Am frühen Morgen hatten die Flughafenbetreiber noch mit einer Entspannung der Lage am Flughafen Frankfurt gerechnet, doch dann setzte erneut Schneefall ein. Nach einer anfangs ruhigen Nacht legten die Flocken das wichtigste deutsche Luftdrehkreuz vorübergehend lahm. Von 5 Uhr an waren weder Starts noch Landungen möglich, wie der Flughafenbetreiber Fraport mitteilte. 8.28 Uhr landete dann die erste Maschine. Zunächst war nur eine der drei Bahnen freigegeben.

Anders als zunächst angenommen müssten Passagiere daher auch am Dienstag "mit erheblichen Verzögerungen und Flugausfällen" rechnen. Gegen 2.00 Uhr hatte bei freien Pisten alles noch auf eine Entspannung der Lage hingedeutet. "Wir haben nicht mehr damit gerechnet, weil wir vom Wetterdienst andere Vorhersagen hatten", sagte ein Fraport-Sprecher.

Am Wochenende und am Montag waren am Frankfurter Flughafen Zehntausende Passagiere gestrandet , weil ihre Anschlussflüge wegen Schnee und Eis ausfielen. Allein die Lufthansa buchte am Wochenende in Frankfurt Hotelzimmer für 25.000 Übernachtungen, viele campierten teils mehrere Nächte auf Feldbetten im Flughafengebäude. An wartende Fluggäste wurden 100.000 Getränke und 30.000 Sandwiches verteilt.

In der Nacht blieb es überall auf den Straßen weitgehend ruhig. Nur auf der Autobahn 40 bei Duisburg prallten vier Lastwagen und acht Autos gegeneinander. Obwohl sich die Fahrzeuge ineinander verkeilten, gab es nur vier leicht Verletzte. Vermutlich hatte ein Lkw-Fahrer einen Fehler beim Wechseln der Spur gemacht.

In den anderen Teilen Deutschlands gab es kaum Zwischenfälle. "Hier ist es glatt, aber ruhig", hieß es aus Bonn. "Oft rutschig, aber bisher ohne Folgen", meldete Darmstadt. "Wir wundern uns selbst, dass es so ruhig ist", sagte ein Polizist in Frankfurt/Oder. Ein Kollege in Göttingen sagte, es sei neblig und glatt, aber nichts passiere. "Angenehm ereignisarm", meldete Jena. Für die Polizei Heidelberg "hat sich alles beruhigt".

In Magdeburg mutmaßte eine Sprecherin gar "Die sind wohl alle zu Hause geblieben." Und auch in Kempten im Allgäu, wo am Montagabend 14 Zentimeter Schnee lagen, hieß es: "Wir haben gar keine Wetterunfälle." Oldenburg in Niedersachsen meldete: "Bisschen diesig, aber kein Neuschnee." Und in Stralsund herrschte "absolute Ruhe".

Auf den Bahnstrecken verspäteten sich im Nah- und Fernverkehr die Züge, wie schon seit Tagen. Das Unternehmen hat 10.000 Mitarbeiter im Einsatz, die Schnee wegräumen.

Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach kündigte für den Tag Tauwetter in ganz Süddeutschland an. Im Norden hingegen soll es kalt bleiben. Vor allem in Nordhessen und Nordrhein-Westfalen werde es etwas schneien. Gefahr drohe eher durch Eisregen.

Der Betreiber des Flughafens Frankfurt hoffte auf ein Ende der Winter bedingten Probleme bis Weihnachten. "Wir sind guter Dinge, dass sich die Lage heute normalisiert", sagte ein Sprecher. Absehbar waren auf Deutschlands größtem Luftdrehkreuz, dass etwa 300 innerdeutsche Lufthansa-Verbindungen ausfallen. Am Montag waren es 340 der etwa 1300 geplanten Starts und Landungen gewesen.

Der Brüsseler Flughafen schloss am Montagabend, weil die Flüssigkeit zum Enteisen der Flugzeuge ausging. Lkw mit Nachschub durften in Frankreich wegen des Schnees nicht weiter fahren. London-Heathrow lockerte das Nachtflugverbot, um den Passagierstau abzubauen. In Deutschland appellierte Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) an die Bundesländer, Ausnahmen zuzulassen. Forderungen von SPD und Grünen nach einer Schneeketten-Pflicht für Lkw erteilte er jedoch eine Absage.