Graubündens Architekturwunder

Nur wenige haben gelernt, Architektur bewusst anzuschauen. Dieser erstaunliche Reiseführer aber regt uns an, fremd gebliebene Gegenstände unserer Daseinswelt wandernd zu betrachten und aufzusuchen. "55 Perlen und 100 Marksteine" der zeitgenössischen Architektur, an denen die meisten achtlos vorübergegangen wären, begegnen uns in dem Buch "Himmelsleiter und Felsentherme". Zum "Architekturwandern in Graubünden", durch den größten und vielseitigsten Schweizer Kanton, lädt der Führer ausdrücklich ein. Alle 13 Routen werden mit Reliefkarte und praktischen Hinweisen (Jahreszeit, Verkehrsmittel, Hotels) vorgestellt. Darüber hinaus beschreiben die Autoren, was ihnen beispielhaft erscheint – vom Kirchner-Museum in Davos bis zu Peter Zumthors Holzhaus im Prättigau. Sie präsentieren die zeitgenössischen Bauwerke mit treffenden Fotos. Und natürlich geht es immer auch ums große Ganze – um Dörfer, Städte, die faszinierende Alpenlandschaft. Am Ende bemerkt man, was man nebenbei gelernt hat: endlich genau hinzusehen. MS

Köbi Gantenbein, Marco Guetg, Ralph Feiner (Hrsg.): "Himmelsleiter und Felsentherme – Architekturwandern in Graubünden". Rotpunktverlag, Zürich 2009; 469 S., 32,50 €

Rheinisches Doppel

Warum ist es am Rhein so schön? Martin Stankowski ist der Frage nachgegangen. Er macht keinen Hehl daraus, dass er, stromaufwärts reisend, zwischen Köln und Loreley vieles erforscht und genossen, aber auch manches erlitten hat. Ein wunderbar subjektives Buch ist ihm so gelungen. Und wegen des Flusses und seiner weintrinkenden Anwohner hätte er es lieber "Feuchtgebiete" genannt, wenn der Titel nicht schon vergeben gewesen wäre. "Darum ist es am Rhein so schön" steht nun auf dem Einband. Und oben drüber: "Der andere Reiseführer". Und da heißt es aufgepasst! Denn so anders ist dieser Guide nicht. Jedenfalls ähnelt er sehr stark einem Rheinreiseführer, der, nein, nicht "Feuchtgebiete", sondern "Links + Rechts" betitelt ist und bereits im Jahr 2005 erschien. Er stammt aus demselben Verlag und vom selben Autor, präsentiert ebenfalls die schöne Strecke zwischen Kölner Dom und Loreleyfelsen und besticht wie sein zum Verwechseln ähnlicher Nachfolger durch die hervorragenden Fotos von Gernot Huber. Das Original und die als Neuerscheinung getarnte Neuauflage sind beide im Handel erhältlich – mit einem Preisunterschied von fünf Cent. Warum ist es auf dem Büchermarkt so voll? Darum! H.K.

Martin Stankowski: "Darum ist es am Rhein so schön. Der andere Reiseführer"; Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009; 285 S., 19,95 €