In weiten Teilen Deutschlands ist derzeit kein Durch- oder Weiterkommen. Reisende und Pendler werden auf eine harte Probe gestellt. Vor allem in einem Streifen vom Saarland über Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordbayern, Thüringen und Sachsen sorgte das Winterwetter für Probleme auf Straßen, Schienen und im Flugverkehr. Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt am Main ist aktuell stark eingeschränkt, musste in der Nacht gar vier Stunden lang schließen. Mehr als 2000 Passagiere verbrachten die Nacht in den Terminals. Fast 1000 strandeten nach Umleitungen auf dem Flughafen in Hannover-Langenhagen.

Insgesamt wurden nach Angaben eines Sprechers bis zum frühen Nachmittag in Frankfurt bereits rund 400 Flüge gestrichen, 40 weitere wurden umgeleitet. Die Flugzeuge hätten auf den schneebedeckten Landebahnen nicht bremsen können, zudem war die Sicht beeinträchtigt. Es gebe Rückstauprobleme am Flughafen, und Maschinen von europäischen Flughäfen in Richtung Frankfurt dürften nicht starten, sagte ein Sprecher.

Europaweit herrschen inzwischen Engpässe in der Lieferung von Enteisungsmittel für Flugzeuge. Auf einigen deutschen Flughäfen fehlt die Chemikalie schon komplett. Grund dafür sind laut Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen Lieferschwierigkeiten der wenigen spezialisierten Hersteller der Flüssigkeit.

Auch in Berlin sind Ausfälle und Verspätungen wahrscheinlich. Im Lauf des Donnerstags sei damit zu rechnen, dass an den Flughäfen Tegel und Schönefeld rund 60 Flüge ausfallen, sagte ein Sprecher des Flughafens.

Am zweitgrößten deutschen Flughafen in München lief der Verkehr hingegen weitgehend normal. Bis zum Vormittag seien hier 13 Flüge ausgefallen – die meisten, weil die Maschinen wegen des Schneetreibens in anderen Städten nicht Richtung München starten konnten.

Härter als Deutschland traf es Frankreich. Schwere Schneefälle legen derzeit den Großraum Paris lahm. Am Flughafen Roissy-Charles de Gaulle saßen Tausende Reisende fest, nachdem am Mittwoch für zwei Stunden der Flugverkehr eingestellt worden war. Mehr als hundert Flüge wurden abgesagt. Dort ist derzeit mit massiven Verspätungen zu rechnen.

Reisende in Schottland müssen sich derzeit auf stark eingeschränkten Straßen- und Schienenverkehr einstellen. So wurden Teile der Hauptverkehrsstraße M8 zwischen Edinburgh und Glasgow gesperrt. Die schottische Hauptstadt rief mittlerweile sogar die Armee zur Hilfe. In der Stadt liegen bis zu 70 Zentimeter Schnee. Auch Flüge von und zu den Flughäfen Glasgow und Edinburgh International sind teilweise unterbrochen.

Auch der Schienenverkehr ist vom Schnee betroffen. Daher können Bahnkunden wegen der anhaltenden Winterprobleme ihre Fahrkarten weiterhin gebührenfrei zurückgeben. Die Bahn verlängerte diese Regelung. Wer lieber später oder gar nicht mehr reisen will, muss für zuggebundene Fahrkarten und Reservierungen bis einschließlich Sonntag die übliche Erstattungsgebühr nicht bezahlen, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Sonst kostet dies in der Regel 15 Euro.

Schnee und Eisregen hatten laut Bahn in der Nacht und am Donnerstagvormittag vor allem in Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Hessen und Bayern zu Störungen geführt. Weitere Verspätungen und Ausfälle seien möglich, hieß es.

Auf der Strecke Berlin-München gibt es Verspätungen von eineinhalb Stunden, weil die Züge zwischen Leipzig und Nürnberg über Fulda umgeleitet werden. Bäume entlang der Strecke drohten unter der Schneelast auf die Gleise zu stürzen.

Aus Sicherheitsgründen drosselt die Bahn ihre Hochgeschwindigkeitszüge. Sie fahren bundesweit nur noch höchstens 200 Stundenkilometer. Damit werde verhindert, dass von der Wagenunterseite herabfallende Eisklumpen Schotter hochwirbeln, der die Züge beschädigt.