Ganze 17 Mal war Edvard Munch (1863–1944) in Lübeck. Die Stadt gefiel ihm nicht nur äußerlich gut. Der manisch-depressive Künstler fand in Dr. Max Linde (1862–1940) einen Mäzen.

Jener Lübecker Augenarzt war begeisterter Kunstsammler – Werke von Rodin, Manet, Liebermann oder Böcklin hingen in seiner Villa – und prophezeite dem jungen Maler, dass er die Kunst des 20. Jahrhunderts nachhaltig prägen werde. Zwischen 1902 und 1907 besuchte Munch seinen Förderer, lebte mit dessen Familie und legte in der Hansestadt, nicht zuletzt wegen Lindes Hilfe, den Grundstein für seine internationale Karriere.

Nebenbei schuf er eines seiner Hauptwerke ( Die Söhne des Dr. Max Linde ), das im Museum Behnhaus Drägerhaus zu sehen ist. Auch im Holstentor hängt ein Bild des Norwegers. Insgesamt beziehen sich etwa 50 Kunstwerke von Edvard Munch direkt oder indirekt auf die Hansestadt. 

Im Jahr 1926 besuchte Edvard Munch Lübeck zum letzten Mal. Während Munch berühmt wurde, erging es Linde nicht allzu gut. In den Zeiten der Inflation musste er sich von seiner Sammlung trennen, die heute eine ungeheuere Summe wert wäre. Nur noch die Villa des Augenarztes steht in St. Jürgen.

Einige nicht originale Radierungen und Lithografien hängen im linken Flügel des spätklassizistischen Gebäudes, das seit 1967/68 ein feudal-stilvoller Ort zum Heiraten ist. Ein kleines Gässchen neben dem Standesamt wurde zur Edvard-Munch-Straße.

Die Ausstellung " Edvard Munch – Rätsel hinter der Leinwand " ist noch bis 26.02.2012 in Bremen zu sehen.

Dieser Text ist im Michael Müller Verlag erschienen