Das Bridge Side wirkt wie ausgestorben an diesem Morgen. Vom Meer ziehen die Winde an die Küste von Grand Isle, wie so oft im Herbst, und peitschen die Wellen ans Ufer. Nur zwei Fischerboote liegen verlassen im Hafen. Der Pier vor dem kleinen Fischerhotel ist leer, es ist kein Wetter zum Fischen.

An den Anblick des leeren Piers hat Dodie Vegas sich inzwischen gewöhnt. "Am meisten vermisse ich die Kinder, die hoch in den Laden kommen und Eis oder Süßigkeiten kaufen", sagt die Besitzerin des Bridge Side. "Ich habe hier schon lange kein Kinderlachen mehr gehört." Die vergangenen Monate seien hart gewesen.

Seit im April rund 80 Kilometer vor der Küste die Tiefseebohrinsel Deepwater Horizon explodiert ist und Tag für Tag Tausende Liter Öl ins Meer geströmt sind, bleiben die Touristen lieber zu Hause.

Das Öl hat den 1500-Einwohner-Ort schwer getroffen. Grand Isle ist, wie viele der Küstenorte in Louisiana, abhängig vom Meer. Kaum jemand hier lebt nicht irgendwie von den Dollars, die man damit verdienen kann. Wer kein Fischer ist, der hat ein Restaurant, wer kein Restaurant hat, besitzt ein Hotel.

Im Sand Dollar Motel endete in diesem Jahr die Saison, bevor sie begann

Ganze 87.000 Menschen arbeiten in Louisiana in der Tourismus-Branche. Besucher aus dem ganzen Land geben pro Jahr rund 5,2 Milliarden Dollar aus, wenn sie zum Jazz Festival nach New Orleans kommen, am Mississippi ihr Kanu ins Wasser lassen oder zum Baden und Fischen an die Küste fahren.

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Allein nach Grand Isle, erzählt Dodie Vegas, kämen in einem normalen Sommer rund 30.000 Touristen. "Dieses Jahr hatten wir nur die Arbeiter von BP."

Seit Ende Mai ist das Hotel fest in der Hand des Öl-Giganten. Ganze Dörfer hat BP angemietet, um von dort aus die Aufräumarbeiten an den Küsten zu koordinieren. Restaurantbesitzer wurden zu Caterern, in Hotels wie dem Bridge Side, wo noch vor einem halben Jahr Touristen übernachteten, wohnen jetzt Leute wie Charles Blackwell.