Nach dem Ausfall von großen Teilen der Berliner S-Bahn rollen die Züge nach Angaben der Bundespolizei wieder. Es sei aber weiterhin mit Verzögerungen zu rechnen, sagte Sprecher Meik Gauer. Ursache des Ausfalls sei vermutlich ein Kurzschluss bei Bauarbeiten auf dem Gelände des Stellwerks Halensee im Westen der Hauptstadt. Es steuert den größten Teil des Berliner S-Bahn-Verkehrs. "Wir haben keine Hinweise auf einen Anschlag", sagte Gauer.

Viele S-Bahnen in Berlin standen seit etwa 11.45 Uhr still, Tausende Fahrgäste waren in den Wagen eingeschlossen. Nur im Osten der Stadt fuhren noch einige Züge. Von den Ausfällen war auch der Fernverkehr im Raum Berlin betroffen. Reisende müssen deshalb dort wie auch im Nahverkehr noch mit Ausfällen und Verspätungen rechnen.

Genauere Informationen sind nur schwer zu bekommen. So ist etwa auch die Internetseite der S-Bahn nicht erreichbar. Fahrgäste werden über Lautsprecherdurchsagen und Personal auf den Bahnsteigen informiert. Bei Twitter halten inoffizielle Accounts Bahnreisende auf dem Laufenden. Der Tagesspiegel hat ein Liveblog eingerichtet.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) stockten wegen des Ausfalls die Wagenzahl von U-Bahnen und Straßenbahnen auf. Zudem würden zusätzliche Busse auf die Straßen gebracht, sagte eine Sprecherin.

Verkehrssenator kritisiert Anfälligkeit

Im Stellwerk Halensee befindet sich die Betriebszentrale der S-Bahn, in der alle elektronischen S-Bahn-Stellwerke der Metropole gebündelt werden. Sie steuern den größten Teil des Verkehrs. Es gibt aber auch noch einige alte mechanische Stellwerke, vor allem in Außenbezirken.

Der neue Berliner Verkehrssenator Michael Müller (SPD) kritisierte die Anfälligkeit der S-Bahn. "Dass die gesamten Züge der S-Bahn durch einen einzigen Stellwerkdefekt ausfallen, ist kaum vorstellbar", sagte er dem Tagesspiegel. Er habe mit der Geschäftsführung der S-Bahn gesprochen und sie aufgefordert, sich vor allem um die Kundeninformation und den Ersatzverkehr zu kümmern.

Bei der S-Bahn in Berlin ist es in der Vergangenheit wiederholt zu Problemen gekommen. Wartungsmängel, Technikprobleme und Managementfehler haben die S-Bahn vor zweieinhalb Jahren in eine Krise gestürzt. Seit Sommer 2009 sind wegen Mängeln an den Fahrzeugen und im Winter Teile der Flotte nicht einsatzbereit gewesen. Noch heute ist der Wagenpark noch nicht wieder komplett.