trampen – so sehen meine liebsten Outdoor-Aktivitäten aus. Was aber heißt Outdoor eigentlich? Genau genommen gehört natürlich alles dazu, was man unter freiem Himmel in der Landschaft veranstalten kann: Segelfliegen genauso wie Sporttauchen, aber auch Rodeln, Angeln und Grillen finden ja draußen statt und sind daher "Outdoor".

Durch raschelndes Laub im mitteleuropäischen Wald wandern, in der Einsamkeit Skandinaviens vor der winterlichen Hütte Holz zum Feuern des Kanonenofens sägen, auf einem der großen Tracks durch den Spätfrühling der Südalpen in Neuseeland wandern oder, wie die Kiwis es nennen,

Da aber Skifahrer, Fallschirmspringer und viele andere eher selten von "Outdoor" reden, sondern ihren Sport fast immer beim Namen nennen, beschränke ich mich in dieser Kolumne erst einmal auf die Aktivitäten, die auf eigenen Beinen und aus eigener Kraft unter freiem Himmel stattfinden und die einen gewissen sportlichen Reiz ausüben. "Wandern" nannte man das früher. Um die Ausrüstung und Vorbereitung dazu soll es an dieser Stelle gehen. Und um Tipps für Routen und Reisen.

Das Equipment und die Planung machen einen der Unterschiede zu einem Spaziergang aus: Wer den Hund kurz zum Schnuppern und sonstigen Aktivitäten in den Park führt oder sich schnell mal die Beine vor dem Haus vertritt, verwendet dafür weder den Begriff "Outdoor" noch "Wandern". Auch bleiben Rucksack und Trekkingstiefel meist im Regal, wenn man nur 20 Minuten raus geht.
Umgekehrt gilt natürlich auch, dass man zu seinen Outdoor-Aktivitäten nicht einfach los latscht, sondern sich vorher ein paar Gedanken über den Ablauf und die nötige Ausrüstung macht. Wer länger als die eine Stunde draußen ist, nach der für viele der Spaziergang endet und die Wanderung oder das Outdoor-Abenteuer beginnt, braucht vielleicht andere Schuhe als beim Ausgehen mit dem Vierbeiner. Oder er macht sich Gedanken, wohin er denn genau laufen will, ob er unterwegs vielleicht Hunger und Durst bekommen könnte und falls ja, mit welchen Mitteln man beide abstellen könnte.

Allerdings sollte sich der Outdoor-Anfänger anfangs vielleicht gar nicht so viele Gedanken über Planung und Ausrüstung machen. Denn bevor man sich im Winter ein paar Hundert Kilometer durch das Gebirge Skandinaviens schlägt oder zur Survival-Tour im tropischen Regenwald aufbricht, sollte man doch erst mal in der näheren Umgebung die eigenen Outdoor-Qualitäten testen. Wie so viele Dinge im Leben fängt nämlich auch die Outdoor-Karriere meist klein an.

Anfangs läuft man vielleicht erst mal 70 Minuten durch den Buchenwald um die Ecke oder über die Felder am Stadtrand, um das Niveau des Spaziergängers abzustreifen. Verpflegung und Getränk können dann meist zu Hause bleiben, wichtiger sind gute Schuhe und passende Kleidung. Macht das Ganze auch beim dritten und vierten Mal Spaß, steigert man sich langsam. Die richtige Planung kommt dann ganz von selbst: Wohin möchte ich laufen, wie finde ich meinen Weg, was sollte ich mitnehmen.

Bei mir fing es zum Beispiel mit kurzen Strecken im heimischen Mittelgebirge an. Später ging es in die Alpen, zunächst noch Tagestouren, bald auch übers Wochenende. Und dann stand ich irgendwann im Süden Chiles im Nationalpark Torres del Paine, gut zwanzig Kilogramm Rucksackgewicht auf Schultern und Hüften verteilt und vor mir eine Woche Hochgebirge, kristallklare Seen, Urwälder und Steppen, Gletscher, aber praktisch keine Spur der modernen Zivilisation. Vom Schlafen im Zelt bis zum Kochen auf der Glut des Lagerfeuers, weil der nagelneue Benzinkocher gleich am ersten Tag den Geist aufgegeben hat, plötzlich war ich in der Wildnis und Einsamkeit zu Hause.