"Mit dieser historischen Zugfahrt rücken Deutschland und Großbritannien künftig näher zusammen", sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube. "Der erste Meilenstein auf dem Weg zu einer regelmäßigen ICE-Direktverbindung ab 2013 ist vollbracht." Für die Deutsche Bahn, die ab Ende 2013 drei Züge täglich von Deutschland und den Niederlanden nach London und zurück fahren lassen möchte, brächte die Strecke vor allem internationales Prestige.

Die Züge sollen ab Dezember 2013 von Frankfurt am Main über Köln, Brüssel und Lille in die britische Hauptstadt und zurück fahren, wie Grube in London sagte. Parallel sind demnach drei Verbindungen von Amsterdam und Rotterdam geplant. "Europa wächst zusammen. Dem müssen sich auch die Eisenbahnen stellen", sagte Grube.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) nannte die geplante Verbindung in London "einen gewaltigen Fortschritt für den europäischen Zugverkehr". Profitieren würden davon Geschäftsreisende genauso wie Touristen. Grube sagte, das geplante Angebot werde "die bessere Alternative zum Flieger". Bislang gebe es rund 50 Flüge täglich aus der Region um Frankfurt und dem Rheinland nach London. "Das ist ein großer Kuchen, der bisher für die Eisenbahn unerreichbar war."

Der in London präsentierte ICE hatte in den vergangenen Tagen bereits mehrere Testfahrten in der Verbindung unter dem Meer gemacht. Für einen normalen Verkehr sind die Züge der Deutschen Bahn aber noch nicht zugelassen: Die Rettungsvorschriften sehen vor, dass man durch die Eurotunnel-Züge von vorne bis hinten durchgehen kann. Die modernen ICE sind aber in zwei Halbzüge unterteilt. Außerdem verfügt die Bahn noch nicht über alle Fahrtrassen, die sie braucht.

Nach den bislang laut Bahn erfolgreich verlaufenen Tests gibt sich der Konzern aber optimistisch, von der Betreibergesellschaft Eurotunnel bald die Freigabe zu bekommen. Die 50 Kilometer lange Tunnelstrecke ist nach Angaben von Eurotunnel die am meisten befahrene Eisenbahnstrecke der Welt. Bahn-Chef Grube rechnet damit, dass durch die neue Strecke mehr als eine Million zusätzliche Fahrgäste pro Jahr befördert werden können.

Die Deutsche Bahn hat die prestigeträchtige Verbindung von Frankreich nach Großbritannien schon seit Langem im Visier. Seit der Eröffnung des Eurotunnels 1994 fahren dort nur die Züge von Eurostar, die eine Tochter der französischen Staatsbahn SNCF ist. Die SNCF ist bedacht, möglichst wenig Konkurrenz im eigenen Land zuzulassen. Derzeit gibt es zwischen Berlin und Paris auch Spannungen um eine Bestellung der SNCF-Tochter Eurostar: Diese will nach einer Ausschreibung die neue Generation ihrer Züge beim deutschen Technologiekonzern Siemens bestellen. Wert: 600 Millionen Euro. Eine herbe Niederlage für den bisherigen französischen Lieferanten und Siemens-Konkurrenten Alstom. Dies rief die Regierung in Paris bereits auf den Plan, doch die Bundesregierung weist jede Einmischung zurück.