Bundesweit haben Frost und Schnee den Betrieb der Deutschen Bahn stark beeinträchtigt . Nun hat sich das Unternehmen für die zahlreichen Zugausfälle und Verspätungen entschuldigt. Allerdings müssten die Fahrgäste die Anstrengungen der Tausenden Bahn-Mitarbeiter im Kampf gegen die winterlichen Behinderungen auch honorieren. Sie leisteten "trotz der extrem widrigen Umstände immer noch Unglaubliches", sagte das für den Personalverkehr zuständige Vorstandsmitglied Ulrich Homburg. Nach wie vor erreiche jeden Tag eine "überwältigende Mehrheit" der Fahrgäste sicher ihr Ziel. "Ich entschuldige mich bei all denjenigen, bei denen dies nicht der Fall ist", sagte Homburger.

Reisende bekommen bei der Deutschen Bahn unter der kostenlosen Rufnummer 08000-996633 Auskunft über aktuelle Störungen. Im Internet informiert die Seite www.bahn.de/blitz/view/index.shtml über regionale Fahrplanabweichungen und Zugausfälle. Mit internetfähigen Handys können Informationen unter der Adresse m.bahn.de/ris aufgerufen werden.

Homburger versprach eine Verbesserung der Lage für den nahenden Weihnachtsreiseverkehr: "Wir werden alle verfügbaren Züge fahren und sicherstellen, dass die Hauptreiserouten im Fernverkehr mit der nötigen Kapazität befahren werden. Auf den Nebenstrecken wird unsere Regionalzug- und Busflotte dafür sorgen, dass möglichst jeder sein Reiseziel zu Weihnachten erreicht." Zudem setze das Unternehmen für das Schneeräumen 10.000 Mitarbeiter ein. Weiterhin arbeiteten viermal so viele Techniker wie im vergangenen Winter .

Für einen Trupp Gleisarbeiter in Köln-Mülheim endete ein solcher Wintereinsatz tragisch: Am Dienstag um kurz nach Mitternacht fuhr eine Regionalbahn in die Gruppe der vier Männer und tötete zwei von ihnen. Warum niemand die Gefahr rechtzeitig erkannte, war zunächst unklar. Die Ermittlungen an der Zugstrecke dauerten an, sagte ein Polizeisprecher. Die übrigen zwei unverletzten Männer seien wohl nicht direkt am Gleis gewesen.

Derweil kommt von Seiten der Politik scharfe Kritik am Krisenmanagement der Bahn . "Hier rächen sich das übertriebene Spardenken vergangener Tage und die absurden Börsenträume der Bahn", sagte der Verkehrsexperte der Grünen, Winfried Hermann. Der von dem Unternehmen im Sommer vorgelegte Präventionsplan Winter 2011 sei "nicht mehr als Symptombekämpfung" gewesen. Die eigentlichen Probleme lägen woanders: "Es fehlt an Zügen und Wagen für den Betrieb." Auch der FDP-Verkehrspolitiker Patrick Döring kritisierte den zu kleinen Wagenpark der Bahn. Dieser sei "auf Kante genäht", sagte er. Wegen des umfangreichen Wartungsprogramms, das nach Pannen im Frühjahr vom Eisenbahnbundesamt angeordnet worden sei, gebe es keine Reserven mehr.

Ähnlich äußerte auch Uwe Beckmeyer von der SPD. "Ich bin fassungslos, dass es bei der Bahn immer noch kein flexibles Notfallmanagement gibt", sagte der Verkehrsexperte. "Die Bahn müsste eigentlich einen Puffer an Ersatzzügen vorhalten, um Ausfälle zu kompensieren." Beckmeyer, Mitglied im Bundestags-Verkehrsausschuss, warf der Bundesregierung vor, auf Kosten der Bahn zu sparen. Die Bahn, die zu 100 Prozent dem Bund gehört, müsse wegen des Sparpakets der Bundesregierung in den kommenden vier Jahren jeweils 500 Millionen Euro an den Bund abführen.