Die Metallstange eines Rollwägelchens drückt von hinten in die Unterschenkel, der Geruch von frischem Brot steigt in die Nase, vage spürt man unter dem rechten Fuß eine zertretene Aubergine. Vor einem steht der Mann mit den Nougat-Probierhäppchen und sagt "Shabbat Shalom", die Plastiktüte in der Hand mit der 3,5kg-Melone darin droht zu reißen. Es ist Freitag, es ist Stress, das nervt und macht doch Spaß und vor allem: Es gehört sich so. Denn es ist kurz vor Shabbatbeginn, es ist der Mahane Yehuda Markt, es ist Jerusalem.

Dieser Markt zwischen Agrippa Street und Jaffa Street, in der Neustadt und nicht weit vom zentralen Busbahnhof, ist eines der wenigen nicht religiös behafteten Wahrzeichen der heiligen Stadt. Wie weniges in Israel steht er für die Kultur des Landes. Jeden Freitag wird hier ein Spektakel der besonderen Art ausgetragen, wenn Hausfrauen, orthodoxe Männer, junge Studenten und nicht zuletzt viele Touristen über den Markt gehen, Lebensmittel für das Wochenende kaufen, Freunde auf einen Kaffee treffen und Blumen aussuchen, die sie Freunden zum Shabbatessen mitbringen.

Die Stadt hat dieses Jahr das offizielle Jubiläum des Marktes ausgerufen. Einige kleine Verkaufsstände gab es hier jedoch schon im späten 19. Jahrhundert, sie grenzten an den Stadtteil Beit Yakov, weshalb der Markt damals auch noch Beit Yakov Markt hieß. Seit in den zwanziger Jahren aus Hygienegründen feste Stände gebaut wurden, ist er eine Jerusalemer Institution. Damals hat der Markt, den Jerusalemer einfach nur den Shuk nennen, auch seinen Namen erhalten: von der Nachbarschaft Mahane Yehuda, die 1887 dort gebaut und nach Yehuda Navon, dem Bruder von Gründungsmitglied Joseph Navon benannt wurde.

Viele der Händler sind seit Generationen hier vertreten. So wie die Familie Abuhazira. Das Familienoberhaupt ist 1961 aus Casablanca in Marokko nach Israel eingewandert. Aus einer Metzgerfamilie stammend, kaufte VaterAbuhazirain einer der Seitengassen des Marktes einen Stand. Nahezu jeden Arbeitstag hat er in den letzen fast 50 Jahren auf dem Markt verbracht. Dass sein Sohn, Meir Abuhazira, die kleine Metzgerei eines Tages übernehmen würde, stand von vornherein fest. Seit er zehn Jahre alt war, hat Meir Abuhazira von seinem Vater alles gelernt, was es über das Metzgerhandwerk zu wissen gilt: wie lange welches Fleisch lagern sollte, wie Leber koscher gemacht wird, welche Huhnrezepte bei den Kunden besonders beliebt sind.