Strandgänger müssen sich wenig Sorgen machen: An den meisten Gewässern in Europa gibt es keine Probleme mit der Wasserqualität. Insgesamt 95,6 Prozent der Küsten- und 89,4 Prozent der Binnenbadegewässer erreichten im vergangenen Jahr die europäischen Mindeststandards, wie aus einem Bericht der Europäischen Umweltagentur hervorgeht.

In Deutschland waren fast alle Küsten, Seen und Flüsse ausreichend sauber, um dort zu baden: 99,5 Prozent der Küstenstrände und 98,4 Prozent der Seen und Flüsse erreichten 2009 die Mindestwerte. Dies ist der höchste Wert seit Beginn der Messungen im Jahr 1990. Nur neun deutsche Binnengewässer fielen durch das Raster.

Auf der internationalen Rangliste der Länder mit den saubersten Badegewässern landete Deutschland allerdings lediglich auf Platz elf und rutschte damit im Vergleich zu 2008 um drei Plätze ab. Der Grund: Die Standards für "ausgezeichnete" Wasserqualität erreichten nur 81 Prozent der rund 2280 getesteten Badeorte im Land. Insgesamt verteilte die EU aber öfter die Noten "gut" bis "befriedigend" für deutsche Gewässer.

Spitzenreiter unter den 27 EU-Ländern waren 2009 Griechenland, Zypern und Frankreich. Das unter deutschen Touristen immer beliebter werdende Reiseziel am Schwarzen Meer, Bulgarien, kam auf Platz vier. Spanien landet auf Rang acht, Italien auf Rang neun.

Im Mittelmeerraum erfüllten knapp 95 Prozent der Küsten die Mindeststandards, an den europäischen Stränden entlang des Atlantiks waren es sogar 98 Prozent. Allerdings mussten am Mittelmeer im vergangenen Jahr mehr als 300 Badeorte wegen schlechter Wasserqualität geschlossen bleiben. Sie befanden sich allesamt in Italien. Auch in Spanien und Frankreich erfüllten 2009 einige wenige Badeorte nicht die Mindeststandards. Entlang der Atlantikküsten war Irland Schlusslicht: Knapp sieben Prozent der Strände konnten EU-Standards nicht halten.

Insofern sieht EU-Umweltkommissar Janez Potocnik noch einiges an Arbeit vor sich. Insgesamt habe sich in den vergangenen Jahren die Wasserqualität an europäischen Küsten und Binnengewässern zwar deutlich verbessert, sagte Potocnik in Brüssel. Ein Problem seien jedoch nach wie vor Abwässer aus nahegelegenen Häfen oder Flughäfen sowie die Vermüllung der Strände.

Der Bericht bewertet die Qualität von mehr als 20.000 Badegewässern in allen 27 EU-Mitgliedstaaten, darunter 2279 in Deutschland. Die Wasserproben wurden auf chemische, biologische und bakterielle Verschmutzungen untersucht, darunter Säuren, Fäkalbakterien, Mineralöl und Reinigungsmittelschaum. Trotz des Erhebungszeitraums im Jahr 2009 sind die Werte der EU zufolge eine zuverlässige Angabe für die aktuelle Wasserqualität.