Gekürzte Fassung. Den vollständigen Text finden Sie in der aktuellen Ausgabe von National Geographic.

Schon dort, wo ich lebe, zwei Autostunden nördlich von New York City, spüre ich die Anziehungskraft der Adirondack Mountains, jener Bergkette, die noch einmal zwei Stunden weiter nordwestlich liegt. Eine Kraft, die ebenso groß ist wie jene von Manhattan und doch das genaue Gegenteil – es ist der Sog der Wildnis. Die Außenwelt verschwindet hier hinter Bergen, wird von Flüssen und Seen ausgesperrt. Wer auf einen der High Peaks steigt, sieht nichts weiter als – die Adirondacks.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts besuchen Menschen diese Berge. Anfangs mit der Pferdekutsche, dem Dampfschiff oder der Eisenbahn. Heute nimmt man die Autobahnabfahrt zwischen Albany und Montreal. Auf manchen Wegen in die Adirondacks hat man aber immer noch das Gefühl, die Wildnis wolle den Eindringling verschlingen.

Vom Süden kommend, zeigt sich dem Besucher diese Welt mit jedem Kilometer anders. Bald umschließt ihn eine dunkle Wand aus Bäumen. Dann sind da plötzlich nur noch Steine. Die Kuppe der Adirondacks, eine Ansammlung alten Felsgesteins, wächst immer noch schneller aus dem Untergrund empor als alles andere drum herum. Außerdem gibt es Wasser, sehr viel Wasser, in Teichen, Seen, Bächen, Flüssen und Sümpfen. Wer einen Ort sucht, an dem er den Zwängen der Zivilisation entfliehen möchte — hier findet er ihn, schrieb der Philosoph William James schon vor mehr als hundert Jahren.

Man könnte leicht glauben, es habe sich hier nichts verändert an dem, was James den "unberührten Wald" nannte. Tatsache aber ist: Von wenigen Ausnahmen abgesehen, hat sich in den Adirondacks fast alles verändert. Das geschlossene Grün der Sommerlandschaft verhüllt einen einzigartigen Umstand: Dieses weitläufige Gebiet im amerikanischen Bundesstaat New York ist von seiner Zusammensetzung her der wohl komplexeste Naturpark unseres Planeten.

Yellowstone zum Beispiel, den ersten Nationalpark der Welt, stellte der Kongress der Vereinigten Staaten 1872 in einem Stück unter Schutz. Zu jener Zeit waren Teile der Adirondacks seit mehr als einem halben Jahrhundert Industriegebiet. Der Wald wurde gerodet, um Holzkohle für die Schmelzöfen herzustellen, in denen das Eisen aus den Bergwerken der Region verhüttet wurde. Gerber schälten die Rinde von den gefällten Hemlocktannen. Es war die Zeit, in der Männer Bäume noch mit Äxten fällten oder mit der Zweimannsäge, Stümpfe zurücklassend, die ihnen bis zur Brust reichten. Pferde zogen die Bäume aus dem Wald, die Flüsse waren die Autobahnen, auf denen das Holz abtransportiert wurde.

Die beste Methode, dies zu verstehen, führt über die simple Frage: Wie erschafft man einen Park? Den

Zu den Wundern der Adirondacks gehört, wie schnell sich das geschändete Land erholt hat. Erst in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts hatte der Bundesstaat New York begonnen, abgeholzte Parzellen als Ausgleich für Steuerschulden zu beschlagnahmen. 1892 war es endlich so weit: Das Gebiet wurde zum Park erklärt. Ursprünglich umfasste er etwas mehr als eine Million Hektar (10.000 Quadratkilometer).