EU-Verkehrskommissar Siim Kallas hat die schlechte Organisation der europäischen Flughäfen kritisiert. Sie hätten zu wenig Enteisungsmittel auf Lager, sagte er in Brüssel und fand deutliche Worte: "Diese Situation ist inakzeptabel und darf nicht wieder vorkommen". Er hat die Chefs der großen Flughäfen Europas zu einem Treffen eingeladen und hofft, dass dabei Pläne entstehen, um die Situation zu verändern.

In den vergangenen Tagen hatten mehrere Flughäfen, darunter London, Frankfurt, Paris und Brüssel, vorübergehend den Betrieb eingestellt. Die EU-Kommission ist der Ansicht, dass Flughäfen auch bei Schnee und Eis in der Lage sein müssen, den Betrieb aufrecht zu erhalten. "Bessere Vorbereitung, so wie es in Nordeuropa gemacht wird, ist kein optionales Extra, sondern muss mit dem nötigen Aufwand geplant werden", verlangte der EU-Verkehrskommissar.

Das Winterwetter behindert den Flugverkehr in Europa weiterhin massiv. Der Flughafen Frankfurt musste am frühen Morgen wegen neuer Schneefälle gesperrt werden. Mindestens 300 Flüge fielen aus, viele andere hatten Verspätung. Am Vormittag konnte der Betrieb zwar wieder aufgenommen werden, zahlreiche Verbindungen, zum Beispiel nach London, wurden aber gestrichen. Vorerst war am wichtigsten deutschen Luftfahrtdrehkreuz nur eine der drei Bahnen freigegeben.

Der größte europäische Flughafen London-Heathrow war am vierten Tag in Folge weitgehend lahmgelegt, an den fünf Terminals herrschte Chaos. Nur 30 Prozent der Flüge konnten abgewickelt werden, teilte der Flughafenbetreiber mit. Auch hier steht nur eine der beiden Start- und Landebahnen zur Verfügung. Auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle gab es ebenfalls zahlreiche Verspätungen.

Mehrere Flüge wurden unterdessen von Frankfurt nach Leipzig/Halle umgeleitet. Bis zum Vormittag waren fünf Passagier- und zwei Frachtmaschinen in Leipzig gelandet. "Wie und wann es für die Flugreisenden weitergeht, wissen wir noch nicht", sagte Flughafen-Sprecherin Evelyn Schuster. Leipzig/Halle ist der offizielle Ausweichflughafen für Frankfurt.

Die schneebedingten Probleme in Frankfurt ziehen auch die übrigen Flughäfen in Mitleidenschaft. In Hamburg wurden Verbindungen nach Frankfurt und London gestrichen. "Die Lage ist wie gestern: Bei uns läuft alles ganz normal, die Probleme liegen an den Zielflughäfen", sagte eine Sprecherin des Hamburger Flughafens.

Auch in München fielen am Vormittag bereits 50 Flüge aus. Dabei herrscht dort Tauwetter, der Flughafenbetrieb könnte normal laufen. "Wir arbeiten noch den Restverkehr von Frankfurt, London, Amsterdam und Brüssel ab", sagte ein Flughafensprecher in München. Vor allem die Schließung in Frankfurt am frühen Morgen sei der Grund für den Großteil der Annullierungen. Für die Verspätungen oder Ausfälle sei der Münchner Flughafen nicht verantwortlich.

Für diesen Mittwoch erwartet die Lufthansa die Rückkehr zum beinahe normalen Flugbetrieb. Alle Langstreckenflüge sollen wie geplant stattfinden, sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Auch alle innereuropäischen Flüge sollen angeboten werden, Ausnahmen gibt es nur für Ziele wie London Heathrow, die wetterbedingt nicht uneingeschränkt angeflogen werden können. Auf innerdeutschen Strecken soll es nur noch einzelne Streichungen geben. In Frankfurt gingen die Prognosen der Meteorologen inzwischen von Temperaturen über dem Gefrierpunkt aus.

Durch die vielen Streichungen der vergangen Tage gibt es aber noch einen Passagierrückstau, sagte Jachnow. Daher rufe die Lufthansa Reisende auf, nach Möglichkeit alternative Verkehrsmittel zu nutzen. Alle Passagiere ab Frankfurt wurden aufgerufen, mindestens drei Stunden vor Abflug zum Flughafen zu kommen, da es nach wie vor Schlangen vor der Gepäckabfertigung geben könne.