An der Einmündung eines Baches vertäut der Fährmann die Boote, dann klettert er mit der Gruppe eine Stunde lang durch den Wald. Über sumpfige Rinnen und mächtige Steinblöcke hinweg erreicht man schließlich einen Felsenkessel. Wie gläserne Zöpfe gehen Wasserfälle an den Wänden nieder und rauschen in ein jadegrünes Becken. So betörend wirkt dieser verwunschene Ort, dass sich am Ende alle nur widerstrebend auf den langen Weg zurück zum Camp machen.

Von all den Wasserläufen, die das Pondoland durchschneiden, war allein der Umzimvubu schiffbar. So kam Port St. Johns zu seinem Namen, denn vor hundert Jahren befuhren Dampfschiffe den Fluss. Doch wegen großflächiger Erosion ist er inzwischen derart verlandet, dass er sich selbst den Zugang zum Meer abschneidet und wohl bald als Strandsee enden wird. So wie der benachbarte Umngazi, an dessen Ende eine luxuriöse Lodge zu Wasserfreuden aller Art einlädt. Man kann hier Tretboote mieten, was surreal wirkt, doch auch mehrstündige Kanutouren werden angeboten.

Auch der Ntafufu , zwei Täler östlich von Port St. Johns, eignet sich vorzüglich für Bootspartien. Er schlängelt sich erst durch Grasland, dann durch dichte Auwälder, schließlich durch Mangrovensümpfe, bevor er sich nach ein paar langen letzten Schleifen dem Meer überantwortet. Erfahrene Paddler können bei ruhiger See auch die Küste entlang patrouillieren, weniger Abenteuerlustige den kilometerlangen, gänzlich menschenleeren Strand erkunden. Die kleine Herberge von Khululeka organisiert solche Bootstouren – ein romantisches Refugium auf einer Hügelkuppe mit hinreißendem Blick bis zum Meer. Man spricht Deutsch auf Khululeka: Armin von Lengeling hat deutsche Vorfahren, und seine Freundin Sabrina stammt aus Dresden. Auch sie frönen dem Wild Coast-Triathlon, bieten neben Bootstouren auch ausgedehnte Wanderungen über die Dörfer und Ausritte durch den Busch an.

Wenn dann der Tag verlöscht, sitzen die Gäste am Feuer beisammen. Kaum tritt man ein paar Schritte beiseite, umfängt einen vollständige Dunkelheit. Der Himmel wirkt mit Sternen wie bepudert. "Weit und breit hat niemand Strom, auch wir verwenden nur Kerzen und Öllampen. Wir haben hier ein natürliches Planetarium", schwärmt Sabrina. Unten schimmert der Ntafufu wie ein lackschwarzes Band, und weiter draußen zeichnen sich die Schaumkronen der Brandung als weiße Girlanden am Saum des schwarzen Meeres ab. Das Herz der Finsternis kann ungeheuer friedlich sein.