Die Luft riecht wie ein Topf Milchreis, gewürzt mit einer Prise Jasmin. Ein Hahn kräht die Morgensonne an. Auf der staubigen Dorfstraße gehen Frauen in einer langen Reihe. Sie tragen Opfergaben, Pyramiden aus Blüten und Obst, und bunten Reiskuchen, aus denen Fleischspieße ragen. Ein Moped hupt, der Fahrer drängelt. Auf dem Rücksitz quetschen sich seine Frau und zwei Kinder zwischen ein Paket Palmblätter. Die Frau hält ihren Helm in der Hand und schreit in ihr Handy. Montagmorgen, Alltag auf der Insel der Götter.

"Bali ist wie ein seltener Schmetterling", sagt Elizabeth Gilbert, "Es ist einer dieser Orte, von denen man nicht erwartet, sie noch irgendwo auf der Welt zu finden – trotzdem ist er da." Die Autorin des Bestsellers Eat Pray Love , dessen Verfilmung gerade in den Kinos anläuft, hat vier Monate auf der indonesischen Insel verbracht. Sie hat dort, wie sie schreibt, ihre innere Balance gefunden und ihren Mann José (im Buch Felipe ) kennengelernt.

Lange bevor Gilbert die Insel für sich und damit für Tausende ihrer meist weiblichen Fans entdeckte, war Bali bereits ein beliebtes Reiseziel für Künstler, Surfer und Aussteiger. Während sich die Sonnenanbeter und Hippies am Strand von Kuta einrichteten, zog es die Künstler hinauf zu den Reisterrassen an den Hängen der Vulkane. Das kulturelle und spirituelle Leben in den Dörfern im Hinterland ist bis heute vom Massentourismus relativ unberührt geblieben.

"Bali ist eine Enklave des Hinduismus in Indonesien, diesem riesigen muslimischen Land. Dass es all die Jahre überdauert hat, ist Magie", sagt Gilbert. Geister- und Götterglaube bestimmen tatsächlich den Tagesablauf auf der Insel. Balinesische Geschäftsmänner klagen, dass sie deswegen immer drei Mal mehr Personal brauchen – irgendein Ritual ist immer, die Angestellten sitzen häufiger im Tempel als am Schreibtisch. Selbst in den Dependancen internationaler Hotelketten an den Stränden von Sanur oder auf der Halbinsel Nusa Dua stehen Schreine, vor denen die Hotelangestellten Opferkistchen aus Palmblättern abstellen. Ob jemand dabei zusieht, spielt keine Rolle.

Natürlich ist die Globalisierung auch auf Bali sichtbar. Doch selbst Starbucks- und McDonalds-Filialen ändern nichts an der Eigentümlichkeit der Insel. "Die Balinesen sind so fest verwurzelt in ihrer Kultur und ihrem Glauben, dass man keine Angst haben muss, als Tourist zu viel Westen einzuschleppen – die Balinesen bedauern einen eher, weil man keiner von ihnen ist."

Wer als Gast verstehen will, was es bedeutet, Balinese zu sein, der muss sich ein wenig abseits der touristischen Zentren bewegen. ZEIT ONLINE gibt fünf Tipps für einen Urlaub auf der Insel der Götter.