Die Entdeckung der Langsamkeit im Nationalpark Müritz

Die Müritz, gemächlich

Zur Mecklenburgischen Seenplatte zu reisen bedeutet vor allem eines: die Entdeckung der Langsamkeit an gewundenen Flussläufen, einsamen Kanälen und Seen, zu denen auch die Müritz gehört. Der Name stammt aus dem Slawischen und bedeutet kleines Meer. Wie ruhig das Leben dahinfließen und trotzdem sehr abwechslungsreich sein kann, zeigen Sabine Becht und Sven Talaron in ihrem detaillierten Reiseführer zum größten miteinander verbundenen Binnengewässer- und Wasserstraßengebiet Europas. Der Leser lernt die besten Orte zum Wasserwandern oder Segeln kennen, wird durch den Müritz-Nationalpark geführt. Und wo bieten sich die besten Übernachtungsmöglichkeiten? Die Autoren weisen den Weg zu Hausbooten, Gutshäusern und Schlössern. Ganz gleich, ob man zu Fuß unterwegs ist oder lieber mit dem Paddelboot – an zwei Dingen kommt man nicht vorbei: am Wiesengrün und Wasserblau, den Farben, die für gute Erholung stehen. CHB

Sabine Becht, Sven Talaron: "Mecklenburgische Seenplatte". Michael Müller Verlag, Erlangen 2009; 256 S., 15,90 €

Der Schatz im Spülsaum

Gerhard Priewe war mal Marineoffizier und Jurist. Inzwischen ist er pensioniert, doch von Meer und Recht kommt er nicht los: Zusammen mit dem Fotografen Jürgen Bummert ist er an den Küsten von Nord- und Ostsee auf Schatzsuche gegangen und hat in Archiven die Geschichte des Strandgutes für sein kleines Spülsaum-Brevier recherchiert. Früher lebten von dem, was die See an Land brachte, ganze Sippen und Dörfer. Angeschwemmte Goldmünzen, Weinfässer, Gewürze aus gekenterten Schiffen gehörten dem Finder. So bestimmte es das Strandrecht, damit kennt Priewe sich aus. In knappen Texten erzählt er aber auch von Piraten und Plünderern – und von dem ideellen Wert, den das Strandgut heute besitzt. Die schönen Fotos des Bandes zeigen, was ein Hühnergott ist und wie das Glück des Bernsteinsuchers aussieht. Denn das Meer hält noch immer manchen Schatz bereit. Mitnahme erlaubt! CHB

Gerhard Priewe, Jürgen Bummert: "Strandgut – Finden, auflesen, mitnehmen?". Hinstorff Verlag, Rostock 2009; 75 S., 9,90 €

Apulische Verlockung

Dieses Land im Süden Italiens hatte viele Herren. Griechen, Römer, Langobarden, Byzantiner kamen, siegten und gingen. Die Normannen mauerten ihre Dome, der Stauferkaiser Friedrich II. machte Apulien zum Mittelpunkt eines Großreiches. Rolf Legler beschreibt die Kulturlandschaft eingehend. Als Kunsthistoriker der alten Schule setzt er eine ordentliche Portion Wissen voraus, seine Fotos zielen auf dokumentarische Perfektion. Manchmal wünscht man sich, Legler hätte sein Talent zur atmosphärischen Schilderung öfter eingesetzt, ein Ortsregister wäre hilfreich, und dass die Bilder nicht immer dem Text direkt zuzuordnen sind, stört angesichts des stolzen Preises auch. Imponierend ist aber die Wissensfülle dieses Kompendiums, das kompromisslos gegen den Trend der Reiseliteratur geschrieben ist. Alb

Rolf Legler: "Apulien. Eine italienische Kunstlandschaft"; Hirmer Verlag, München 2009; 228 S., 60,– €