Ein Baum mit direktem Draht zum Himmel (Luven)

Unweit des Vorderrheins, der wegen seines wildromantischen Flusslauf bekannt ist, liegt Ilanz. Nur einige Baumlängen entfernt erreicht man zu Fuß oder mit dem Postauto das verträumte Dorf Luven. Wer den unteren Weg an der reformierten Kirche vorbei Richtung Wald läuft, kommt nach zehn Minuten zum Fußballplatz auf der Wiese namens "Bual".

Hier steht ein gigantisches, immergrünes Monument, mit 47 Meter Kronenhöhe; die höchste freistehende Fichte der Schweiz. Bereits 1915 wurde dieser herrliche Baum schriftlich erwähnt. Bis heute ist der Zuwachs dieses Baumes konstant geblieben, weshalb sein Stamminhalt bereits bei 40 Kubikmeter liegt.

Während sich im Winter die Bäume rundherum mit schneebedeckten Kronen demütig verneigen, steht diese grüne Dame ungebeugt und stolz in der Landschaft. Das hat damit zu tun, dass die Fichte ursprünglich zum Typus "Hängefichte" (Picea abies f. viminalis) mit horizontalen und vorhangartigen Seitenästen gehört, sich aber erstaunlicherweise im Laufe der Zeit zum Beugetypus (f. deflexa) wandelte.

Die Fichte zog sich offensichtlich ein anderes Gewand über, um die Äste vor großen Schneelasten zu schützen. "La Panera" wird sie deswegen auch genannt – so wie das Brotgestell mit kranzförmig angeordneten Holzstangen, das man hierzulande zum Schutz vor Mäusen aufhängt. Warum man die Fichte auf diesen Namen getauft hat, erklärt sich am besten, wenn man unter ihre bis an den Boden reichende Krone schlüpft. Die regelmäßig angeordneten Äste sind der Grund. Diese Himmelsleiter verleitete Kinder früher angeblich dazu, bis an die Spitze zu klettern, um sich von dort nach außen zu hangeln und sich von Ast zu Ast fallen zu lassen. Eine Mutprobe die böse enden konnte.