Angesichts der Unruhen in Ägypten haben mehrere Länder Vorbereitungen getroffen, ihre Staatsbürger auszufliegen. Das Auswärtige Amt in Berlin bat die deutschen Fluggesellschaften, zu prüfen, ob zusätzliche Linienflüge aus der Hauptstadt Kairo bereitgestellt werden können. Auch die USA, die Türkei sowie verschiedene europäische Länder aktualisierten ihre Reisewarnungen und schickten zum Teil zusätzliche Flugzeuge zur Ausreise.

Neben der Warnung vor Reisen in die großen Städte Kairo, Alexandria und Suez riet das Auswärtige Amt am Sonntag auch von Reisen in die urbanen Zentren im Landesinneren ab. Jedem Reisenden werde empfohlen, sorgfältig abzuwägen, ob er die Reise  nach Ägypten antreten soll. Das gelte auch für die Urlaubsgebiete fernab der Städte.

Die Lufthansa wollte am Montag einen zusätzlichen Linienflug von Frankfurt nach Kairo anbieten, um mehr Menschen ausfliegen zu können. Zudem bietet die Fluglinie kostenlose Umbuchungen an. Unter der Sonderrufnummer 030/50570341 können Lufthansa-Flüge ab Kairo gebucht werden. Darüber hinaus verlief der Flugverkehr in den Touristenorten am Roten Meer nach Angaben des Auswärtigen Amtes bislang normal und mit ausreichenden Kapazitäten.

Die USA rieten ihren Staatsbürgern ebenfalls von Reisen nach Ägypten ab und bewilligten die Ausreise von Botschaftsangehörigen und nicht dringend benötigtem Personal. Die US-Botschaft in Kairo erklärte, sie habe die Landsleute in Ägypten informiert, dass sich das US-Außenministerium auf Wunsch um Flüge an sichere Orte in Europa kümmere. Demnach sollen die Flüge ab Montag starten. US-Bürgern in Ägypten riet die US-Regierung, bei Demonstrationen in ihren Häusern oder Hotels zu bleiben bis sich die Situation entspanne. Zudem sollten Wege zur US-Botschaft während der Proteste vermieden werden.

Die Türkei schickte insgesamt fünf Flugzeuge nach Ägypten, um ihre in dem nordafrikanischen Land lebenden Staatsbürger auszufliegen, wie das türkische Außenministerium mitteilte. Drei zusätzliche Flüge seien als Ergänzung zu den normalen Linienflügen geschickt worden. Demnach sollten zwei zusätzliche Turkish-Airways-Maschinen nach Alexandria und eine nach Kairo fliegen.

Frankreich strich auch bis auf Weiteres alle Ägypten-Reisen, wie der Präsident der Gewerkschaft der Reiseveranstalter, Georges Colson sagte. Auch am Montag werde es keine Abreisen geben. Damit folgten die Veranstalter den Hinweisen des französischen Außenministeriums, sagte Colson. Die Urlauber in dem von Unruhen geschüttelten Land hätten bislang keine Zwischenfälle erlebt und die Rückreise verlaufe planmäßig. Laut Colson halten sich derzeit etwas mehr als 1000 französische Urlauber in Ägypten auf.

Die britischen Reiseveranstalter erklärten, ihre Kunden zunächst nicht außerplanmäßig aus Ägypten ausfliegen zu wollen. Das Außenministerium in London riet zwar von Reisen nach Kairo, Alexandria, Luxor und Suez ab, die Badeorte am Roten Meer seien von der Warnung aber ausgenommen, sagte eine Sprecherin des britischen Reiseverbands Abta. Etwa eine Million Briten fliegen jedes Jahr nach Ägypten.

Die großen skandinavischen Reiseveranstalter kündigten dagegen an, ihre Kunden nach Hause holen zu wollen und weitere Reisen wegen der Unruhen zu annullieren. Schweden und Finnland hatten zuvor ihre Reisehinweise verschärft.

Immer mehr Bürger der ägyptischen Oberschicht fliehen derweil aus dem Land. Am Sonntag seien bis zum Beginn der Ausgangssperre erneut 45 Privatflugzeuge vom Flughafen Kair gestartet, mit denen Unternehmer, Diplomaten und Künstler sowie ihre Familien ausflogen, wie es in Kreisen der Flughafenverwaltung hieß. Am Vortag waren 19 private Flüge gestartet. In einem Sonderterminal für nichtkommerzielle Flüge warteten weitere Gäste. In dem Terminal werden Passagiere abgefertigt, die mit Privatflugzeugen oder kleinen, privat gemieteten Chartermaschinen starten.