Im Jahr 2009 sind weniger Passagiere von deutschen Flughäfen ins Ausland geflogen als ein Jahr zuvor. Erstmals seit sieben Jahren ging die Zahl der Fluggäste zurück, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag berichtete. Das bestätigt den Trend, den die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in einer Umfrage erkannt hatte: Die Deutschen reisen verstärkt im Inland. „Die Urlaubsreisen im eigenen Land haben um zwei Prozent zugelegt“, sagt auch Petra Hedorfer, Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT). Laut World Travel Monitor von IPK International gab es im letzten Jahr insbesondere im Segment „Kurzurlaub” sogar eine um sechs Prozent höhere Nachfrage nach innerdeutschen Reisen als 2008.

Nur noch 67,2 Millionen Menschen bestiegen hingegen die Flugzeuge, das waren 3,2 Millionen Passagiere oder 4,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Zuletzt waren die Passagierzahlen im Jahr 2002 unter dem Eindruck der Terroranschläge in den USA zurückgegangen. 2008 war mit 70,4 Millionen Fluggästen hingegen ein Rekordjahr.

Vor allem die Touristenflieger in Europa beförderten 5 Prozent weniger Gäste. So wollten nur noch 6 Millionen Menschen auf die Mittelmeerinseln, die fast alle an Zuspruch verloren. Auf die Balearen mit der Hauptinsel Mallorca kamen noch 3,9 Millionen Fluggäste aus Deutschland – nach 4,1 Millionen Passagieren im Jahr zuvor. Die Kanaren im Atlantik verloren noch deutlicher: ganze 10 Prozent der Gäste im Vorjahr entschieden sich für ein anderes Reiseziel. So konnten die Inseln im vergangenen Jahr nur noch 2,2 Millionen Gäste begrüßen.

Fast genauso viele Passagiere flogen nach Griechenland, 4,2 Prozent weniger als 2008. Größter Verlierer war Kreta mit Einbußen von fast 30 Prozent. Die einzige Mittelmeerinsel mit einem Zuwachs war Sardinien mit 292.000 Urlaubern. Dies läge aber nur an der verbesserten Anbindung: "Die Flugverbindungen nach Sardinien wurden ausgebaut", sagte eine Mitarbeiterin der Italienischen Zentrale für Tourismus.

Stabiler war der Interkontinentalverkehr, der im Schnitt nur 2,8 Prozent verlor. Die USA als wichtigstes Einzelziel verloren 6,2 Prozent auf knapp 4,6 Millionen Gäste. Nahezu gleich waren die Passagierzahlen nach Asien, wo beispielsweise Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate Zuwächse erzielten. Deutlich weniger Menschen wollten ins bürgerkriegsgeplagte Sri Lanka (minus 19,7 Prozent) oder nach Südafrika, das Austragungsland der Fußball-Weltmeisterschaft (minus 18,6 Prozent). Auch Australien/Ozeanien verzeichneten Verluste von mehr als 8 Prozent. Die gesunkene Nachfrage lässt sich sicher auch mit den Kosten von Fernreisen erklären: In der 26. Deutschen Tourismusanalyse zeigt die Stiftung für Zukunftsfragen auf, dass eine Reise ins Ausland mit 1221 Euro fast siebzig Prozent teurer ist als ein Urlaub in Deutschland (723 Euro).