Mit 3,2 Millionen Einwohnern ist Johannesburg nicht nur die größte Stadt in Südafrika – sie gilt auch als die wildeste. Joburg, wie die Metropole umgangssprachlich genannt wird, ist sicherlich keine Schönheit. Die Stadt liegt zwischen alten Abraumhalden, das Stadtzentrum ist ein gewöhnungsbedürftiges Konstrukt aus Beton und Glas. Dazu kommt, dass die Stadt im internationalen Bewusstsein viele Jahre als Moloch verankert war. Als ein Ort voller Gewalt und Unrecht.

Doch Joburg hat sich verändert. Hinter der angekratzten Fassade verstecken sich erstklassige Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und eine lebendige Kunst- und Kulturszene, die sich erfolgreich mit der Aufarbeitung der Vergangenheit beschäftigt. Dadurch hat die Stadt ein neues Selbstverständnis entwickelt, das ihr ausgesprochen gut steht.

Trotzdem können diese Bemühungen nichts daran ändern, dass Johannesburg noch immer eine geteilte Stadt ist. Es gibt wohlhabende Gegenden wie Melville oder Sandton und es gibt Elendsviertel wie Alexandra. Die Schnittmenge aus beiden bildet ausgerechnet der Stadtteil, den man wie keinen anderen mit der Grausamkeit des Apartheidsregimes assoziiert: das Township Soweto.

Im Township, in dem 1976 beim sogenannten Aufstand von Soweto mehrere hundert schwarze Schüler von weißen Polizisten erschossen wurden, gibt es heute beides: gutbürgerliche Häuser und Wellblechverschläge, Straßenhändler und eine beeindruckende Shopping-Mall. In Soweto lebt die schwarze Mittelschicht. Aus den ehemaligen Shebeens , den während des Apartheidregimes verbotenen Kneipen, sind gut besuchte Jazz-Clubs und Restaurants geworden. Es gibt gepflegte Grünanlagen. Bed&Breakfasts, in denen auch weiße Touristen absteigen. Das winzige Haus, in dem Nelson Mandela lebte, ist heute ein Museum . Nicht weit davon, im Hector-Pieterson-Museum , wird die Erinnerung an die Opfer des Aufstands lebendig gehalten. Wer das Viertel besuchen möchte, aber Bedenken hat, kann sich den diversen Führungen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Bus anschließen, die angeboten werden.

Für weitere Städteporträts bitte auf das Bild klicken © Gero Breloer/​dpa

Auch um die Stadt herum gibt es Sehenswertes: die Ausgrabungsstätte Maropeng zum Beispiel. Die mittlerweile zum Unesco-Welterbe gehörende "Wiege der Menschheit" erinnert mit ihrem Besucherzentrum daran, dass 40 Prozent aller fossilen hominiden Funde aus Südafrika stammen.

© Christof Koepsel/​Getty Images

Um eine andere Art des Grabens geht es in Gold Reef City . Gold Reef City ist ein Freizeitpark, der auf dem ehemaligen Gelände einer der größten Goldminen der Welt gebaut wurde. Ursprünglich wurden hier nur Führungen angeboten. Mittlerweile ist das Gelände ein Vergnügungspark mit fünf Achterbahnen und Erkundungstouren unter Tage. Vom Elend, das in den Minen herrschte, spürt man hier nichts. Im krassen Gegensatz zu der Vergnügungsparkatmosphäre steht das nahe gelegene Apartheid Museum , das mit spektakulärer Architektur und einer beeindruckend konzipierten, interaktiven Ausstellung diesen Teil der Geschichte des Landes erklärt.

Fußball-Fans, die nur wegen der WM anreisen, werden sich sicher ein wenig bemühen müssen, um die Stadt ins Herz zu schließen. Aber wer sich auf Joburg einlässt, kann eigentlich nur gewinnen.