Andererseits aber konzentrieren sich hier die Probleme hoher Arbeitslosigkeit. Und die wirtschaftliche und finanzpolitische Zukunft Berlins scheint beunruhigend auszusehen. Dieser Problemkomplex muß in den nächsten Jahren zu wirtschafts- und finanzpolitischen Korrekturen führen - und möglicherweise auch zu verfassungspolitischen Konsequenzen. Ich erwarte, daß die Nationalstiftung dazu im Oktober einige Denkanstöße geben wird.Die bisherige Arbeit der Stiftung haben wir in einem kleinen Buch "Anstöße für Deutschland und Europa" dargestellt, auf das ich Ihre Aufmerksamkeit richten möchte. Es liegt für Sie am Ausgang bereit.Im Zusammenhang mit meinen Hinweisen auf die Aktivitäten der Nationalstiftung erlaube ich mir eine Bitte an Sie, meine Damen und Herren, nämlich die Bitte, der Deutschen Nationalstiftung Ihre Aufmerksamkeit und auch Ihre finanzielle Hilfsbereitschaft zuzuwenden. Wir sind für jede Zustiftung dankbar, und der Förderverein ist offen für alle interessierten Bürger.Damit aber genug der Vorrede. Ich gebe das Wort weiter an meinen Freund Kurt Biedenkopf, der es übernommen hat, die Lobrede auf den bisherigen tschechischen Präsidenten Václav Havel zu halten.