Wiener Weine sind zu neuer Beliebtheit gelangt. Vor allem der "Gemischte Satz" hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Renaissance durchlaufen. Lange galt er als minderwertiger Tropfen, der in den Heurigen als "Spritzer", also mit Mineralwasser gemischt, ausgeschenkt wurde. Auch Ambrositsch produziert neben Riesling und Grünem Veltliner einen Gemischten Satz. Er setzt sich aus rund 20 verschiedenen Weinsorten zusammen, darunter so uralte wie Rosenmuskateller oder Jubiläumsrebe. Die unterschiedlichen Trauben werden an einem Tag gelesen und gemeinsam gepresst.

Ambrositsch will ihre Weine möglichst unverfälscht in die Flasche bringen, darum arbeitet sie "ohne diesen ganzen Keller-Hightech", ohne Reinzuchthefen, ohne Technik. "Alles andere finde ich unsportlich. Weine werden im Weingarten gemacht – jedenfalls solche, die lange halten und Ausdruck haben sollen.“

Der Weingarten im Grinzinger Sommeregg, in dem die Sorten für ihren Gemischten Satz wachsen, wurde bereits 1955 ausgepflanzt. Ambrositsch bewirtschaftet ihn seit 2005. In einem so steilen Weingarten kann das Schwerstarbeit sein: "Den ganzen Tag bergauf, bergab gehen, das ist wahnsinnig anstrengend", sagt sie. "Das Mühsamste ist das Stockputzen, also die unteren Triebe rauszubrechen, die man nicht haben will. Dafür muss man ständig in die Knie gehen."

Trotz der Anstrengung ist ihr der Garten in Sommeregg besonders ans Herz gewachsen. Im Hochsommer fährt sie schon um vier Uhr morgens von ihrer Stadtwohnung hierher, weil sie die Mittagshitze in der Stadt nicht erträgt. "Wenn dann die Sonne aufgeht und Dachs und Fuchs noch unterwegs sind, das ist wildromantisch", sagt Ambrositsch. Wenn es ihr zu heiß wird, stellt sie einen Liegestuhl in den Schatten und ruht sich aus. In dem Garten in Sommeregg steht eine kleine Hütte, in der die Winzerin mit ihren Freunden jederzeit ein Picknick veranstalten kann. Die ehemalige Werberin hat zum Glück viele Freunde, die auch begeistert bei der Ernte helfen – im vergangenen Jahr waren mehr als 40 Menschen bei der Lese.

Als Gegenleistung lädt Ambrositsch ihre Helfer zur "Buschenschank in Residence" ein, einem saisonal betriebenen Heurigen, in dem sie jedes Jahr acht Wochen lang ihre eigenen Weine ausschenkt. "Wir bespielen alte Heurigen-Locations, um zu verhindern, dass die schönen Orte ganz verschwinden."

Offenbar mit Erfolg: Seit 2006 hat sich Ambrositsch für ihr Event den 400 Jahre alten Hof eines Kamaldulenserklosters in Sievering ausgesucht, in dem sich bis in die neunziger Jahre der legendäre Heurige Bacher befand. Vor ihr hatte dort jahrelang niemand mehr Wein ausgeschenkt. Seit sie die Tradition wiederbelebt hat, gibt es mehrere Winzer, die den Ort wieder für ihre Buschenschank nutzen.