Nach dem Vulkanausbruch auf Island hat eine riesige Aschewolke den Flugverkehr in Deutschland lahmgelegt. Auch der letzte der 16 internationalen Flughäfen in Deutschland, der Münchner Airport, wurde am Freitagabend um 20 Uhr geschlossen. Der Flugbetrieb wird bis mindestens Samstagmittag ruhen, dann soll neu entschieden werden. Für die übrigen 15 internationalen Flughäfen in Deutschland galt schon zuvor ein Flugverbot bis Samstagmorgen.

Die Lufthansa hatte wegen der Aschewolke bereits am Freitagnachmittag vorsorglich ihre Flüge bis Samstagmittag gestrichen. Eine Aufhebung der Luftraum-Sperrungen sei derzeit nicht absehbar, sagte ein Sprecher am Freitagabend. Die betroffenen Passagiere würden gebeten, nicht zu den Flughäfen anzureisen.

Generell wird sich die Lage an den Flughäfen in Europa nach Vorhersagen der Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol auch am Samstag nicht entspannen. Die Aschewolke werde sich über Europa ausbreiten und deutlich größere Teile überdecken als am Freitag, teilten die Luftsicherheitsexperten in Brüssel mit. "Eine Entspannung ist nicht in Sicht", sagte der Chef der Luftraumüberwachung bei Eurocontrol, Brian Flynn.

Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wird der gesamte deutsche Luftraum mindestens bis Samstagabend gesperrt bleiben. Die Bahn, Bus- und Mietwagenunternehmen bereiteten sich am Freitag bereits so gut es geht auf einen unverminderten Ansturm von Reisenden vor.

Im ungünstigsten Fall werde es wegen der Vulkanasche aus Island auch am Sonntag keine Flüge geben, sagte Berthold Lescher von der Luftfahrtsberatungszentrale des DWD in Frankfurt. Die Entscheidung treffe letztlich aber das Bundesverkehrsministerium.

Die Wolke werde zunächst weiter nach Süden ziehen und schon am Samstagmorgen eine gedachte Linie von Südfrankreich, Norditalien und dem nördlichen Balkan erreichen, hieß es bei Eurocontrol.

Zudem sei anhand von Daten aus Island abzusehen, dass der Vulkan in absehbarer Zeit weiter Asche ausspucke. "Die isländischen Behörden erwarten keine Veränderungen für die nächsten 24 Stunden", sagte der Chef der Navigationsabteilung bei Eurocontrol, Joe Sultana.

Wie viele Flüge deshalb ausfallen werden, konnte Eurocontrol noch nicht abschätzen. "Von den für Freitag erwarteten 29.000 Flügen werden wir höchstens auf 13.000 kommen", sagte Brian. Damit werde der Ausfall deutlich mehr als 50 Prozent betragen.

Für Montag ist eine Telefonkonferenz der nationalen Flugsicherheitsbehörden, der EU-Kommission und Experten geplant, um das weitere Vorgehen zu beraten.

Die Aschewolke vom Gletschervulkan Eyjafjalla breitet sich Richtung Osten und Südosten aus und wird den Luftverkehr vermutlich noch tagelang beeinträchtigen. Die Vulkanasche, die sich in einer Höhe von sechs Kilometern befindet und vom Boden aus nicht zu sehen ist, kann die Triebwerke der Flugzeuge beschädigen und zudem die Sicht der Piloten behindern.

Über Großbritannien wurde das Flugverbot bis mindestens Freitagabend 20 Uhr (MESZ) verlängert. Der finnische Flugraum soll bis mindestens Sonntag geschlossen bleiben. In Frankreich verstärkten die Schließungen das ohnehin vorhandene Chaos: Bei der Staatsbahn SNCF wird seit Tagen gestreikt, zudem beginnen in einem Teil des Landes die Frühlingsferien, in einem anderen enden sie. Am Freitagmorgen machten dann auch noch 25 Flughäfen dicht, darunter die beiden Großflughäfen von Paris.

In Polen wurden alle Flughäfen bis auf Krakau und Rzeszow im Süden des Landes geschlossen. Der Luftraum über den österreichischen Städten Wien und Linz ist am frühen Freitagabend wegen der Aschewolke aus Island geschlossen worden. Im Laufe des Abends wurden auch die Flughäfen in Salzburg, Innsbruck, Graz und Klagenfurt dicht gemacht. Die Sperre soll bis mindestens Samstagmorgen
aufrechterhalten bleiben. Dann will die österreichische Gesellschaft für Zivilluftfahrt Austro Control über das weitere Vorgehen entscheiden.

Seit Freitagmittag ist auch am Flughafen Prag der Luftverkehr ausgesetzt. Wie der Flughafen mitteilte, sei derzeit nicht absehbar, wann der reguläre Betrieb wieder aufgenommen werden kann. Schon am Vormittag war der nordwestliche Luftraum Tschechiens für den Flugverkehr gesperrt worden, betroffen davon sind alle Starts und Landungen auf dem Flughafen Karlovy Vary (Karlsbad).