Die Verschärfung der Kontrollen von Passagieren an amerikanischen Flughäfen hat in den USA zu Protesten gegen Eingriffe in die Privatsphäre geführt. Dabei geht es zum einen um Nacktscanner, die mittlerweile an 68 von 450 Flughäfen in den USA zum Einsatz kommen. Zum anderen beschweren sich laut einem Bericht der New York Times zunehmend Fluggäste und Airline-Personal über Leibesvisitationen. Denn wer sich weigert, einen Nacktscanner zu betreten, wird von Sicherheitskräften durchsucht.

Besonders viele Beschwerden kamen nach Bürgerrechtsgruppen zufolge von weiblichen Passagieren, die von männlichen Sicherheitskräften kontrolliert wurden. Dabei sind die Sicherheitskräfte angewiesen, sowohl den weiblichen Brustbereich als auch den Genitalbereich abzutasten. Diese Verschärfung des Vorgehens wurde am 1. November von der Flugsicherheitsbehörde Transportation Security Administration (T.S.A.) eingeführt.

Gleichzeitig wurde die Zahl der umstrittenen Nacktscanner erhöht – mit dem Ziel, bis 2011 die US-Flughäfen mit mehr als 1000 Scannern ausgestattet zu haben. Vielflieger und die Pilotengewerkschaft von American Airlines sind besorgt, regelmäßige Strahlenbelastung durch die Scanner könne zu Langzeitschäden führen. Jay Michaelson bezeichnete die neuen Sicherheitskontrollen in der Huffington Post gar als "eine empörende Ausweitung des Polizeistaates".

Der Informatiker John Tyner ist mit seinem Protest gegen die verschärften Kontrollen inzwischen zu einer Art Ikone des Protests geworden. Er weigerte sich am Flughafen von San Diego zunächst, den neuen Nacktscanner zu passieren, anschließend lehnte er es ab, seinen Intimbereich abtasten zu lassen. Ein YouToube-Video zeigt den 31-Jährigen , wie er einen Sicherheitsbeamten anfährt: "Geh mir nicht ans Zeug, sonst lass ich dich festnehmen." Wegen dieses Ausbruchs wurde Tyner des Flughafens verwiesen.

Im Internet kursieren nun Aufrufe, nach dem Vorbild Tyners den 24. November zum "nationalen Verweigerungstag" zu machen. Es ist der Tag vor Thanksgiving, an dem besonders viele Amerikaner zu Familienbesuchen fliegen.

Die Diskussion hat nun ein solches Ausmaß angenommen, dass sich Präsident Barack Obama und US-Außenministerin Hillary Clinton zu den Vorgängen geäußert haben. Clinton forderte in einem NBC-Interview Zurückhaltung bei den Leibesvisitationen. Die verschärften Sicherheitsmaßnahmen seien derzeit notwendig. Die Regierung wolle aber prüfen, ob die Zahl der Menschen, die sich einem Ganzkörperscan unterziehen muss, reduziert werden könne. Obama sagte in Lissabon, er nehme die Beschwerden zur Kenntnis, sehe aber in den Sicherheitsmaßnahmen im Moment die einzige effektive Möglichkeit, einen Anschlag auf ein Flugzeug zu verhindern.

Die Pilotengewerkschaft von American Airlines konnte letzte Woche immerhin durchsetzen, dass diensthabende Piloten nicht mehr zum Scannen verpflichtet sind. Das wurde auf einem Treffen der Gewerkschaft mit T.S.A -Vertretern vereinbart, nachdem Kritiker angemerkt hatten, Piloten würden wohl kaum Sprengstoff oder andere gefährliche Substanzen benötigen, um ein Flugzeug zum Absturz zu bringen.

Die ersten Nacktscanner waren in den USA zu Beginn dieses Jahres eingeführt worden. Zuvor hatte ein Passagier versucht, eine Maschine auf dem Landeanflug auf Detroit mit Sprengstoff in die Luft zu jagen, den er in seiner Unterwäsche versteckt hatte. In Deutschland werden Nacktscanner zurzeit getestet, allerdings nur am Flughafen von Hamburg .