Das Berner Oberland, Heimat grandioser Berge wie Eiger, Mönch und Jungfrau und eines Nobelortes wie Gstaad, sollte eigentlich zu den meistfotografierten Landschaften Europas gehören.

Karl-Friedrich-Scheufele, Co-Präsident von Chopard, verbrachte dort schon in seiner Kindheit die Ferien, heute besitzt er selbst in der Nähe von Gstaad ein Chalet. Als er sich jedoch für seine Kunstsammlung auf die Suche nach Fotografien seiner geliebten Landschaft begab, wurde er nicht fündig. Der Firmenchef beschloss, die Rolle des Mäzens zu übernehmen und eine Serie über das Berner Oberland bei Gstaad selbst mitzufinanzieren.

Der in Los Angeles lebende Schweizer Fotograf Michel Comte ist bekannt für Vielseitigkeit. Er ist der Leibfotograf des Rennfahrers Michael Schumacher, er hat als Mode- und Porträtfotograf die Stars und die Topmodels geshootet. Sein Aktfoto in Schwarzweiß von Carla Bruni wurde 2008 bei Christie’s für 91 000 Euro versteigert. Doch Comte bereiste als Fotograf des Internationalen Roten Kreuzes auch die Krisengebiete und machte politische Reise-Reportagen. In den letzten Jahren wurde es etwas ruhiger um ihn. Karl-Friedrich Scheufele besprach seine Idee mit der Galeristin Irène Schönholzer aus Gstaad, die den Kontakt zu Michel Comte aufnahm. Der Fotograf sagte spontan zu. So einen Auftrag hatte er noch nicht bekommen, und er reizte ihn.

Zehn Tage hielt sich Comte in Gstaad auf, und immer wenn das Wetter es erlaubte, brach er gemeinsam mit dem erfahrenen Bergführer Ueli Hauswirth zu einer Foto-Expedition in die Berge auf. Hauswirth begleitete Comte im Hubschrauber zu den eindrucksvollsten Plätzen, auch solchen, die nur selten von Menschen besucht werden.

Das Ergebnis sind teils poetische Aufnahmen von Seen und grünen Tälern und spektakuläre Großformate einer schroffen Bergwelt. Eine Auswahl von 30 Arbeiten ist bis Ende Oktober in Irène Schönholzers Galerie Lovers of Fine Art in Gstaad zu sehen sind. Die Formate reichen von 37,5 mal 50 Zentimeter, etwa in den Aufnahmen des abgeschiedenen Lauenensees, über 75 mal 100 Zentimeter große Abzüge bis hin zu 150 mal 225 Zentimer für den Ausblick von der Ebnefluh auf den schneebedeckten Anungrat mit den Walliser Alpen und dem dazugehörigen Matterhorn in den Wolken.

Zu den dramatischsten Arbeiten der Serie gehört die Schwarzweiß-Aufnahme eines Hängegletschers auf der Blüemlisalp. Die Galeristin widerspricht nicht der Lesart dieses Bildes als Ausdruck des Rückzugsgefechts, das die Schweizer Gletscher angesichts der globalen Erderwärmung führen. Idyllischer wirkt die Aufnahme des Lauenentals mit dem Hahnenschritthorn und dem Geltenhorn im Hintergrund. Die grünen Bergwiesen, die nirgendwo so gepflegt sind wie in der Schweiz, kontrastieren mit den schneebedeckten Gipfeln. Jedes Motiv gibt es in einer Auflage von acht, die auch nicht durch zusätzliche Auflagen in anderen Formaten erweitert werden soll, wie Schönholzer versichert. Die Preise pro Bild liegen je nach Format und Qualität zwischen 9.000 und 100.000 Franken.

Galerie Lovers of Fine Art, Irene Schönholzer. Gstaad, Gstaadplatz, Promenade 25-29. Tel. 0041 (0) 33 744 00 44, www.fineartgstaad.com
Die Ausstellung ist bis 30. Oktober zu sehen.