ZEIT ONLINE: Herr Brockhagen, in der letzten Woche kam wegen des Vulkanausbruchs auf Island der europäische Flugverkehr fast vollständig zum Erliegen. Was wurde dadurch an CO2 eingespart?

Dietrich Brockhagen: Wenn man davon ausgeht, dass der komplette Flugverkehr eingestellt wird, dann kommt man auf eine verminderte Klimawirkung von etwa einer Million Tonnen CO2 pro Tag. Das ist in diesem Fall aber nicht ganz richtig – der Vulkan hat auch CO2 ausgestoßen.

ZEIT ONLINE: Was würde es kosten, diese Menge bei Atmosfair per Ablasszahlung auszugleichen?

Brockhagen:
Um eine Million Tonnen CO2 in Projekten einzusparen, brauchen wir etwa 20 Millionen Euro.

ZEIT ONLINE: In welche Projekte fließen die an Atmosfair gezahlten Gelder zurzeit?

Brockhagen:
Nach wie vor stellen wir Familien in afrikanischen Ländern emissionsarme Kocher zur Verfügung. Diese sind nicht nur besser für das Klima, sondern auch für die Menschen, da sie weniger Rußpartikel abgeben. Neu dazugekommen ist ein Projekt, das Haushalte in Indien mit Biogas versorgt und ein anderes, das Dörfer mit Solarlampen ausstattet.

ZEIT ONLINE: Die Tourismusbranche hatte im letzten Jahr unter der Wirtschaftskrise zu leiden. Hatten Sie überhaupt noch Einnahmen? 

Brockhagen: Wir haben rund 20 Prozent zugelegt.

ZEIT ONLINE: Wie kommt das?

Brockhagen: Wir haben noch längst nicht alle umweltbewussten Menschen erreicht. Dadurch ist selbst dieses kleiner werdende Feld für uns noch lange nicht abgegrast. 

ZEIT ONLINE: In finanziell schlechten Zeiten tritt der Umweltschutz aber doch für viele Menschen in den Hintergrund.

Brockhagen: Nicht ganz. Während das Segment für nachhaltiges Reisen weiter wächst, wächst auch die Nachfrage nach billigen Angeboten, die mit Nachhaltigkeit gar nichts zu tun haben. Wenn man sich alle Angebote ansieht, dann machen die wirklich grünen Reisen ja noch nicht einmal ein Prozent davon aus. Da ist noch viel Entwicklungspotenzial.

ZEIT ONLINE: Als Atmosfair und andere Organisationen anfingen, Ablasszahlungen für Flüge anzubieten, hatten plötzlich auch viele Fluggesellschaften Emissions-Rechner auf ihren Webseiten. Diese berechneten aber nur einen Teil der tatsächlichen Emissionen die Ablasszahlungen für die Kunden wurden dadurch niedriger. Sie haben das oft kritisiert. Mit Erfolg?

Brockhagen: Leider nein. Es ist für uns ein beständiges Ärgernis. Mittlerweile sind auch die Verbraucherschutz-Organisationen darauf aufmerksam geworden. Dabei setzen die Fluggesellschaften damit ein falsches Signal: Es geht hier um freiwillige Abgaben. Da muss man den Kunden auch die ökologische Wahrheit sagen, sonst geht das fürs Klima nach hinten los.

Das Interview führt Jessica Braun