ZEIT ONLINE: Herr Anzenberger, Sie sind Fotograf und reisen seit elf Jahren mit Ihrem Hund, um ihn an verschiedenen Orten zu porträtieren. Was ist schwieriger, durch den Zoll zu bringen – ein Hund oder eine Kameraausrüstung?  

Toni Anzenberger: Ein Hund. Das gilt nicht nur für die Einreise in ein fremdes Land. Auf einen Hund muss man ständig aufpassen. Zu Hause kennt man die Wege, man weiß, was einen erwartet. Auf Reisen sind die Straßen andere, die Menschen, die Situationen. Das kann ganz schön anstrengend werden.

ZEIT ONLINE: Wo waren Sie schon mit Pecorino?

Anzenberger: Pecorino ist in Italien geboren, dorthin reisen wir besonders gern. Da wir Flugangst haben, waren wir bisher immer nur mit dem Auto, dem Zug oder dem Schiff unterwegs. Wir waren fast überall im europäischen Ausland, in Deutschland, der Schweiz, in Griechenland, Slowenien oder Ungarn. Unsere weiteste Reise ging nach Marokko.

ZEIT ONLINE: Welche Nation ist die hundefreundlichste?

Anzenberger: Frankreich, England, Deutschland und Österreich sind sicherlich die hundefreundlichsten Nationen, wenn es um die Hund-Mensch Beziehung geht und vor allem um die Vermenschlichung der Tiere – was für die Hunde vielleicht gar nicht schön ist, denn wer weiß, ob ein streunender Hund nicht glücklicher ist, als einer, der den ganzen Tag auf dem Sofa sitzt? Es gibt in Sachen Tierliebe ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Gerade diese Tierliebe macht es aber auch schwieriger, in ein Land einzureisen. Mit wachsender Zuneigung gibt es auch mehr Regeln.

ZEIT ONLINE: Hat Pecorino einen Pass?

Anzenberger: Ja, das ist in Europa seit 2004 Vorschrift. Mit dem Pass und den damit verbundenen Untersuchungen soll die Tollwut eingedämmt werden. Trotzdem muss man sich mindestens fünf Wochen vorher kümmern, wenn man mit seinem Hund ins Ausland will. In England sogar mehrere Monate, weil dort Bluttests verlangt werden. Erst muss der Hund einen Mikrochip bekommen, dann gegen Tollwut geimpft werden und dann kommt die Blutuntersuchung. Es dauert sechs Monate, bis die Ergebnisse vorliegen. Dagegen ist Italien harmlos – wenn man mit einem Hund im Auto fährt, muss ein Netz das Tier vom Fahrer trennen. Das ist nicht aufwendig, aber über solche Bestimmungen sollte man Bescheid wissen. Das gilt auch für Krankheiten, die einem Tier in anderen Ländern drohen. In Griechenland gibt es Sandmücken, die eine Immunkrankheit übertragen, in Italien einen Bandwurm – beide können einen Hund das Leben kosten.

ZEIT ONLINE: Wie viele Hotels müssen Sie anfragen, bis Sie eines finden, das auch Hunde aufnimmt?

Anzenberger: Abgesehen von speziellen Hundehotels sind Hunde nirgends wirklich willkommen. Generell gilt, je größer und dunkler der Hund, desto schwieriger wird es, ein Zimmer zu finden. Getreu dem Motto: Wer hat Angst vorm schwarzen Hund? Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass man im Süden gut mit den Hoteliers verhandeln kann. Bei Pecorino kommt dazu, dass ihn der eine oder andere schon von Fotos kennt. Was man aber nie machen sollte: den Hund alleine im Zimmer lassen. Da kennen Hund und Hotelier kein Pardon. Und Flöhe sollte das Tier auch nicht haben. Pecorino hat sich manchmal, wenn wir an der Rezeption eines Hotels warten mussten, aus Nervosität gekratzt. Ich habe ihn verzweifelt angestupst, damit er aufhört. Hätte es jemand gesehen, wäre es mit dem Zimmer nichts geworden.

ZEIT ONLINE: Wie sieht es mit Stränden aus?

Anzenberger: Es gibt mittlerweile einige gute Hunde-Reiseführer, in denen genau aufgelistet ist, wo Hunde erlaubt sind und wo nicht. Wir hatten einmal ein sehr unangenehmes Erlebnis am Strand von Perpignan. Der Strand war ganz verlassen. Außer uns war dort nur ein Paar, das einen Sonnenschirm aufgestellt hatte. Pecorino wollte sich erleichtern, und da der Schirm das baumähnlichste war, das herumstand, hat er eben den gewählt. Das Paar war zum Glück nicht böse.