Der Strom im Schloss ist abgestellt. Zwischen den Beeten und auf den Wiesen steht Wasser. "Es reicht schon bis zum Schloss", sagt eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung. Und das Hochwasser steigt noch weiter in Bad Muskau. Nach starken Regenfällen war am Samstag eine Staumauer am Witka-See im polnischen Grenzgebiet gebrochen. Nicht nur die Neiße trat daraufhin über die Ufer, sondern auch andere Flüsse in Sachsen, Polen und Tschechien. Das Hochwasser hat den Muskauer Park, seit 2004 deutsch-polnisches Unesco-Welterbe , von einem Gartenkunstwerk von internationalem Ruf in eine bedrohte Stätte verwandelt.

"Der Muskauer Park hat die Landschaftsarchitektur in Europa und Amerika nachhaltig beeinflusst", sagt Dieter Offenhäußer, Sprecher der Deutschen Unesco-Kommission. Es ist einer der vielen Gründe, die die Kommission dazu bewog, den Muskauer Park auf die Welterbe-Liste zu nehmen.

Vor 185 Jahren begann Hermann Fürst von Pückler-Muskau damit, an beiden Ufern der Neiße einen Garten zu bauen, der der Stadt Muskau, vor allem aber dem Fürsten selbst und seiner Gattin Lucie ein Denkmal setzen sollte. Drei Jahre zuvor hatte der Kavallerieoffizier und Schriftsteller mit einem befreundeten Dichter England bereist. Die Gärten dort beeindruckten den Romantiker Pückler-Muskau: Er wollte sich selbst als Landschaftsarchitekt versuchen.

Um sein Projekt zu verwirklichen, kaufte er die angrenzenden Ländereien, siedelte ein Dorf um und machte sich gemeinsam seinem Hofgärtner Jacob Heinrich Rehder an die praktische Umsetzung seiner Ideen. Ein See wurde ausgehoben, Rabatten angelegt, Bäume gepflanzt. Brücken und Gebäude komplettierten die Vision. Zumindest fast: Beeindruckt von englischen Wehranlagen und Palästen, träumte der Gartenfürst von einer Burg, die seinen Anlagen das gewisse mittelalterliche Etwas geben sollte. Doch zu deren Bau kam es nie.

Auch der Umbau des sogenannten Neuen Schlosses – das Herzstück des Muskauer Parks – nach einem Entwurf Karl Friedrich Schinkels wurde nie vollzogen. Obwohl das Geld knapp war, gelang es dem Fürsten, das Bild der Ländereien völlig zu verändern. Auf rund 700 Hektar entstanden zwischen 1815 und 1844 auf deutscher Seite der Schloss-, der Bade- und der Bergpark. Auf polnischer Seite bepflanzten Pückler-Muskau und seine Gärtner den Unterpark, das Arboretum und die Braunsdorfer Felder.

Danach war Hermann Fürst von Pückler-Muskau pleite. Er zog fort. Die nachfolgenden Besitzer, Prinz Friedrich der Niederlande und Graf von Arnim-Muskau, führten Pücklers Werk bis zum Zweiten Weltkrieg weiter. 1945 wurde der Park durch die neue deutsch-polnische Grenze in zwei Teile dividiert. Das Schloss war geplündert und in Brand gesetzt worden.

Erst Jahrzehnte danach begannen vereinzelte Restaurationsarbeiten. Um diese zu vereinfachen, wurde im Jahr 1989 ein Vertrag zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit von Polen und Deutschland geschlossen – "ein Vorzeigeprojekt internationaler Denkmalpflege", sagt Unesco-Sprecher Dieter Offenhäußer. Seit 1993 bemüht sich auf deutscher Seite die Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau um den Erhalt, auf polnischer Seite ist das Nationale Zentrum zur Untersuchung und Dokumentation der historischen Denkmäler in Warschau verantwortlich.