Die Asche des islandischen Vulkans am Eyjafjalla-Gletscher ist aus Sicht der Himmelswächter nach wie vor gefährlich für Flugzeuge. Bis in den frühen Dienstagmorgen um 2 Uhr dürfen keine Großflugzeuge in die Luft über Deutschland, teilte die Deutsche Flugsicherung mit. Am Morgen hatten die Flugwächter bereits auf Montagabend 20 Uhr verlängert. Dies solle den Fluggesellschaften Planungssicherheit geben, sagte eine Sprecherin.

Verschiedene europäische Flughäfen und Lufträume öffneten zumindest vorübergehend, so wie in Österreich, wo seit 5 Uhr wieder Starts und Landungen erlaubt sind. Der britische Luftraum bleibt bis 19 Uhr (Ortszeit/20 Uhr MESZ) gesperrt. Der Stockholmer Flughafen Arlanda sollte ab acht Uhr wieder für Starts und Landung für Verbindungen in nördlicher und westlicher Richtung offen sein.

Am Vorabend hatte auch der internationale Flughafen Oslo Gardermoen in Norwegen mit Einschränkungen den Flugbetrieb aufgenommen. In Schweden und Norwegen ist der Luftraum jeweils fast komplett freigegeben. Ändern kann sich das aber stündlich.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle berief für den Nachmittag ein Krisentreffen mit Wirtschaftsvertretern zu den Auswirkungen der Aschewolke ein. "Wir werden gemeinsam diskutieren, wie man schwerwiegende Auswirkungen vermeiden kann", sagte der Minister. Industrieverband-Präsident Hans-Peter Keitel habe ihm mitgeteilt, dass in vielen Branchen der Wirtschaftskreislauf bereits jetzt "erheblich gestört ist". "Die Aschewolke, die der Vulkan in Island verursacht, beeinträchtigt Wirtschaftsabläufe in erheblichem Ausmaß", beklagte der FDP-Politiker. Wenn die in der Weltwirtschaft vorhandenen Wertschöpfungsketten über einen längeren Zeitraum unterbrochen würden, "kommen wir in eine ernste Lage". 

Seit Donnerstag sehen sich auch die Fluggäste mit massiven Behinderungen konfrontiert. Zehntausende Flüge sind ausgefallen. Viele Passagiere sitzen in der Fremde fest oder kommen nicht an ihr Reiseziel. Viele versuchten, mit Bussen und Bahnen oder Taxis und Mietwagen an ihr Ziel zu kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die am Sonntag von einer USA-Reise nach Berlin zurückkehrte, erreichte die Hauptstadt erst nach Zwischenstopp in Lissabon und langer Autofahrt aus Rom.

Die Fluggesellschaften dringen immer heftiger auf eine Öffnung des Luftraums. Der Stillstand verursacht ihnen Schäden in dreistelliger Millionenhöhe. Testflüge seien problemlos verlaufen, betonen Manager und Piloten. Die DFS sieht sich aber an internationale Vorschriften zu Vulkanausbrüchen gebunden. Auch Politiker und Meteorologen wollen auf Nummer sicher gehen. Und der Vulkan spuckt weiter Asche.

Über die Datenbasis der Luftraumsperrung gibt es mittlerweile Streit. "Sicherheit muss höher gewichtet werden als Geschäftsinteressen", sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in München. "Solange noch Zweifel an der Sicherheit des Luftverkehrs bestehen, werde ich keine Flugfreigabe erteilen."

Die Lufthansa, ihr größter deutscher Wettbewerber Air Berlin und andere Fluggesellschaften betonten nach Testflügen, diese seien ohne Probleme verlaufen. Die Aschewolke gefährde Flugzeuge nicht.

Die DFS hatte am Sonntag nur für wenige Stunden eingeschränkt Flüge von ausgewählten Flughäfen zugelassen. Die Experten fürchten, dass die Asche die Triebwerke der Flugzeuge beschädigen könnte. Auf dem größten deutschen Airport in Frankfurt, wo normalerweise täglich 1300 Starts und Landungen gezählt werden, hoben nach Angaben der Betreibergesellschaft Fraport am Sonntag lediglich sechs leere Maschinen ab. Zudem seien 16 leere Maschinen gelandet. In Berlin blieben die Flughäfen bis Mitternacht geöffnet.

Die deutschen Flughäfen forderten eine europaweite Abstimmung bei der Krisenbewältigung. "Es ist dringend erforderlich, dass europaweit geltende Lösungen gefunden werden. Die deutschen Flughäfen erwarten von den europäischen Verkehrsministern, dass sie sich umgehend auf einheitliche Verfahren bei der Sperrung des Luftraums verständigen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel. An diesem Montag wollen die EU-Verkehrsminister per Videokonferenz über die Lage beraten.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Hans Heinrich Driftmann, forderte eine Aussetzung des Nachtflugverbots. So könne sich der Luftverkehr nach einem Abzug der Asche schneller normalisieren, sagte Driftmann der Frankfurter Rundschau. Derzeit hält eine stabile Wetterlage die Asche aus Island in rund 8000 Metern Höhe über großen Teilen Europas. Erst starker Wind oder Regen könnten den Staub verwehen oder aus der Luft waschen.