Kraniche sind Allesfresser, die ihre Nahrung beim Umherschreiten vom Boden oder aus dem flachen Wasser aufsammeln und damit wie auch Reiher und Störche zu den sogenannten Schreitvögeln zählen. Sie schlafen stehend im knietiefen Wasser, das hier als Schutz gegen Feinde wie beispielsweise den Fuchs dient. Im Herbst ernähren sich die Kraniche auch von den Ernteresten der Felder und der Saat. Um den Schaden für die Bauern gering zu halten – und den Tausenden von Vögeln ausreichend Nahrung zu bieten – gingen die Naturschutzorganisationen in den 1990er Jahren zu "Ablenkfütterungen" über, wie sie beispielsweise am Kranich Utkiek in Hohendorf zu beobachten sind.

Aus der Nähe wird man einen Kranich in freier Natur ansonsten kaum zu sehen bekommen. Die Tiere sind sehr scheu und fliegen schon bei einer Annäherung auf etwa 300 m auf. Bessere Chancen hat man von besagtem Utkiek (gibt es auch in Bisdorf bei Groß Mohrdorf sowie zwei Beobachtungspunkte bei Zingst), doch auch hier sollte man unbedingt ein Fernglas dabei haben. Bei ihrer berühmten Balz wird man die Kraniche nur gelegentlich im Frühjahr erleben dürfen, diese findet hauptsächlich an den Brutplätzen in nördlicheren Gefilden statt. Während die Tiere bis Ende der 1980er Jahre noch als überaus selten galten, hat sich ihr Bestand heute vervielfacht. Vor allem durch die 1990 ausgewiesenen strengen Schutzgebiete des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft finden die Kraniche hier optimale Bedingungen ohne Störung durch Mensch und Landwirtschaft.

Über den Kranich wird schon in der Mythologie als Glücksbringer berichtet. Auf altägyptischen Grabplatten ist er genauso zu finden wie im russischen Märchen, in Indien verehrt man ihn als Gott, in China als göttlichen Himmelsboten und als Symbol für Weisheit und ein langes Leben, in Japan werden Papierkraniche als Glücksbringer gefaltet. Seinen Namen als "Vogel des Glücks" soll der Kranich allerdings in Schweden bekommen haben, wo sein Erscheinen im Frühjahr das Ende der dunklen, kalten Zeit einläutet. Kein Wunder, dass immer mehr Besucher diese großen, eleganten Vögel auch aus der Nähe (beziehungsweise aus relativer Nähe) betrachten möchten.

Die alljährlich im Frühherbst (ca. Mitte September bis Mitte/Ende Oktober) angebotenen Kranichfahrten mit dem Schiff sind jedenfalls sehr beliebt und finden zweimal wöchentlich nachmittags ab Schaprode/Rügen, zweimal wöchentlich ab Zingst und einmal wöchentlich ab Stralsund statt (Dauer ca. 4 Std., 19 Euro bzw. 20 Euro/Pers., Kinder 13 Euro bzw. 14 Euro, Anmeldung unter Tel. 03831-26810, weitere Infos: www.reederei-hiddensee.de). Begleitet und moderiert werden die Fahrten von Mitarbeitern des Kranichzentrums Groß Mohrdorf.

Dieser Text ist im Michael Müller Verlag erschienen