Ermittlungen der Bundespolizei, Untersuchungen durch das Eisenbahnbundesamt und Mahnungen aus dem Verkehrsministerium: Nach dem Hitzekollaps mehrerer Schüler in einem ICE steht die Deutsche Bahn unter Druck. Zumal die Probleme mit den Klimaanlagen in den Zügen offenbar nicht gelöst sind: Augenzeugenberichten zufolge fiel in mehreren Wagen eines IC von Berlin nach Amsterdam die Klimaanlage aus. Nachdem der Zug mehrmals die Fahrt unterbrechen musste, sei er in Hannover komplett gestoppt worden. "In einigen Wagen herrschten Temperaturen von über 40 Grad", sagte eine Reisende.

Ein Bahnsprecher räumte ein, dass es weiter Probleme mit der Kühlung in einzelnen Wagen gebe. Er kündigte eine gesonderte Untersuchung der Klimaanlagen in seinen Zügen an. Diese würden während der nächtlichen Wartung mit einem extra Blick genauer überprüft, sagte der Sprecher. Zudem habe die Bahn Zugbegleiter nochmals darauf hingewiesen, auf Unregelmäßigkeiten zu achten. Weiterhin sei das Getränkeangebot aufgestockt worden, um die Erfrischung der Reisenden sicherzustellen.

Bereits am Wochenende mussten drei überhitzte ICEs wegen defekter Klimaanlagen gestoppt werden. In einem Zug soll es Augenzeugen zufolge zwischen 40 und 50 Grad heiß gewesen sein. Mehrere Schüler brachen zusammen. Daneben traten Augenzeugenberichten zufolge auch in den ICs von Passau nach Hamburg und Westerland nach Köln Mängel bei der Kühlung auf.

Die Bundespolizei ermittelt bereits wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen die Bahn , auch das Eisenbahn-Bundesamt hat eine Untersuchung eingeleitet. Das Verkehrsministerium forderte angesichts der Kühlprobleme Konsequenzen. Behördenchef Peter Ramsauer (CSU) sagte in Berlin: "Ich erwarte von der Deutschen Bahn, dass die Züge bei minus 40 Grad genauso zuverlässig fahren wie bei plus 40 Grad." Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) sagte der Bild-Zeitung, sämtliche Züge müssten umgehend auf ihre Funktionsbereitschaft überprüft würden.

Eine Sprecherin des Verkehrministerium sagte, man im Gespräch mit der Bahn, der Bahnindustrie und dem Eisenbahn-Bundesamt, um derartige Mängel bei zukünftigen Fahrzeuggenerationen zu beseitigen. Bahnchef Rüdiger Grube habe versichert, die Vorfälle aufzuklären. Zudem solle sich auch der Aufsichtsrat des bundeseigenen Konzerns damit beschäftigen.

In den vergangenen Jahren machte die Bahn wiederholt wegen technischer Probleme von sich reden. Im Jahr 2008 wurden Mängel an den Radsatzwellen der ICEs mit Neigetechnik publik. Bereits seit Anfang 2009 fährt zudem die S-Bahn in Berlin wegen diverser Defekte an den Zügen nur eingeschränkt . Erst 2011 soll sie wieder den Regelbetrieb aufnehmen. Im vergangenen April schließlich löste sich eine Tür an einem ICE und verursachte einen Unfall mit sechs Verletzten.